Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jugendbanden werden wissenschaftlich erforscht

13.12.2006
Sozialer und familiärer Rückhalt fehlt

Das Phänomen 'Jugendgang' tritt mittlerweile auch in Europa immer häufiger auf. Im Gegensatz zu der weitverbreiteten Meinung, es handle sich hierbei um verzogene Jugendliche, haben Wissenschaftler nun herausgefunden, dass Gangs bestimmte soziale Strukturen darstellen.

Die meisten Mitglieder haben keinen oder nur wenig sozialen und familiären Rückhalt. Um dies zu kompensieren, schließen sich die Jugendlichen zu Gangs zusammen. So lauten die zentralen Ergebnisse einer ersten nicht repräsentativen Erhebung des internationalen Forschungsprojekts "Eurogang Program of Research" in Deutschland, die gestern, Dienstag, veröffentlicht wurde.

Bisherige Studien aus den USA und Europa haben gezeigt, dass etwa sechs bis acht Prozent der Jugendlichen Mitglieder einer Gang sind. Kerstin Reich vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen beruhigt aber: "Klar ist, dass nur ein geringer Teil der Jugendgruppen problematisch wird". Illegale, kriminelle oder gewalttätige Handlungen würden aber einen Teil der Gruppenidentität ausmachen. So gaben etwa 50 Prozent der befragten Jugendlichen an, schon mit anderen Gangmitgliedern gekämpft zu haben. Weitere 38 Prozent waren bei gewalttätigen Übergriffen auf andere Menschen beteiligt. Darüber hinaus trinken nach eigenen Angaben 64 Prozent der 13- bis 16-jährigen Gangmitglieder oft oder häufig Alkohol, bei anderen Jugendlichen waren dies 'nur' 40 Prozent.

... mehr zu:
»Eurogang »Gangmitglied

Reich warnt jedoch vor einem falschen Bild. "Diesen Jugendlichen fehlt es oft an sozialer Orientierung und schließen sich daher einer Gang an. Der Mensch ist nicht von Grund auf böse", erklärt Reich auf Anfrage von pressetext. Viele der Gangmitglieder haben wenig elterliche Kontrolle und oftmals fehlt auch der soziale Rückhalt. Darüber hinaus wiesen die meisten Gangmitglieder einen Migrationshintergrund auf. Neben sozialer Orientierung würden Jugendliche vor allem Schutz, Stabilität, Zugehörigkeit und Akzeptanz innerhalb der Gang suchen.

Ob die europäischen mit den traditionellen amerikanischen Gangs vergleichbar wären, verneinte Reich im Gespräch mit pressetext. "Die amerikanischen Gangs haben stärkere Hierarchien und eine andere, längere Tradition", erklärt Reich. Darüber hinaus gebe es noch eine Reihe quantitativer Unterschiede wie beispielsweise den Zugang und Gebrauch von Waffen. "In Europa gibt es keine so festen Gruppen. Sie entstehen eher zufällig und sind nicht so stabil", so Reich.

Generell befindet sich die 'Gang-Forschung' erst am Anfang. "Wir haben uns dem 'Eurogang Program of Research' angeschlossen, um erste Erkenntnisse zu erlangen", so Reich abschließend gegenüber pressetext. Unter anderem nehmen an dem europäischen Forschungsprogramm Deutschland, Großbritannien, Spanien Frankreich und Norwegen teil. In einem ersten Schritt wurden die Erhebungsinstrumente getestet. Nach der eigentlichen Erhebung sollen die einzelnen Ergebnisse der verschiedenen Länder miteinander verglichen werden.

Victoria Danek | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Eurogang Gangmitglied

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

25.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung