Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Autismus beeinflusst das ganze Gehirn

21.08.2006
Zusammenarbeit zwischen den Gehirnbereichen gestört

Autismus bestimmt nicht nur das soziale Verhalten, sondern beeinflusst darüber hinaus ein breites Spektrum an Kompetenzen und Fähigkeiten in Bezug auf die Sinneswahrnehmung, die Motorik und das Erinnerungsvermögen. Zu diesem Schluss ist jetzt ein Wissenschaftsteam des Collaborative Program of Excellence in Autism gekommen. Diese neue Erkenntnis legt nahe, dass Autismus eine Erkrankung ist, wobei die verschiedenen Bereiche des Gehirns nicht in der Lage sind, erfolgreich zusammenzuarbeiten. Betroffene sind deshalb nicht imstande, komplexe Aufgaben auszuführen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Child Neuropsychology veröffentlicht.

Autisten weisen im Allgemeinen drei kennzeichnende Eigenschaften auf, auf dessen Basis die Diagnose gestellt wird. Es handelt sich dabei um Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion, Probleme mit der verbalen und nonverbalen Kommunikation und repetitives Verhalten bzw. obsessive Interessen. In der neuen Studie wollten die Wissenschaftler erforschen, ob sie auch andere Muster im geistigen Funktionieren der Betroffenen aufdecken konnten, die einzigartig für Autisten sind. Sie untersuchten dazu 56 autistische Kinder und verglichen die Ergebnisse mit jenen von 56 gesunden Kindern. Die autistischen Kinder hatten alle einen IQ von 80 oder mehr und konnten sprechen, lesen und schreiben. Alle Kinder der Studie waren im Alter zwischen acht und 15 Jahren.

Die Forscher entdeckten, dass autistische Kinder in Tests, die grundlegende Fähigkeiten überprüfen, genau so gute oder sogar bessere Ergebnisse vorweisen konnten als gesunde Kinder. Die autistischen Kinder schnitten zum Beispiel beim Erkennen von kleinen Objekten in einem überhäuften Bild gut ab. Beim Ausführen von komplexen Aufgaben, wie etwa das Unterscheiden von Personen mit einem ähnlichen Aussehen, waren die autistischen Kinder jedoch weniger erfolgreich. Und während autistische Kinder mit Rechtschreibung und Grammatik kaum Probleme hatten, hatten sie große Schwierigkeiten, komplexe Redefiguren wie etwa Metaphern anzuwenden. Darüber hinaus hatten die autistischen Kinder entweder eine schlechte Handschrift oder sie schrieben sehr langsam. Auch das Binden der Schnürsenkel oder das Benutzen einer Schere bereite ihnen Probleme.

"Unsere Studie zeigt, dass Autismus nicht in drei Basisbereichen aufgeteilt werden kann", erklärt Studienleiterin Nancy Minshew der University of Pittsburg School of Medicine. "Es ist viel komplexer." Um Autismus zu verstehen, müssen Forscher nach Ursachen suchen, die mehrere Bereiche des Gehirns beeinflussen und sich nicht auf jene beschränken, die für die Kommunikation und soziale Interaktion verantwortlich sind. "Unsere Studie legt nahe, dass Autismus nicht an erster Stelle eine Störung der sozialen Interaktion ist, sondern eine allumfassende Störung, die sich auf die Informationsverarbeitung des Gehirns auswirkt - vor allem, wenn die Information kompliziert ist."

In einer früheren Studie hat das Wissenschaftsteam anhand von Gehirnscans nachweisen können, dass autistische Personen Abnormalitäten in den neurologischen Verbindungen aufweisen, über die die Kommunikation zwischen den verschiedenen Bereichen des Gehirns erfolgt. Minshew zufolge dürften diese Abnormalitäten die plausibelste Erklärung dafür sein, warum autistische Kinder in der aktuellen Studie Schwierigkeiten mit komplexen Aufgaben hatten, aber gut abschnitten in Aufgaben, an denen nur ein Bereich des Gehirns beteiligt war.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nichd.nih.gov/autism/cpea.cfm
http://www.tandf.co.uk/journals/titles/09297049.aso
http://www.medschool.pitt.edu

Weitere Berichte zu: Abnormalität Autismus Interaktion Wissenschaftsteam

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mehr Wissen über Proteine: Forscher aus Halle verbessern Massenspektrometrie-Verfahren

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Stickoxide: Neuartiger Katalysator soll Abgase ohne Zusätze reinigen

23.10.2017 | Materialwissenschaften