Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn der Herzmuskel zu steif ist - Erste große Therapiestudie

28.08.2006
Erste multizentrische Therapiestudie zur Behandlung der "Diastolischen Dysfunktion" - Auftaktveranstaltung am 30. August 2006 im Universitätsklinikum Göttingen

Wegen Luftnot und verminderter Leistungsfähigkeit werden immer häufiger Menschen in das Krankenhaus eingewiesen. Liegt eine Herzschwäche vor, bestätigt sich der erste Verdacht auf eine verminderte Pumpfunktion des Herzens oft nicht. Stattdessen ist das Herz in vielen Fällen nicht elastisch genug, um sich in der Entspannungsphase zwischen den Pumpschlägen ausreichend mit Blut zu füllen. Eine medizinische Standardbehandlung für diese "diastolische Dysfunktion" gibt es bisher jedoch nicht. Erstmals soll jetzt eine groß angelegte, multizentrische klinische Studie mit dem Titel "Aldosterone Receptor Blockade in Diastolic Heart Failure" die Möglichkeiten der Behandlung dieser Form der Herzschwäche wissenschaftlich untersuchen. Im Universitätsklinikum Göttingen treffen sich am 30. August 2006 etwa 30 Experten aus den beteiligten Kliniken in Deutschland. Die Auftaktveranstaltung findet von 13:00 bis ca. 16:30 Uhr im Hörsaal 005 statt. Die Projektleitung hat der Göttinger Professor Dr. Burkert Pieske, Abteilung Kardiologie und Pneumologie (Direktor: Prof. Dr. Gerhard Hasenfuß) im Herzzentrum des Bereichs Humanmedizin - Universität Göttingen. Die Studie findet im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten "Kompetenznetz Herzinsuffizienz" statt und wird für drei Jahre mit knapp einer Million Euro gefördert.

Bei etwa der Hälfte der Patienten mit der Diagnose "Herzmuskelentzündung/Herzschwäche" verursacht eine "diastolischen Dysfunktion" die Beschwerden. Kardiologen schätzen die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf bis zu 500.000 Menschen. Je älter die Patienten, desto häufiger ist der Muskel ihrer linken Herzkammer versteift und unelastisch. "Die Veränderungen beruhen auf strukturellen Veränderungen des Herzens wie krankhafter Herzmuskelvergrößerung, vermehrter Kollageneinlagerung, Kollagen-Typ-Austausch im Herzmuskel und molekularen Umstrukturierungen in den Herzmuskelzellen", sagt Prof. Dr. Burkert Pieske.

Die Idee des Göttinger Kardiologen zu der Studie entstand durch neuere Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung und durch die Ergebnisse erster klinischer Untersuchungen. Demnach beruht die gestörte diastolische Funktion des Herzens auf einer erhöhten Ausschüttung des Hormons Aldosteron sowie einer vermehrten Stimulation des Aldosteron-Rezeptors im Herzen. Pieske geht davon aus, dass Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz insbesondere von einer Behandlung profitieren können, die die Wirkung von Aldosteron blockieren. Ein möglicher Blockade-Wirkstoff ist Spironolacton, das die Bindungsstellen (Rezeptoren) von Aldosteron in den Körperzellen versperrt.

"Die Wirksamkeit einer Aldosteronrezeptor-Blockade für die Behandlung der diastolischen Herzinsuffizienz wurde bisher noch nicht in größeren Studien untersucht, obwohl der viel verprechende Wirkstoff Spironolacton sehr kostengünstig erhältlich ist", sagt Pieske. "Unsere Hypothese ist, dass eine Aldosteronrezeptor-Blockade mit Spironolacton die diastolische Funktion verbessert. Wir gehen davon aus, dass die Patienten wieder leistungsfähiger werden, ihre Lebensqualität steigt und sie weniger medizinische Betreuung benötigen", so Pieske.

Die klinische Studie ist als "randomisierter, plazebokontrollierter, doppelverblindeter, zweiarmiger multicenter Phase IIb Trial" angelegt. Untersucht wird der Einfluss von Spironolacton auf die körperliche Belastbarkeit, auf diastolische Funktionsparameter und auf die Lebensqualität der Patienten. Über einen Zeitraum von 18 Monaten sollen insgesamt 420 Patienten entweder mit Spironolacton behandelt werden oder ein Scheinmedikament (Placebo) erhalten. Weitere Teilstudien sollen die Effekte von Spironolacton auf invasiv gemessene diastolische Funktionsparameter, Kollagen-Umsatz und Myokardfibrose bestimmen.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abteilung Kardiologie und Pneumologie
Studienkoordinator
Dr. Frank Edelmann
Telefon: 0551/ 39-2658
E-Mail: fedelmann@med.uni-goettingen.de
Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Weller
Telefon 0551/ 39-99 59
E-Mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de
Bereich Humanmedizin - Georg-August-Universität Göttingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Stefan Weller
Robert-Koch-Str. 42 - 37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 99 59 - Fax: 0551/39 - 99 57
E-Mail: presse.medizin@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Aldosteron Dysfunktion Herzmuskel Kardiologie Spironolacton Therapiestudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen