Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Systemische Familientherapie: Wissenschaftliche Studie belegt Wirksamkeit und Langzeiterfolge

06.09.2006
Systemische Therapie/Familientherapie ist ein wirksames und kostengünstiges Psychotherapieverfahren mit sehr guten Langzeiteffekten. Das belegt eine wissenschaftliche Studie, die zwei Psychotherapieverbände - Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und Systemische Gesellschaft (SG) - jetzt vorgelegt haben.

Die Forschungsstudie basiert auf mehr als 80 so genannten RCT-Studien (randomisierte, kontrollierte Studien). Die Verbände wollen mit ihrer Expertise der Systemischen Familientherapie auch in Deutschland zu einer offiziellen Anerkennung verhelfen. Trotz ihrer hohen Wirksamkeit ist sie in der Psychotherapeutenausbildung bisher nicht als Therapieverfahren zugelassen und kann in der ambulanten Behandlung nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden.

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie für Störungen im Kindes- und Jugendalter ist durch Forschungsstudien - vor allem aus den USA - besonders gut belegt. Das Gutachten wertet 50 RCT-Studien aus, von denen 44 die Wirksamkeit der Systemischen Therapie eindeutig belegen. Das gilt insbesondere für schwere Störungen, die in Familien viel Leid und im Gesundheitssystem hohe Kosten verursachen: Drogenmissbrauch, Störungen des Sozialverhaltens, jugendliche Delinquenz, Essstörungen und die Bewältigung von körperlichen Krankheiten. Bei diesen Störungen ist die Systemische Familientherapie eines der international am besten untersuchten und erfolgreichsten Verfahren.

Die Wirksamkeit bei Störungen im Erwachsenenalter ist ebenfalls gut belegt. Hier führt die Expertise 27 RCT-Studien an, die zeigen, dass Systemische Therapie hoch wirksam ist. Das gilt insbesondere für die Bereiche Substanzstörungen, Depression, Essstörungen, psychische Störungen bei somatischen Krankheiten sowie für Schizophrenie.

Die kontrollierten Studien belegen neben der hohen Wirksamkeit des Verfahrens nach Ende der Therapie eine gute Langzeitwirkung: Bei Kontrolluntersuchungen in bis zu vier Jahren nach Abschluss der Therapie zeigt die Systemische Therapie bessere Ergebnisse als konkurrierende Verfahren. Außerdem ist die Abbruchrate geringer. So können mit Systemischer Therapie/Familientherapie beispielsweise mehr Drogenabhängige in Therapien gehalten werden als bei anderen Therapieansätzen.

Die Systemische Therapie/Familientherapie ist darüber hinaus ein besonders kostengünstiges Therapieverfahren aufgrund einer vergleichsweise geringen Sitzungszahl. Durch die "Mitbehandlung" des sozialen Umfeldes kommt es zudem auch bei den Angehörigen des Patienten zu positiven Effekten. Systemische Familientherapie kann somit zu erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheits- und Sozialsystem beitragen.

Die beiden Verbände DGSF und SG haben ihre Expertise dem Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie vorgelegt, der psychotherapeutische Verfahren wissenschaftlich begutachtet. "Wir sind überzeugt, dass die Systemische Therapie/Familientherapie einen wesentlichen, innovativen Beitrag zur Theorie und Praxis der Psychotherapie leistet und in Zukunft auch in Deutschland eine wichtige Säule für das Gebäude der Psychotherapie darstellen wird", schreiben die beiden Vorsitzenden Dr. Cornelia Oestereich und Dr. Wilhelm Rotthaus in ihrem Vorwort zur Expertise. Über die staatliche Zulassung einer Ausbildung in Systemischer Therapie hatte bereits kürzlich das Verwaltungsgerichts Düsseldorf zu entscheiden. Dabei urteilte das Gericht, dass die Systemische Familientherapie aufgrund ihrer weltweit großen Verbreitung als wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren anzusehen sei.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF): Bernhard Schorn, Pohlmanstraße 13, 50735 Köln, Telefon (0221) 61 31 33, Telefax (0221) 9 77 21 94, E-Mail: schorn@dgsf.org, www.dgsf.org

Systemische Gesellschaft (SG): Franziska Becker, Waldenserstraße 2-4, Aufgang D,10551 Berlin, Telefon (030) 53 69 85 04, Telefax (030) 53 69 85 05, E-Mail presse@systemische-gesellschaft.de, www.systemische-gesellschaft.de

Verantwortlich: Bernhard Schorn, DGSF

Bernhard Schorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgsf.org
http://www.systemische-gesellschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kontinentalrand mit Leckage

27.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das anwachsende Ende der Ordnung

27.03.2017 | Physik Astronomie

Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert

27.03.2017 | Geowissenschaften