Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studien der Europäischen Akademie empfehlen flexible Strategien für einen umsetzbaren Klimaschutz

04.12.2006
Die Anzeichen für einen bereits jetzt einsetzenden Klimawandel mehren sich.

In diesem Zusammenhang verweist die Europäische Akademie auf zwei ihrer Studien, die sich mit der wissenschaftlichen und politischen Seite des Klimaproblems befassten. Die Studie "Klimavorhersage und Klimavorsorge" gab schon 2002 Empfehlungen für einen umsichtigen Klimaschutz vor dem Hintergrund zu befürchtender aber ungewisser Klimaschäden. In der Folgestudie wurden 2004 legitimierbare "Konkretisierungsstrategien für Art. 2 der UN-Klimarahmenkonvention" vorgeschlagen.

Die Ergebnisse beider Studien sind heute nicht zuletzt angesichts des bisher schleppenden Verlaufs der internationalen Klimaschutzverhandlungen aktuell. So hatte die kürzlich durchgeführte Weltklimakonferenz in Nairobi zügige Verhandlungen zu weit reichenden Emissionsminderungszielen und Anpassungsmaßnahmen angestrebt. Diese Ziele wurden allerdings nur teilweise erreicht.

Die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention konnten sich lediglich auf einen Überprüfungsauftrag bisheriger Emissionsminderungen sowie auf Unterstützungsfonds für Entwicklungsländer einigen. Dies war aus Sicht von Umweltschutzorganisationen und mancher engagierter Unternehmen enttäuschend. Gleichwohl wäre eine Verordnung rigider Klimapolitik "von oben" in einer internationalen Staatengemeinschaft mit heterogenen Interessenlagen nicht möglich und sicher auch kaum wünschbar.

... mehr zu:
»Hrsg »Klimaschutz
Die Studienautoren M. Claussen, A. Grunwald, A. Hense, G. Klepper, S. Lingner, K. Ott, D. Schmitt, M. Schröder und D. Sprinz fordern angesichts der schwierigen Verhandlungslage bei bestehenden Klimarisiken, Klimapolitik als generationenübergreifende Aufgabe zu verstehen, anstatt die Klimaproblematik heute für alle Zeiten lösen zu wollen. Dabei wird das Konzept der "flexiblen Planung" klimapolitischer Ziele vorgeschlagen, das durch Alarmismus, Steuerungsoptimismus oder Resignation getragene Fehlentwicklungen vermeiden soll: Klimaschutzstrategien - wie beispielsweise der Umbau der Energiesysteme - sollten allmählich und vorhersehbar umgesetzt werden, damit neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder praktische Erfahrungen mit neuen Instrumenten (z.B. Emissionshandel) in die Zielplanung der Klimavorsorge einfließen können. Mit diesem Prozess "gesellschaftlichen Lernens" können klimapolitische Zielsetzungen laufend und bedarfsgerecht modifiziert werden, ohne bestimmte Klimaschutzmaßnahmen oder kurzfristige ökonomische Maximen dogmatisch festzuschreiben. Verbindliche Maßnahmen in Richtung einer frühzeitigen Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen auf niedrigem Niveau sind zwar ethisch wünschbar, aber nur dann auch zwingend geboten, wenn sich die Mehrheit der großen Emittenten der internationalen Staatengemeinschaft an einem entsprechend ambitioniertem Klimaschutzregime beteiligen würde.

Die Autoren empfehlen, kurzfristig konkrete und durchsetzbare Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Sie sollten zunächst kostengünstig gestaltet werden, um im weiteren Verlauf an neue Erkenntnisse über die aktuelle Risikolage angepasst zu werden.

Publikationen:
M. Schröder, M. Claussen, A. Grunwald, A. Hense, G. Klepper, S. Lingner, K. Ott, D. Schmitt, D. Sprinz (2002) Klimavorhersage und Klimavorsorge. Band 16 der Reihe "Wissenschaftsethik und Technikfolgenbeurteilung" (Hrsg. C. F. Gethmann). Springer-Verlag, Berlin Heidelberg. ISBN 3-540-43239-6 (engl. Kurzfassung als 32. Band der "Grauen Reihe" der Europäischen Akademie GmbH (Hrsg. C. F. Gethmann) als PDF unter www.ea-aw.de)

K. Ott, G. Klepper, S. Lingner, A .Schäfer, J. Scheffran, D. Sprinz (2004) Konkretisierungsstrategien für Art. 2 der UN-Klimarahmenkonvention. Band 37 der "Grauen Reihe" der Europäischen Akademie GmbH (Hrsg. C. F. Gethmann) (als PDF unter www.ea-aw.de)

Friederike Wütscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.ea-aw.de

Weitere Berichte zu: Hrsg Klimaschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops