Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Ergebnisse der Studie zum Schneechaos: Befragte bemängeln Versorgung nur zum Teil

23.08.2006
Schlechte Informationslage verunsicherte die Bevölkerung

Der größte Knackpunkt: Es fehlte an Informationen. Zu diesem ersten Zwischenergebnis kommt die Studie der Fachhochschule Münster über das Schneechaos im November 2005. "Große Teile der Bevölkerung in der betroffenen Region bemängeln, dass es nur unzureichende Auskunft über die Ursachen und die Dauer des Stromausfalles gab", erklärt Ute Menski aus Nordwalde. Sie ist eine von fünf Studentinnen am Fachbereich Oecotrophologie, die gemeinsam mit Prof. Dr. Joachim Gardemann, Prof. Dr. Hertje Funke und Prof. Dr. Irmhild Kettschau im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Auswirkungen des folgenschweren Schneefalls untersuchen. Anders als erwartet spielten Versorgungsprobleme keine alles dominierende Rolle.

3500 Fragebögen hatten die Studentinnen an Haushalte in den Gemeinden Ochtrup, Laer, Schöppingen, Borghorst und Horstmar verteilt. Erfasst wurden sowohl Häuser und Wohnungen in den Ortsgebieten als auch landwirtschaftliche Betriebe im Umland. Rund 650 dieser Bögen mit umfassenden Erläuterungen landeten schließlich in den vor Ort aufgestellten Sammelboxen. Die erste Überraschung: Wer mit einer endlosen Liste von Problemen und Unzulänglichkeiten gerechnet hätte, sah sich getäuscht. "In vielen Bögen finden wir Hinweise auf die hervorragende Nachbarschaftshilfe und auf die positiven Erfahrungen", berichtet Claudia Wilken aus Ochtrup. "Wieder Zeit für Gespräche mit der Familie", "Gemütliche Abende bei Kerzenschein und Gesellschaftsspielen", "Alle waren nett und zufrieden" - zitiert ihre Kommilitonin Eva Holtmann (Steinfurt) aus den Antworten. In einem Bogen beschrieb eine Bürgerin die Tage des Stromausfalls gar als "mystische Zeit".

Auf der anderen Seite zeigte das Schneechaos die Verwundbarkeit der technisierten Gesellschaft - kein Radio, kein Telefon, kein Handy-Empfang. "Gerade diese Defizite in der Kommunikationstechnik verunsicherten die Bevölkerung in erheblichen Maße", interpretiert Lina Quartey die zahlreichen Hinweise. Außerdem seien die zum Teil nächtlichen Lautsprecherdurchsagen kaum zu verstehen gewesen. Die Studierendengruppe werde daher dem Ministerium im abschließenden Bericht, der Ende des Jahres vorliegen wird, die Verbesserung des Informationsmanagements in einer solchen Situation empfehlen. "Wir denken dabei beispielsweise an eine stärkere Einbindung der lokalen Radiosender", so Sarah Gust. Dies setze natürlich voraus, dass in den Haushalten Batterie betriebene Radioempfänger vorhanden sind. Sonst heißt es, wie vielfach im November geschehen, im Auto die Nachrichten zu hören. Als ein weiteres Problemfeld stellten sich Kühlgeräte heraus. In Haushalten und Geschäften verdarben Tiefkühlkost und frische Lebensmittel in großem Umfang. "Hier wäre der Einsatz von Kühltransportern zur Zwischenlagerung verderblicher Ware zu überlegen", nennt Gardemann ein Beispiel für ein verbessertes Katastrophenmanagement. Für die privaten Haushalte seien einige Konserven und Hilfsmittel wie Gaskocher, Kerzen und Streichhölzer für die Überbrückung der ersten Zeit sehr sinnvoll. Allerdings gab gerade einmal die Hälfte der Befragten an, künftig solche Vorräte für den Fall der Fälle anzulegen. Eine Art Schutzmechanismus, wie Gardemann meint. "Die Menschen wollen sich mit solchen Krisensituationen nicht auseinandersetzen und glauben vielmehr, dass es ein einmaliges Ereignis war."

... mehr zu:
»Schneechaos »Studentin

Gardemann, Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe der Fachhochschule Münster, war in vielen Katastrophengebieten der Welt als Arzt und Helfer im Einsatz. Besonders erstaunt hat ihn während der Ereignisse in Ochtrup und Umgebung eine gewisse Hilflosigkeit bei vergleichsweise einfach zu lösenden Problemen. So sei eine Familie in heller Aufruhr gewesen, da der (stromlose) Kühlschrank das Insulin fürs zuckerkranke Kind nicht mehr ausreichend zu kühlen vermochte. "Dabei hätte eine Schaufel voll Schnee im Kühlschrank leicht Abhilfe schaffen können", so Gardemann.

Die fünf Studentinnen arbeiten derzeit mit Hochdruck an der Auswertung der zahlreichen Informationen. Bis alle Details und Querverbindungen ausgearbeitet sind, wird noch ein wenig Zeit vergehen. Eines scheint sich jedoch schon jetzt herauszukristallisieren: Der Hilfseinsatz der verschiedenen Organisationen ist vergleichsweise gut gelaufen. Details, wie beispielsweise die Betreuung und Versorgung älterer Menschen, sollten noch verbessert werden.

Christoph Hachtkemper | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-muenster.de/

Weitere Berichte zu: Schneechaos Studentin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie