Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3, 2, 1 - deins! Studie an der Uni Bonn zu Motiven von ebay-Verkäufern

26.06.2006
Beim Thema Internet-Auktionen interessierte sich die Forschung bislang vor allem für die Käufer und ihre Erfolgsstrategien. Anders eine Studie an der Universität Bonn: Sie untersucht, aus welchen Gründen Menschen ebay und Co. als Verkaufsplattform nutzen. Vier verschiedene Typen von Anbietern haben die Bonner Wissenschaftler unter den mehr als 170 Befragten ausgemacht.

Erstaunliches Ergebnis: Der Zusatzverdienst steht nur für wenige von ihnen im Vordergrund.

172 nicht-gewerbliche Anbieter bei Internet-Auktionen haben im letzten Jahr an einer Umfrage der Professur für Haushalts- und Konsumökonomik der Universität Bonn teilgenommen. "Wir wollten herausfinden, wie häufig Menschen wie du und ich Online-Marktplätze wie ebay als Verkäufer nutzen und aus welchen Gründen", erklärt Professor Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky. "Unsere Annahme: Second-Hand-Läden und Flohmärkte gab's schon immer, durch ebay gewinnt der Trend 'vom Verbraucher zum Verkäufer' aber eine ganz andere Dimension."

Tatsächlich hatte 2004 bereits jeder fünfte Deutsche Waren oder Dienstleistungen über das Internet angeboten. Diese Zahl stammt aus einer Umfrage des Statistischen Bundesamts; inzwischen dürfte sie noch höher liegen. "Haushalte werden noch viel zu sehr als rein passive Konsumenten gesehen; sie sind aber in wirtschaftlichen Belangen viel aktiver, als in der Fachwelt bislang angenommen wird", kritisiert Piorkowsky.

Doch welche Motive machen aus Konsumenten Verkäufer? "Die Hälfte der Befragten gab einen Mix von Gründen an, aus denen sie als Internet-Verkäufer aktiv wurden", erklärt Piorkowskys Mitarbeiterin Heike Dennig. Rund 40 Prozent nutzten 'ebay' & Co. aber vor allem aus Vernunftsgründen: Nämlich um Dinge zu verscherbeln, die zu Hause ohnehin ungenutzt herumstehen - "meist Elektroartikel oder Bücher", sagt Dennig. Dabei zeigten sich die "Vernunftmotivierten" mit ebay oft sehr zufrieden, wenn sie auch hin und wieder über die als zu hoch empfundenen Gebühren klagten. Nur jeder Zehnte von ihnen setzte im Internet mehr als 600 Euro jährlich um.

Billigplattform für Kunst

Vier Prozent gaben als Hauptmotiv "Spaß und Spannung" an. Etwa gleich klein war die Gruppe der "Erwerbsorientierten": Nur für fünf Prozent der Befragten steht der Zusatzverdienst im Vordergrund. "Diese Gruppe beschafft gezielt Waren für den Verkauf, meist Raritäten oder Sammlerstücke", sagt Heike Dennig. Sie alle gaben an, auch schon einmal auf anderen Wegen verkauft zu haben - beispielsweise auf Flohmärkten, über Inserate oder Second-Hand-Shops oder über andere Internetauktionshäuser.

Wie zu erwarten, erwirtschafteten die "Erwerbsorientierten" auch die höchsten Umsätze. Mit ebay zeigten sich viele von ihnen allerdings nicht sonderlich zufrieden: Der Online-Marktplatz verkomme zur Billigplattform für vermeintliche Kunst und Fälschungen, lautete mehrfach ein Vorwurf. Dennoch gaben zwei Drittel von ihnen an, die Plattform häufig zu nutzen.

Momentan ist es also meist nicht (oder zumindest nicht hauptsächlich) das "liebe Geld", das Menschen dazu bewegt, als Verkäufer im Internet aufzutreten. Piorkowsky vermutet jedoch fließende Übergänge zwischen gelegentlichem Verkauf, regelmäßiger kommerzieller Aktivität und dem Start in eine kleinbetriebliche Selbständigkeit. "In den USA hat man sogar schon einen Fachbegriff für diesen neuen Typus oft weiblicher Kleinstunternehmer gefunden: den 'Mompreneur' - ein Kunstwort aus 'Mother' (Mutter) und 'Entrepreneur' (Unternehmer)."

Kontakt:
Professor Dr. Michael-Burkhard Piorkowsky
Professur für Haushalts- und Konsumökonomik an der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3124
E-Mail: piorkowsky@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Erwerbsorientiert Internet-Auktione

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie