Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WM-Tratsch am Arbeitsplatz - Produktivitätsverlust von 0,4 % des Bruttoinlandsprodukts

07.08.2006
Täglich 15 Minuten Produktivitätsverlust lautet die Bilanz, die Arbeitgeber während der FIFA-Fußball-WM hinnehmen mussten, während die Mitarbeiter Ergebnisse diskutierten oder die schönsten Momente noch einmal Revue passieren ließen.

Laut einer aktuellen Befragung im Rahmen der WM-Langzeitstudie der Universität Hohenheim wird dieses Minus durch ein gesamtwirtschaftliches Plus jedoch mehr als ausgeglichen. "Deutschlandweit lässt sich der Produktivitätsverlust auf rund 0,4% des Bruttoinlandsprodukts hochrechnen", so Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Hohenheim. Dem stünden 4,7 Milliarden Euro gegenüber, mit denen die Fans den Konsum während der Fußball-WM zusätzlich anheizten. Fast die Hälfte entfalle auf die Getränke-Industrie und Gastronomie, die mit 2,1 Milliarden Umsatzplus noch vor den Fanartikeln liege.

Exakt 66,07 Euro will der Durchschnittsbürger über 14 Jahre, inspiriert durch die WM, zusätzlich ausgegeben haben. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Umfrage im Rahmen der WM-Langzeitstudie unter 900 Bundesbürgern im gesamten Bundesgebiet. "Spekulativ auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet ergibt das ein Konsumplus von 4,7 Milliarden, mit denen die Konjunktur zusätzlich belebt wurde", erklärt Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth.

Profitiert habe vor allem die Getränke-Industrie und die Gastronomie, auf die 45 Prozent der zusätzlichen Ausgaben entfielen (2,1 Mrd. Euro). Erst an zweiter Stelle stünden Fan-Artikel (1,3 Mrd. Euro), Kleidung und Sportartikel (0,9 Mrd. Euro), Reisen (0,6 Mrd. Euro) und Elektroartikel (0,4 Mrd. Euro).

"Wirklich korrekt rechnet allerdings nur, wer beachtet, dass während der WM auch Verluste entstanden - zum Beispiel durch Fachsimpelei unter Kollegen oder den kurzen Spielstand-Check während der Arbeitszeit." So hätten die Befragten ebenfalls angegeben, die Arbeit an jedem Tag während der WM rund 15 Minuten schleifen gelassen zu haben, ohne dass diese Zeit in irgendeiner Form nachgeholt wurde.

"Wenn man hochrechnet, wie viel Produktivität der Wirtschaft dadurch in diesem Jahr entgangen ist, kommt man auf ungefähr 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "Nicht ausgeschlossen werden kann dabei aber, dass die Euphorie auf der anderen Seite dazu geführt hat, dass die verbleibende Arbeitszeit produktiver genutzt wurde", schränkte Prof. Voeth den Aussagegehalt der Hochrechnung ein.

Hintergrund

In einer groß angelegten Langzeitstudie zur FIFA Fußball-WM 2006 hat der Lehrstuhl für Marketing von Prof. Voeth in jährlichen Befragungsrunden unter anderem die Begeisterung, Präferenzen und Vorstellungen der Bevölkerung für die WM 2006 gemessen. Daneben erfassten jährlich wechselnde Sonderschwerpunkte Themen wie die WM als Chance für Städte und Regionen, Vermarktungspotenziale, Sicherheit, Ticket-Pricing, Merchandising und Standortwahl der Stadien. Die Studie diente einerseits als Stimmungsindikator, andererseits auch als konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation.

Die aktuell vorliegenden Ergebnisse wurden in der zweiten Juli-Hälfte 2006 direkt im Anschluss an die WM mithilfe eines standardisierten Fragebogens ermittelt. Insgesamt wurden 904 Einwohner der 50 größten Städte Deutschlands inklusive aller WM-Städte per Telefoninterview befragt.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.wm-studie.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie