Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie steht es um die Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall?

15.09.2006
Große Studie in 22 Ländern Europas / Region Münster repräsentiert Deutschland

Viele Herzinfarkte und Schlaganfälle wären vermeidbar, wenn die seit langem bekannten Empfehlungen zur Vorbeugung wirklich beherzigt würden. Gleichwohl wurde entsprechenden Risikofaktoren, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen Vorschub leisten, selbst bei Patienten, die schon einmal einen Infarkt erlitten haben, bislang offensichtlich zu wenig Beachtung geschenkt.

Hat sich in puncto Prävention in den letzten zehn Jahren etwas getan? Wie ist es in Europa aktuell um die praktische Umsetzung der von Fachgesellschaften herausgegebenen Richtlinien bestellt? Diese Frage soll in der dritten Runde von EUROASPIRE, der größten Studie zur primären und sekundären Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall in Europa beantwortet werden. Vorsitzender des Leitungsgremiums der in 22 Ländern Europas durchgeführten Studie, bei der Deutschland durch den Regierungsbezirk Münster repräsentiert wird, ist Prof. Dr. Ulrich Keil, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin des Universitätsklinikums Münster (UKM).

In jeder der 22 europäischen Untersuchungsregionen werden im Rahmen dieser Studie ab Dienstag nächster Woche (19. September 2006) 500 Patienten mit koronarer Herzerkrankung untersucht und befragt. Zusätzlich werden in der Region Münster ebenso wie in Krakau, Prag, London und Zagreb jeweils 400 Schlaganfall-Patienten in die Studie einbezogen, um auch bei dieser gefährlichen Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen den neuesten Stand der Behandlung und Prävention zu eruieren. Kooperationspartner für die in der Region Münster durchgeführte Deutschland-Untersuchung sind die Medizinische Klinik C des UKM unter der Leitung von Prof. Dr. Günter Breithardt, die Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie unter der Leitung von Prof. Dr. Hans H. Scheld, die Abteilung Kardiologie des St. Franziskus-Hospitals in Münster unter der Leitung von Dr. Peter Kleine-Katthöfer sowie die Klinik für Neurologie des UKM unter der Leitung von Prof. Dr. Erich Bernd Ringelstein. Untersucht werden Patienten dieser Kliniken, deren akute Erkrankung oder operativer Eingriff zwischen sechs Monaten und drei Jahren zurückliegt.

In einem etwa einstündigen standardisierten Interview werden sie ausführlich zu Gefäßerkrankungen und Risikofaktoren, Lebensweise, Motivation zur Änderung des Lebensstils, Lebensqualität und aktueller Medikamenten-Einnahme befragt. Von jedem Patienten wird ein genaues Risikoprofil erstellt und es wird untersucht , ob die klassischen Risikofaktoren, wie beispielsweise Bluthochdruck oder zu hohe Fettwerte, adäquat behandelt werden. Ziel der Erhebung ist es, herauszufinden, ob die von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie und anderen relevanten Fachgesellschaften herausgegebenen Richtlinien zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Praxis auch wirklich umgesetzt werden. Besonders im Blick haben die Wissenschafter dabei die so genannte Sekundärprävention, das heißt die Situation bei Patienten, die bereits einmal einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben.

Ingesamt werden in der EUROASPIRE III-Studie, deren erste Ergebnisse voraussichtlich Ende nächsten Jahres vorliegen, 11.000 Patienten untersucht. Die Gesamtauswertung wird sich drei bis vier Jahre hinziehen. Da kaum ein anderer Bereich der gesundheitlichen Versorgung im Sinne von evidenzbasierter Medizin so weit fortgeschritten ist wie der Herz-Kreislauf-Bereich, ist es nach Worten von Studienleiter Keil besonders wichtig, herauszufinden, warum sich die Versorgungssysteme in Europa und Deutschland so schwer damit tun, die formulierten Empfehlungen der einschlägigen Fachgesellschaften zur sekundären und primären Prävention von KHK und Schlaganfall auch vollständig in die Praxis umzusetzen.

Da sich bei den vorangehenden EUROASPIRE-Studien (1995 und 2000) die Erwartung, dass sich die Praxis der präventiven Kardiologie in Europa verbessert habe, nur im Bezug auf die Behandlung der erhöhten Lipidspiegel erfüllt hat, sehen die Initiatoren von EUROASPIRE III nun mit großer Erwartung den neuen Ergebnissen entgegen. Die Studie ist laut Keil ein klassisches Beispiel für hochkarätige Versorgungsforschung in Europa. "Die Ergebnisse der Studien sollten auch zu einer eingehenden Systemanalyse unseres gesundheitlichen Versorgungssystems führen, denn bei der Nichteinhaltung von Leitlinien spielen neben Faktoren der Patienten und der behandelnden Ärzte immer auch Fragen des Versorgungssystems eine wichtige Rolle", betont der münstersche Epidemiologe und Sozialmediziner. So kann er sich zum Beispiel Versorgungssysteme vorstellen, die stärkere Anreize für die primäre und sekundäre Prävention bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung oder Schlaganfall geben.

upm - Mediendienst | Universitaet Muenster
Weitere Informationen:
http://epi.klinikum.uni-muenster.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften