Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alles Bio, aber bitte nicht teuer!

30.08.2006
Immer mehr Verbraucher greifen heute zu Bio-Produkten. Darauf haben sich inzwischen auch Discounter wie Lidl, Aldi und Co. eingestellt. Aber drückt die massenhafte Nachfrage der Discounter die Preise bei den Erzeugern?

Wachstumsimpulse sind durch eine geschickte Aufteilung des Marktes in Segmente auch ohne zu starken Preisdruck auf die Erzeuger möglich, sagen Wissenschaftler der Universität Bonn in einer jetzt veröffentlichten Studie.

Christoph Beukert und Dr. Johannes Simons haben unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Hartmann die Kosten der Bio-Fleischerzeugung analysiert und die Faktoren gesucht, die die Nachfrage nach Bio-Fleisch bestimmen. Ziel war es, Wachstumschancen für den Markt zu identifizieren. Gefördert wurde das Projekt vom Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Lehr- und Forschungsschwerpunktes "Umweltverträgliche und standortgerechte Landwirtschaft".

Durch ihre Öko-Verordnung beeinflusst die Europäische Union die Kosten der Bio-Erzeugung und -vermarktung, indem sie Mindestanforderungen für Bio- oder Öko-Produkte festlegt. Strenger und damit in der Umsetzung teurer als die Vorschriften der EG-Öko-Verordnung sind die der Bio-Anbauverbände wie Bioland oder Demeter. Die größten Kostenunterschiede im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft entstehen allerdings dadurch, dass die Bio-Erzeugung und -Verarbeitung in kleineren und deshalb teureren Betriebseinheiten stattfindet.

Der Markt für Bio-Produkte ist gekennzeichnet durch ein Spannungsverhältnis gegensätzlicher Verbraucherwünsche: Einerseits erwartet man von Bio-Waren, dass sie aufwändiger erzeugt und anders vermarktet werden als konventionelle Produkte. Andererseits sollen sie im normalen Supermarkt zu niedrigen Preisen und in einer breiten Produktpalette erhältlich sein, die auch die so genannten "Convenience-Produkte" einschließt. Dieser Widerspruch ist nur schwer aufzulösen.

Als Lösung schlagen die Bonner Wissenschaftler vor, den Markt in Segmente aufzuteilen, da sie beobachtet haben, dass verschiedenen Gruppen von Konsumenten unterschiedlich großen Wert auf die Abgrenzung der Bioprodukte vom herkömmlichen Angebot erwarten. Ein Hochpreissegment sollte Kunden beliefern, denen die Erzeugung und -Verarbeitung unter strengeren Auflagen und in kleineren Betrieben wichtig ist und die dafür auch bereit sind, einen höheren Preis zu bezahlen. Ein anderes Marktsegment wendet sich an Verbraucher, die Bio-Produkte im Supermarkt an der Ecke zu einem deutlich geringeren Preis wünschen.

Diese Zielgruppe toleriert eher Kostensenkungen durch Vergrößerung von Betrieben und eine Eingliederung der ökologischen Wertschöpfungskette in den konventionellen Bereich und kann damit leben, dass diese Produkte gerade so den Mindestanforderungen der EU-Öko-Verordnung genügen.

Die Studie ist unter "Publikationen" auf der Internetseite des Lehr- und Forschungsschwerpunktes der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn kostenfrei abrufbar (http://www.usl.uni-bonn.de).

Kontakt:
Christoph Beukert und Dr. Johannes Simons
Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik der Universität Bonn
Abteilung für Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft
Telefon: 0228/73-3538
E-Mail: elisabeth.paffenholz@ilr.uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/
http://www.usl.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie