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Fernsehen als natürliches Schmerzmittel

21.08.2006
Zeichentrickfilm bessere Ablenkung als tröstende Mutter

Ein italienisches Wissenschaftsteam der Universität Siena hat aufgedeckt, dass Fernsehen auf Kinder eine schmerzlindernde Wirkung hat. Kinder, die während einer medizinischen Behandlung durch das Fernsehen abgelenkt werden, empfinden sogar weniger Schmerzen als Kinder, deren Mutter sie beruhigt. Zudem konnten die Forscher nachweisen, dass die Schmerztoleranz bei fernsehenden Kindern höher ist. Bei kleineren Eingriffen bei Kindern plädieren sie daher für den Einsatz vom Fernsehen. Die Forschungsergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Archives of Disease in Childhood veröffentlicht.

Die Wissenschaftler erforschten das Schmerzniveau, das 69 Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren beim Abnehmen von Blutproben empfanden. Manche Kinder wurden während der Behandlung durch ihre Mütter unterhalten, andere sahen sich Zeichentrickfilme an. Eine dritte Gruppe wurde nicht abgelenkt. In keinem der Fälle wurden Schmerzmittel verabreicht. Es stellte sich heraus, dass die Kinder, die nicht abgelenkt wurden, dreimal so viel Schmerzen empfanden wie die Kinder, die fernsahen. Auch die liebevolle und beruhigende Beachtung der Mutter konnte nicht gegen die schmerzlindernde Wirkung des Fernsehens aufkommen.

Die Forscher haben verschiedene Erklärungen für dieses Phänomen. Eine Möglichkeit wäre, dass Fernsehen einfach die Aufmerksamkeit ablenkt, aber möglicherweise können durch die Freude, die das Fernsehen für Kinder mit sich bringt, auch natürliche, schmerzlindernde Endorphine freigesetzt werden. Eine andere Möglichkeit sei, dass das emotionale Engagement der Mütter die Versuche, ihre Kinder zu beruhigen, untergräbt. "Die Tatsache, dass Kinder trotz der Aufmerksamkeit ihrer Mutter ein höheres Schmerzindiz geben, deutet darauf hin, dass es Müttern schwer fällt, in schwierigen Momenten im Leben ihres Kindes positiv zu bleiben", so Studienleiter Carlo Bellieni.

Den Forschern zufolge bedeutet das allerdings nicht, dass die Anwesenheit der Eltern nicht wichtig sei. Im Gegenteil: Es habe vielleicht nicht viel Effekt auf das Schmerzerleben, aber die Kinder werden sich daran erinnern, dass sie während der stressvollen Erfahrung nicht im Stich gelassen wurden. "Es spricht für sich, dass junge Kinder die Anwesenheit ihrer Eltern benötigen, um mit den Schmerzen, die sie während medizinischer Behandlungen empfinden, gut umgehen zu können", so Bellieni. "Kinder sagen selber auch, dass die Nähe ihrer Eltern ihnen dabei am meisten hilft."

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unisi.it
http://adc.bmjjournals.com

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