Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stromanbieter nutzen Marktmacht

19.09.2006
Die hohen Brennstoffpreise und die Aufschläge für die CO2-Zertifikate sind die Hauptursache dafür, dass der Börsenpreis von Strom in den vergangenen Jahren so stark gestiegen ist. Das haben die Erlanger Wirtschaftswissenschaftler PD Dr. Hans-Günter Schwarz und Christoph Lang in einer jetzt veröffentlichten Studie belegt.

Außerdem konnten die beiden Forscher nachweisen, dass die Aufschläge der Stromanbieter auf die Erzeugerkosten seit 2000 stark gestiegen sind. Schwarz und Lang analysierten dazu die Entwicklung der Strompreise auf Großhandelsebene zwischen 2000 und 2005. Die vollständige Studie mit dem Titel "The rise in German wholesale electricity prices: Fundamental factors, exercise of market power, or both?" ist im Internet unter http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/forschung/energie/abstracts/MarketPower.pdf nachzulesen.

Der Einfluss der großen Anbieter auf die Strompreise ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Bis 2002 spielte deren Marktmacht keine Rolle. Das änderte sich ab dem Jahr 2003 drastisch: Da erhöhten die Stromanbieter den Aufschlag auf die Erzeugerkosten auf ca. 30 Prozent. Eine Megawattstunde Strom kostete 33,60 Euro, während die Erzeugerkosten lediglich bei 23,90 Euro lagen. 2004 und 2005 gingen die Aufschläg auf 17 bzw. 20 Prozent zurück.

Der durchschnittliche Aufschlag auf die Grenzkosten war 2005 in etwa der gleiche wie 2004, allerdings fluktuierte er viel stärker. "Es gab im vergangenen Jahr Monate, in denen der Aufschlag mehr oder weniger Null betrug, in anderen war er relativ groß", sagt Hans-Günter Schwarz. Auch für dieses auf den ersten Blick überraschende Ergebnis haben die Erlanger Energiespezialisten eine Erklärung: "Die Stromerzeuger waren aufgrund der anstehenden Zuteilung der CO2-Zertifikate für die zweite Handelsperiode in einem strategischen Dilemma: Wenn 2005 Basisjahr für die nächste Handelsperiode wird, ist es zumindest für einen Anbieter vorteilhaft, seine Produktion auszuweiten, um mehr Zertifikate zu erhalten. Diese Strategie ist vorteilhaft, solange sie nur ein Erzeuger anwendet und die anderen nicht. Dadurch können sich wechselnde optimale Strategien ergeben, was die fluktuierenden Aufschläge im Jahr 2005 erklären könnte."

Für die Studie entwickelten die beiden Ökonomen ein mathematisches Modell, das die Kosten der Stromerzeugung für jede Stunde ermittelt. Mit ihrer Arbeit schließen Schwarz und Lang eine große Lücke für die Forschung: Im Gegensatz zur intensiv geführten öffentlichen Debatte um den Strompreis gab es bislang nur eine einzige wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2004, die die Marktmacht der Stromerzeuger für den Zeitraum 2000 bis 2003 analysiert.

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de/

Weitere Berichte zu: Erzeugerkosten Marktmacht Stromanbieter Strompreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie