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Übergewicht und Depression: RUB-Langzeitstudie zur Operation versus Diät

29.11.2006
RUB-Forscherteam untersucht Zusammenhänge

Zwischen 25 und 30 Prozent der Frauen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit extremem Übergewicht (schwere Adipositas, Body-Mass-Index, BMI > 40 kg/m2) leiden im Laufe ihres Lebens an einer Depression - bei normalgewichtigen Frauen liegt die Häufigkeit einer Depression bei 17 Prozent.

In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Langzeitstudie untersuchte Prof. Dr. Stephan Herpertz (RUB-Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Westfälische Klinik Dortmund) die Frage, ob das Vorhandensein psychischer Störungen den Erfolg einer Diät oder einer Magenverkleinerungs-Operation beeinflussen, also als Prognosefaktor dienen kann. Seine ersten Ergebnisse nach vier Jahren besagen, dass bei Patienten, die ihr Gewicht mittels Diät verringerten, sich nicht nur die Pfunde, sondern auch die Depression wieder einstellt. Die chirurgisch behandelten Patienten hielten ihr Gewicht besser und klagten auch später weniger häufig über depressive Stimmungen.

Gewicht sank in der Chirurgie-Gruppe erheblich und dauerhaft

Für die Studie untersuchten die Forscher über vier Jahre hinweg 250 adipöse Patienten, die mittels Diät an Gewicht abnahmen, 153 Patienten, deren Übergewicht mit chirurgischen Methoden verringert wurde und 174 bzw. 128 normalgewichtige und adipöse Kontrollpersonen, die weder Diät hielten noch operiert wurden. Der Gewichtsverlust in der konventionellen Adipositasbehandlung betrug nach vier Jahren durchschnittlich 4,2 Kilo (8,9 Prozent des ursprünglichen Gewichts), bei chirurgisch behandelten Patienten 34,3 Kilo (42,8 Prozent). In der Kontrollgruppe nahm das Gewicht durchschnittlich um 0,4 Kilo ab. Der BMI sank in der Diätgruppe von 41 auf 39, in der Adipositas-Chirurgie-Gruppe von 51 auf 39, in den Kontrollgruppen veränderte er sich kaum.

Depressive Symptome in der Diätgruppe erreichten nach vier Jahren ihren Ausgangswert

Die Häufigkeit der Depression (bezogen auf die Lebenszeit) war zu Beginn der Studie mit 29,1 Prozent in der Chirurgie-Gruppe und 26,2 Prozent in der Diätgruppe etwa gleich hoch. Nach einer anfänglichen Besserung nahmen depressive Symptome in der Diätgruppe jedoch im Laufe der vier Jahre wieder zu, ebenso wie die Teilnehmer wieder an Gewicht zunahmen, bis sie fast ihr Ausgangsgewicht erreicht hatten. In der Chirurgie-Gruppe war mit sinkendem Körpergewicht auch ein deutlicher Rückgang der Depressivität zu beobachten. Ebenso verhielt es sich mit der Lebensqualität: Sie verbesserte sich bei chirurgischen Patienten signifikant, während sie nach vier Jahren in der Diätgruppe wieder ihren Ausgangswert erreichte. "Die depressive Symptomatik scheint also bei den meisten Menschen mit extremer Adipositas eine Folgeerscheinung zu sein. Sie zeigt sich mit sinkendem Körpergewicht rückläufig", folgert Prof. Herpertz. Patienten mit extremer Adipositas (BMI > 40 kg/m2) sollten in der Regel einer Adipositas-chirurgischen Maßnahme zugeführt werden. Dadurch werden nicht nur medizinische, sondern auch psychische Faktoren wie auch die Lebensqualität deutlich verbessert.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Stephan Herpertz, Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Westfälischen Klinik Dortmund, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0231/4503-2848, E-Mail: stephan.herpertz@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

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