Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kälterezeptoren blockieren Schmerzsignale

22.08.2006
Forscher entschlüsseln wie niedrige Temperaturen chronische Schmerzen lindern

Wissenschaftler der Universität Edinburgh haben entschlüsselt, wie niedrige Temperaturen und kühlende Substanzen chronische Schmerzen lindern können. Bestimmte Nervenenden in der Haut enthalten den Rezeptor TRPM8, der empfindlich für Temperaturänderungen ist. Werden diese Rezeptoren etwa mit der mentholartigen kühlenden Substanz Izilin aktiviert, dann wird ein Signal an das andere Nervenende im Rückenmark gesendet. Dieses Signal hält andere Nerven vom Übertragen von Schmerzinformationen ab. "Die Nervenenden stehen in direkter Verbindung mit schmerzübertragenden Nerven und verhüten, dass diese aktiviert werden", erläutert Studienleiterin Susan Fleetwood-Walker. Die Studienergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht.

Um zu dieser Entdeckung zu kommen, untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen den Kälterezeptoren und Schmerzen bei Ratten. Zuerst verursachten sie Schmerzen bei den Tieren, indem sie einen Faden an ihren Oberschenkel banden. Daraufhin spritzten sie entweder eine sehr kleine Dosis Izilin ins Rückenmark oder ließen die Ratten in einem Bad mit der Substanz stehen. Dann berührten sie das schmerzende Bein und kontrollierten die Reaktion des Tieres. Es stellte sich heraus, dass die Tiere, die mit Izilin behandelt wurden, um dreimal so viel Druck widerstehen konnten, als die unbehandelten Ratten. Den Forschern zufolge legt diese Erkenntnis nahe, dass Izilin eine schmerzstillende Wirkung hat.

Die Wissenschaftler hoffen, dass mit der Entschlüsselung dieses Mechanismus weltweit hunderten Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen wie etwa Gelenkentzündungen, Phantomschmerzen oder Schmerzen als Folge eines Unfalls oder einer Krankheit geholfen werden kann. Menschen mit chronischen Schmerzen weisen in den geschädigten Nerven mehr TRPM8-Rezeptoren auf, wodurch sie sehr effektiv mit kühlenden Substanzen behandelt werden können. "Einer der interessanten Eigenschaften von Izilin ist, dass es in winzigen Konzentrationen angewendet werden kann", erklärt Fleetwood-Walker. "Für einen schmerzstillenden Effekt, der stundenlang anhält, ist es ausreichend, die Substanz auf der Stelle des Schmerzes an der Hautoberfläche aufzutragen."

... mehr zu:
»Izilin »Kälterezeptor »Rezeptor »Schmerz

Den Forschern zufolge sind mit einer Behandlung mit kühlenden Substanzen bessere Ergebnisse zu erzielen als etwa mit einem kühlen Tuch auf der Haut, da nur ein sehr spezifischer Temperaturbereich einen optimalen Effekt auf die TRPM8-Rezeptoren hervorruft. Wenn die Behandlung bei Menschen genauso gut ankommt wie bei Ratten, könnten damit die Nebenwirkungen von den aktuellen Therapien gegen chronische Schmerzen beseitigt werden. Die Behandlung funktioniert übrigens nicht bei akuten Schmerzen, weil dann andere Rezeptoren aktiviert werden. Die Forscher hoffen innerhalb von einem Jahr mit klinischen Versuchen anfangen zu können.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ed.ac.uk
http://www.current-biology.com

Weitere Berichte zu: Izilin Kälterezeptor Rezeptor Schmerz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Breitbandservices von DNS:NET erweitert

20.06.2018 | Unternehmensmeldung

Mit Parasiten infizierte Stichlinge beeinflussen Verhalten gesunder Artgenossen

20.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics