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Chinas Kinder werden immer dicker

10.08.2006
Schulferien in China: Abnehm-Unterricht für schwer übergewichtige Kids

Was vor einigen Jahren noch unverstellbar schien, gehört heute zu den großen Problemen im Reich der Mitte: In den Großstädten wächst die Zahl der Kinder, die extrem übergewichtig sind rapide. Nun bieten sich während der Schulferien spezielle "Abnehmcamps" für übergewichtige Kinder an, berichtet das Wissenschaftsmagazin National Geographic.


National Geographic

Im Vergleich zu den US-Amerikanern - hier sind nach Angaben von Experten 30 Prozent der Bevölkerung übergewichtig - ist China noch verhältnismäßig schlank. 15 Prozent der Chinesen, das sind 200 Mio. sind zu dick. 90 Mio. von ihnen gelten als fettleibig. Was diese Zahlen für die boomende Wirtschaft Chinas bedeutet, wagen Experten noch kaum zu sagen, denn unglücklicherweise steigt die Zahl an fettleibigen Kindern wesentlich rasanter als jene der Erwachsenen. In nur zehn Jahren hat sich die Rate an adipösen Chinesen verdoppelt - und das fast ausschließlich in den großen Städten. Ernährungsforscher Barry Popkin von der University of North Carolina in Chapel Hill beschreibt die chinesischen Jugendlichen ähnnlich wie seine eigenen Landsleute: "Sie essen viel und bewegen sich kaum." Popkin und sein Team haben 16.000 chinesische Haushalte in einer Studie zu den Themen "Gesundheit und Ernährung" befragt. Demnach legen vor allem die jüngsten am stärksten und am schnellsten zu.

Tatsächlich zeigt der Stadt-Land Vergleich in China das wahre Problem auf: sind in den Städten bereits 8,1 Prozent der Kinder adipös, liegen die Raten am Land bei nur 3,1 Prozent. Zhai Fengyian, Direktor des China National Institute of Nutrition and Food Safety in Peking, ist sogar überzeugt davon, dass in den Städten die Rate an Fettleibigen noch viel höher ist. Bereits 2002 gab es offizielle Zahlen über Schulkinder: 16,7 Prozent der Buben und 9,6 Prozent der Mädchen waren damals fettleibig. "Die Ernährungsgewohnheiten der Chinesen haben sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert", so der Mediziner Andreas Bayer, Rektor der TCM-Privatuniversität, im pressetext-Interview. "Überall schießen Fastfood-Ketten wie Pilze aus dem Boden und sie erfreuen sich bei den Chinesen großer Beliebtheit." Da liegen auch die Gründe für die erhöhte Fettleibigkeit. "Der höhere Lebensstandard und damit verbunden zuviel Fleisch und Fettkonsum", subsumiert der Mediziner, der hinzufügt, dass die Folgen für die Gesundheit massiv sein werden. "Das so genannte metabolische Syndrom mit Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen, ein typisches Merkmal der westlichen Konsumgesellschaft, wird auch China treffen."

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"In Chinas Städten bekommen die Kinder jetzt Taschengeld und geben es in den Fastfood-Restaurants aus", so Shuwen Ng, Gesundheitsökonomin an der University of North Carolina in Chapel Hill. Auch Popkin warnt vor den Folgen dieser Entwicklung eindringlich: Diabetes beginne bei chinesischen Kindern jetzt schon in einem niedrigerem Alter als in den USA. "Die Kosten für diese Entwicklung werden China schwer treffen", prophezeit Popkin. "Wir sprechen bei China von einem Land, in dem die Kosten von Fettleibigkeit und anderen gesundheitlichen Problemen durch falsche Ernährung fünf Prozent des BIP ausmachen", rechnet der Experte vor. Es sei nur eine Frage der Zeit ehe dieser Anteil auf das Maß der USA ansteige. "Hier gehen zwischen 17 und 20 Prozent des BIP für die Folgen der schlechten Ernährung auf."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nationalgeographic.com
http://www.tcm-university.edu

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