Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebs-Medikament Glivec schädigt das Herz

24.07.2006
Studie warnt vor Nebenwirkungen

Das vielfach gepriesene Krebs-Medikament Glivec kann das Herzgewebe schädigen und zu einem Herzversagen führen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Thomas Jefferson University gekommen. Glivec hat die Überlebensraten bei Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie und die Lebenserwartung bei einer seltenen Form von Magentumor erhöht. Die in Nature Medicine veröffentlichte Studie betont, dass man sich der Nebenwirkungen dieses Medikaments bewusst sein sollte. Der Hersteller, das Pharmaunternehmen Novartis, erklärte, dass Herzversagen bei Patienten die Glivec einnehmen extrem selten aufträte.

Glivec gehört zu einer neuen Generation von Medikamenten, deren Wirkung auf bestimmten Zielen innerhalb der Krebszelle beruht. Die Wissenschaftler untersuchten die Daten von zehn Patienten mit chronisch myeloischer Leukämie (CML), die während der Einnahme des Medikaments an einer kongestiven Herzinsuffizienz erkrankten. Sie führten Tests mit Mäusen und menschlichen Herzzellen im Labor durch. In beiden Fällen zeigte sich, dass das Medikament ein Herzversagen hervorrufen konnte. CML steht mit einer Überaktivität des Enzyms Abelson Tyrosine Kinase (ABL) in Zusammenhang. Diese Überaktivität steuert die übermäßige Produktion von weißen Blutzellen bei Krebs. Glivec deaktiviert dieses Enzym. Das Problem besteht laut BBC darin, dass ABL auch bei der Gesunderhaltung des Herzmuskels eine Rolle spielt. Aus diesem Grund führt die Deaktivierung bei manchen Patienten potenziell zu einer Gefährdung der Funktion dieser Zellen.

Um diese Annahme zu beweisen, zeigten die Forscher, dass Glivec nur bei Zellen, die normales ABL enthielten, zu Schwierigkeiten führte. Jene Zellen, die bereits über eine mutierte Form dieses Proteins verfügten, die bekannt für die Resistenz gegen das Medikament ist. Der leitende Wissenschaftler Thomas Force erklärte, dass Glivec ein hervorragendes Medikament sei und die betroffenen Patienten es einnehmen müssten. "Wir versuchen die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass Glivec und ähnliche Medikamente erhebliche Nebenwirkungen für das Herz haben können und dass Mediziner sich dessen bewusst sein müssen." Dabei handelt es sich um ein mögliches Problem, da die Anzahl der betroffenen Wirkstoffe ständig steigt. Die Wissenschafter meinen, das ihre Erkenntnisse auch auf andere Medikamente der gleichen Klasse, die Tyrosinkinase-Hemmer, zutreffen könnten. Jedes Medikament sei jedoch anders und es sei schwer vorherzusagen, welches zu Herzproblemen führen wird.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.jefferson.edu
http://www.novartis.com
http://www.nature.com/nm

Weitere Berichte zu: ABL Glivec Herzversagen Medikament Nebenwirkung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten