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LSD gegen Kopfschmerzen

18.09.2006
Bewußtseinserweiternde Mittel beugen Attacken vor

Ein Wissenschaftsteam um Andrew Sewell und John Halpern vom Alcohol and Drug Abuse Research Center am McLean-Krankenhaus im US-amerikanischen Belmont hat entdeckt, dass LSD und Psilocybin, der Wirkstoff in "magic mushrooms", eine schmerzstillende Wirkung bei Cluster-Kopfschmerzen haben. Die Forscher kamen zu dieser Erkenntnis, indem sie 53 Patienten aus den USA, den Niederlanden, Südafrika und Großbritannien, die die bewußtseinserweiternden Mittel zur Linderung der Symptome angewendet hatten, befragten. Die Studienergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.

Cluster-Kopfschmerzen sind durch quälende Schmerzen, die zwischen 15 Minuten und drei Stunden anhalten, gekennzeichnet. In der chronischen Form können Attacken acht Mal pro Tag auftreten, mit Unterbrechungen, die nicht länger als einen Monat anhalten. Die Erkrankung ist unheilbar. Betroffene bekommen oft Sauerstoff verabreicht, um die Attacken zu lindern. Manchen Patienten werden Migränemedikamente verordnet, aber die Nebenwirkungen sind oft extrem.

Vor etwa fünf Jahren verbreiteten sich im Internet Gerüchte über chronische Patienten, die für Perioden von zwei bis sechs Monaten völlig schmerzfrei waren, nachdem sie eine oder zwei niedrige Dosen LSD oder Psilocybin, die nicht zu Halluzinationen führten, einnahmen. Dies war für Sewell und Halpern der Startschuss, die Wirkung der Drogen eingehender zu untersuchen. Die Ergebnisse waren auffallend: Es stellte sich heraus, dass eine akute Attacke bei 85 Prozent der Betroffene unmittelbar aufhörte, wenn sie Psilocybin benutzten, während Sauerstoff in ähnlichen Fällen nur in 52 Prozent der Fälle eine Attacke zum Stehen bringen konnte. Auch stellte sich heraus, dass sowohl LSD als auch Psilocybin den Attacken besser als die konventionellen Medikamente vorbeugen können.

Es ist nicht klar, wie die Drogen genau funktionieren, abgesehen davon, dass sie die Gehirnaktivität beeinflussen. LSD und Psilocybin gehören zu einer bestimmten Art von Aminen, den Tryptaminen, die von der chemischen Struktur her viele Ähnlichkeiten mit natürlichen Transmittern wie etwa Serotonin vorweisen. Serotonin spielt eine Rolle bei der Verarbeitung von Schmerzauslösern. Chemisch ist LSD auch Methysergid ähnlich, ein traditionelles Medikament gegen Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.

Die Forscher gestehen ein, dass in retrospektiven Analysen wie dieser viele Ungenauigkeiten entstehen können. Patienten werden sich eher an positive als an negative Erfahrungen erinnern, und außerdem werden Menschen mit positiven Erfahrungen eher geneigt sein, an der Untersuchung teilzunehmen. Der mögliche Placebo-Effekt wurde auch nicht untersucht. Trotz des mangelnden Studienmodells meinen die Forscher, dass die Ergebnisse Grund genug sind, weitere Untersuchungen mit kontrollierten, klinischen Versuchen durchzuführen. "Wir sind es den Patienten schuldig, herauszufinden, ob diese Behandlung funktioniert", so Sewell.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.mclean.harvard.edu/research/adarc
http://www.neurology.org

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