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Bürger rechnen ihre Städte zu den WM-Gewinnern

10.08.2006
Zufriedenheit in Deutschlands Großstädten: Ob Rahmenprogramm oder WM-Investitionen - es scheint als hätten die Rathäuser alles richtig gemacht

Die Fußball-WM gewonnen haben Kaiserslautern und Stuttgart - zumindest sehen das die Einwohner dieser WM-Städte so, die zu mehr als 95 Prozent der Meinung sind, dass ihre Gemeinde sich zu den Gewinnern des Sport-Spektakels zählen darf. Aber auch in anderen Städten ist die WM-Bilanz überdurchschnittlich positiv.

Generell sind 82 Prozent der Bewohner von WM-Städten im Rückblick der Meinung, dass ihre Stadt zu den Gewinnern der WM gehört. Nur zwei Prozent widersprechen dieser Ansicht (unentschieden: 16 Prozent). Auch in anderen Großstädten über 100.000 Einwohnern zählen sich 28 Prozent der Bevölkerung zu den Gewinnern, während 14 Prozent die Stadt auf der Verliererseite sehen (unentschieden: 58 Prozent).

Ermittelt wurden diese Werte durch eine aktuelle Bevölkerungsbefragung im Rahmen einer fünfjährigen WM-Langzeitstudie von Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim. Insgesamt hatten die Forscher 980 Personen in einer repräsentativen Umfrage in deutschen Großstädten befragt.

Im Vorfeld war dieses Ergebnis nicht unbedingt so vorhersehbar gewesen, meint Marketing-Experte Prof. Voeth: "In unseren Umfragen kurz vor der WM fiel auf, dass Bürger und Stadtverwaltungen ganz unterschiedliche Ansprüche an die WM und das Rahmenprogramm ihrer Städte hatten." Während die Rathäuser die WM vor allem als Plattform zur Außendarstellung sahen, stand bei den Bürgern die lokale Feierlaune und die Hoffnung auf lokale wirtschaftliche Effekte im Vordergrund.

"Rückblickend sind die Bürger durchaus damit zufrieden, wie sich ihre Stadt dargestellt hat", erklärt Christian Niederauer, einer von zwei Projektleitern der aktuellen Befragung. "Mit ein Grund dürfte der generelle Begeisterungstaumel gewesen sein", interpretiert Co-Leiterin Isabel Tobies. Noch kurz vor der WM habe der Durchschnittsbürger seine Begeisterung als gerade mal "mittelmäßig" eingeschätzt - kurz danach stieg die allgemeine Begeisterung um fast 50 Prozent. "In Zahlen ausgedrückt hatten wir die Teilnehmer gebeten, für ihre ganz persönliche Begeisterung einen bis sechs Punkte zu vergeben. Kurz vor dem Anpfiff lag der Durchschnitt bei 3,28 Punkten. Nach dem Endspiel waren es 4,78 Punkte", sagt Tobies. Die fußballbegeistertsten Städte seien demnach Nürnberg, Dortmund, Bremen, Düsseldorf, Stuttgart und Solingen gewesen. Vor diesem Hintergrund sei es auch nicht überraschend gewesen, dass der Zustimmungsgrad zur WM durch den sehr positiven Verlauf des Events in der deutschen Bevölkerung nochmals deutlich angestiegen sei. "Während der Zustimmungsgrad in der deutschen Bevölkerung seit Jahren kontinuierlich bei 82 Prozent lag und auch unmittelbar vor der WM nicht größer war, sind nun 92 Prozent der Deutschen der Meinung, dass die Ausrichtung der WM für Deutschland eine gute Sache war", kommentiert Prof. Voeth.

Hintergrund

In einer groß angelegten Langzeitstudie zur FIFA Fußball-WM 2006 maß der Lehrstuhl für Marketing von Prof. Voeth in jährlichen Befragungsrunden unter anderem die Begeisterung, Präferenzen und Vorstellungen der Bevölkerung für die WM 2006. Daneben erfassten jährlich wechselnde Sonderschwerpunkte Themen wie die WM als Chance für Städte und Regionen, Vermarktungspotenziale, Sicherheit, Ticket-Pricing, Merchandising und Standortwahl der Stadien. Die Studie diente einerseits als Stimmungsindikator, andererseits auch als konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation.

Die aktuell vorliegenden Ergebnisse wurden in der zweiten Juli-Hälfte 2006 direkt im Anschluss an die WM mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens ermittelt. Insgesamt wurden 980 Einwohner der 50 größten Städte Deutschlands inklusive aller WM-Städte per Telefoninterview befragt.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.wm-studie.de

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