Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche erwarten Fortsetzung der europäischen Integration

20.09.2006
Fast jeder Zweite erwartet Türkei und Ukraine als Vollmitglieder in der EU

Die Deutschen erwarten eine Fortsetzung der europäischen Integration mit einer politischen Vertiefung und geographischen Erweiterung der Europäischen Union. Dies ist das Ergebnis einer Meinungsumfrage zur Zukunft der Europäischen Union im Auf­trag der Bertelsmann Stiftung. Befragt wurden 10.000 Bürgerinnen und Bürger in 13 ausgewählten Mitgliedsstaaten.

So glauben 45 Prozent der Deutschen, dass die EU 2020 auf der Basis einer gemeinsamen Ver­fassung regiert wird. 24 Prozent glauben an eine Weiterentwicklung der bestehenden Verträge. Dagegen sind nur 16 Prozent davon überzeugt, dass der heutige Status quo bestehen bleibt. Ge­fragt nach den Realisierungschancen ausgewählter Politikfelder, erwarten 59 Prozent der Deut­schen in fünfzehn Jahren eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik. Selbst in den klassi­schen Bastionen nationaler Politikgestaltung ist ein großer Anteil der Bevölkerung von einer ge­meinschaftlichen europäischen Politik im Jahr 2020 überzeugt. 38 Prozent glauben, dass eine ge­meinsame Sozialpolitik entstehen wird und 32 Prozent sehen bis dahin eine europäische Armee.

Mehr als zwei Drittel der deutschen Bevölkerung erwartet, dass die EU 2020 mehr als 27 Mitglie­der haben wird. Fast jeder zweite Deutsche sieht die Türkei und die Ukraine in 15 Jahren als Voll­mitglieder der Europäischen Union. So glauben 47 Prozent der Bürger in Deutschland, die Türkei werde im Jahre 2020 Mitglied der EU sein, für die Ukraine glauben das 45 Prozent.

Die Erwartungshaltung der Deutschen deckt sich dabei überwiegend mit der der meisten anderen "Alteuropäer". Allerdings glaubt im europäischen Länderdurchschnitt der Umfrage nur jeder Dritte an die Aufnahme der Türkei oder der Ukraine als Vollmitglieder der EU.

Unter den insgesamt 13 Staaten, in denen die Befragung durchgeführt wurde, zeigt sich allerdings auch ein heterogenes Meinungsspektrum. So finden sich die meisten "Euro-Optimisten" in Spa­nien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland. In den östlichen Beitrittsländern wie Litauen, Polen oder der Slowakei sind die Zukunftserwartungen der Bevölkerung im Durchschnitt deutlich gedämpfter.

Die höchste Erwartung, dass die EU zukünftig auf der Basis einer Verfassung regiert wird, lässt sich überraschenderweise in Frankreich und den Niederlanden feststellen, wo der Verfassungs­entwurf an Referenden gescheitert war. Hier glauben jeweils Mehrheiten von 57 Prozent bzw. 50 Prozent an die Verabschiedung einer gemeinsamen Verfassung in den kommenden Jahren. Nur etwa 10 Prozent sehen dann die gegenwärtigen Verträge noch wirksam. In keinem anderen EU-Land waren die "Verfassungs-Optimisten" so zahlreich wie in Frankreich. Im Durchschnitt glauben 40 Prozent der Europäer an die Zukunft einer gemeinsamen Verfassung. In den neuen Mitglieds­staaten war es jeder Dritte.

Interessanterweise zeigt sich auch die Bevölkerung in Großbritannien weit weniger skeptisch in Bezug auf die Zukunft der EU als erwartet. 52 Prozent der Briten glauben an eine gemeinsame EU-Wirtschaftspolitik und 54 Prozent erwarten sogar eine gemeinsame Sozialpolitik. Mehr als die Hälfte der Briten sehen die Türkei und die Ukraine als Vollmitglieder.

Generell betrachtet steht vor allem für die jüngere Generation in Europa nach dieser Erhebung fest, dass Europa weiter wachsen und noch enger zusammen arbeiten wird. Insgesamt zeigen sich für die Länder aber keine völlig gegensätzlichen Erwartungshaltungen oder konträren Trends.

Josef Janning, Europaexperte der Bertelsmann Stiftung, folgert daraus: "Die Bürger der EU sind in ihrer Mehrheit von der bisherigen Vision der EU sowie einer weiteren Vertiefung und Erweiterung der Union überzeugt. Viele der heutigen Streitpunkte sind nach Ansicht der Öffentlichkeit bereits erledigt. Daran muss die Europapolitik anknüpfen und etwa neue Erweiterungskonzepte für die EU entwickeln. Zur gemeinsamen Orientierung muss der Nutzwert Europas für den Bürger in neuen Großprojekten spürbar werden."

Fragen zur Zukunft der EU stehen am Wochenende im Mittelpunkt des International Bertels­mann Forum (IBF) in Berlin, an dem zahlreiche führende europäische Politiker teilnehmen werden. Unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Premier Dominique de Villepin, EU-Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso sowie die Ministerpräsidenten von Belgien und Ungarn, Guy Verhofstadt und Ferenc Gyurcsány. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat angekündigt, zum Auftakt der Konferenz eine europapolitische Grundsatzrede zu halten.

Als Grundlage der Diskussion hat die Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Münche­ner Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) ein Strategiepapier entwickelt.

Die Umfrage der Bertelsmann Stiftung war im August und September vom Meinungsforschungsin­stitut tns/EMNID in 13 europäischen Mitgliedsstaaten der EU durchgeführt worden. Dabei wurden repräsentativ über 10.000 Menschen befragt. Die Länder, in denen die Umfrage stattfand, bilden zusammen knapp 88 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU ab. Alle geographischen Räume der EU sind durch die Umfrage abgedeckt. Erfasst wurden alte ebenso wie neue Mitglieder, Nettozah­ler und Nettoempfänger.

Rückfragen an: Dr. Dominik Hierlemann, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung
Telefon: ++49 (0) 52 41 / 81-81 537
E-Mail: Dominik.Hierlemann@bertelsmann.de
Armando Garcia Schmidt, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung:
Telefon ++49 (0) 52 41 / 81-81 543
E-Mail: Armando.garciaschmidt@bertelsmann.de

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.Bertelsmann-Stiftung.de

Weitere Berichte zu: Bundeskanzlerin Erwartungshaltung Sozialpolitik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie