Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diclonefac steigert Herzinfarkt-Risiko um 40 Prozent

14.09.2006
Pharmaunternehmen Novartis kann Kritik nicht nachvollziehen

Ein Wissenschaftsteam der Universität Newcastle sowie des Newcastle Mater Hospital in New South Wales, Australien, hat in einer groß angelegten Meta-Analyse von Studien zu Schmerzmitteln entdeckt, dass ein oft vorgeschriebenes Medikament, Diclofenac, in üblichen Dosierungen das Risiko an Herzproblemen zu erkranken stark steigert. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, analysierten die Forscher die Ergebnisse von 23 klinischen Studien mit insgesamt 1,6 Mio. Teilnehmern. Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe der Online-Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association veröffentlicht.

Die analysierten Studien beziehen sich Stück für Stück auf schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente. Bei Auswertung dieser Studien stellte sich heraus, dass Diclonefac - eines der ältesten, vor allem in Europa sehr gängigen Medikamente - von allen Medikamenten aus seiner Klasse die schwersten Nebenwirkungen mit sich bringt. Das Schmerzmittel, das auch unter den Markennamen Voltaren, Cataflam, Solaraze und Arthrotec bekannt ist, steigert die Gefahr für Herzinfarkt und plötzlichen Herztod bei normaler Anwendung um 40 Prozent.

In einem Kommentar der Studie empfiehlt David Graham, ein amerikanischer Experte auf dem Gebiet der Medikamentsicherheit der US-Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln (FDA) http://www.fda.gov , den europäischen Benutzern, auf Naproxen umzusteigen. Laut der Studie sei dieses Schmerzmittel nicht schädlich für das Herz.

Auf Nachfrage von pressetext zweifelt Birgit Wandrak, Head Corporate & Pharma Communications des Pharmaunternehmens Novartis Austria GmbH http://www.novartis.at , die Resultate der Meta-Analyse an. „Die größte, jemals zu kardiovaskulärer Sicherheit durchgeführte Studie von Singh et al. mit mehr als 650.000 Teilnehmern und mehr als 2,3 Mio. Patienten-Behandlungsjahren, weist kein erhöhtes Risiko für Herzattacken aus“, so Wandrak. „Diese Studie wird in dieser Meta-Analyse jedoch nur in Fragmenten zitiert.“ Darüber hinaus werde der Wert von 40 Prozent Herzattackenrisiko in kein Verhältnis zu einer anderen Bezugsgröße gebracht. Informationen, wie viele Menschen der 23 Studien diese Inzidenz hatten, wie ihr Profil war und ob sie weitere Arzneimittel einnahmen, fehlen, so Wandrak.

„Aus Artzneimittel-Sicherheitsgründen wird jede gemeldete Nebenwirkung dokumentiert und behördlich gemeldet“, erklärt Wandrak gegenüber pressetext. „Demnach wird die Fachinformation in der Medikamentenpackung angepasst.“ Laut Wandrak werden die kardiovaskulären Nebenwirkungen von Diclonefac noch immer als„sehr selten“ angeführt, obwohl das Arzneimittel seit mehr als 30 Jahren von Ärzten verordnet wird. „Man muss mit Datenmaterial aus der Analyse von Studien sehr verantwortungsvoll umgehen“, fasst Wandrak ihre Skepsis im pressetext-Gespräch zusammen. „Es geht hier schließlich um die Lebensqualität von kranken Menschen.“

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.newcastle.edu.au
http://www.hunter.health.nsw.gov.au/servs_facil/nmmh.htm
http://jama.ama-assn.org

Weitere Berichte zu: Arzneimittel Diclonefac Medikament Meta-Analyse Nebenwirkung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie