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Aknemedikament führt bei Mäusen zu Depressionen

20.09.2006
Studie liefert erste wissenschaftliche Beweise

Wissenschaftler der University of Bath haben nachgewiesen, dass das häufig gegen schwere Akne verschriebene Medikament Roaccutan bei Mäusen zu depressivem Verhalten führen kann. Die Forscher testeten das Medikament nach entsprechenden Vorwürfen und Selbstmorden bei Patienten. Roaccutan ist seit 1982 auf dem Markt. Die in Neuropsychopharmacology veröffentlichten Studienergebnisse liefern laut BBC den ersten wissenschaftlichen Beweis für diese Vorwürfe. Der Hersteller Roche warnt in den Beipackzetteln vor Depressionen.

Der chemische Mechanismus, der zum Auftreten von Depressionen führt, wurde nie nachgewiesen. Roaccutan wird normalerweise nur Teenagern mit sehr schwerer Akne verschrieben. Das Medikament gilt als hoch wirksam und wurde weltweit bisher schätzungsweise von 13 Mio. Patienten eingenommen. Die Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA) http://www.mhra.gov.uk hat bis diesen Monat 1.588 Berichte über nachteilige Wirkungen des Medikaments erhalten. Dazu gehörten 25 Selbstmorde. Die britischen Wissenschaftler verabreichten mit Kollegen der University of Texas halbwüchsigen Mäusen Roaccutan für die Dauer von sechs Wochen und beobachteten in der Folge das Verhalten der Tiere.

Es zeigte sich, dass es zu keinen Veränderungen in den körperlichen Fähigkeiten der Versuchstiere kam. Die Mäuse brauchten jedoch deutlich mehr Zeit zur Beurteilung ihrer Reaktionen auf Stress. Dieses Verhalten wurde als Zeichen dafür gewertet, dass die Tiere Anzeichen von Depressionen zeigten. Die Wissenschaftlerin Sarah Bailey erklärte, dass es ohne weitere Forschungsprojekte schwierig sei, ob der gleiche Zusammenhang auch bei Menschen bestehe. "Der Nachweis eines Zusammenhanges zwischen den aktiven Wirkstoffen des Medikaments und einer Änderung des mit Depressionen in Zusammenhang stehenden Verhaltens bei Mäusen ist jedoch ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Wirkung im größeren Kontext der Gehirnfunktionen." Bisher bestand der einzige Beweis für einen Zusammenhang aus individuellen Berichten von Patienten. Derartige Daten seien durch die schweren psychosozialen Auswirkungen einer schweren Akne schwieriger zu bewerten.

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Laut Bailey sollten Teenager die Einnahme nicht stoppen aber medizinischen Rat einholen, wenn sie sich depressiv fühlten. Eltern sollten ebenfalls auf Veränderungen der Stimmung ihrer Kinder achten. Es ist derzeit nicht bekannt, wie das Medikament Depressionen verursachen kann. Es wird für möglich gehalten, dass es die Werte entscheidender Chemikalien wie Serotonin im Gehirn senkt oder die Bildung neuer Gehirnzellen blockiert. Roaccutan gehört zu jenen Medikamenten, die dafür bekannt sind, dass sie die Entwicklung des Nervensystems beeinflussen. Aus diesem Grund wird Roaccutan Schwangeren nicht verschrieben.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bath.ac.uk
http://www.nature.com/npp
http://www.roche.com

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