Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Entwicklungen erhöhen Sicherheit von Stammzellentransplantationen bei der Behandlung von Leukämie

16.06.2006
Zwei Pionierstudien auf dem Gebiet der Stammzellentransplantation werden heute im Rahmen des 11. Kongresses der European Hematology Association (EHA) in Amsterdam (NL) präsentiert.

Die erste Studie, durchgeführt vom Medical Center der Universität Leiden (LUMC), bewies erstmals, dass umgebungsspezifische Zellen die Abstossreaktionen infolge einer Stammzellentransplantation positiv beeinflussen können. Die zweite Studie, vom wissenschaftlichen Institut San Raffaele in Mailand (I), zeigt, dass ein "Suizidgen" zum Abbruch der Abstossreaktionen infolge einer Stammzellentransplantation eingesetzt werden kann. Beide Entdeckungen erhöhen die Sicherheit von Stammzellentransplantationen und bedeuten einen Schritt vorwärts bei der Behandlung bösartiger Blutkrankheiten wie etwa Leukämie.

Die Stammzellentransplantation wird zur Behandlung einer Reihe bösartiger Blutkrankheiten wie Lymphom, Leukämie oder andere Krebsarten eingesetzt. Die Gewinnung von Stammzellen erfolgt auf zweierlei Weise:

einerseits durch mehrfaches Ansaugen des Knochenmarks( Knochenmarkaspiration) - dieser Transplantationstyp wird als Knochenmarktransplantation bezeichnet - oder durch Gewinnung von Stammzellen aus dem Blut. In diesem Falle spricht man von Stammzellentransplantation. Dabei werden dem Patient gesunde, funktionstüchtige Stammzellen intravenös zugeführt, also direkt ins Blut injiziert. Diese Stammzellen wandern in das Knochenmark der Knochen und beginnen mit der Produktion von Blutzellen. Dieser Vorgang ist für die Genesung des Patienten äusserst wichtig. Eine häufige Komplikation, die nach einer Stammzellentransplantation auftritt, manifestiert sich in einer Abstossreaktion im Körper des Patienten, die tödliche Auswirkungen haben kann.

Die Bedeutung von Umgebungszellen

Stammzellen sind in einer Umgebung angesiedelt, die ausschliesslich im Knochenmark zu finden ist. Derzeit werden lediglich blutbildende Stammzellen, jedoch nicht deren Umgebungszellen für Stammzellentransplantationen eingesetzt. Die LUMC-Studie zeigte, dass gerade diesen umgebungsspezifischen Zellen eine wichtige Rolle bei der Mediation möglicher Abstossreaktionen nach einer Transplantation zukommt.

Ein Abstoss der Stammzellentransplantation durch den Körper des Patienten ist eines der Probleme im Zusammenhang mit Stammzellentransplantationen zur Behandlung von Leukämie und anderen Erkrankungen. Diese umgebungsspezifischen Zellen, als mesenchymale Stammzellen bezeichnet, sind imstande, Immunreaktionen im Körper zu unterdrücken.

Prof. W.E.Fibbe vom LUMC dazu:" Grossartig an dieser Entdeckung ist unter anderem die Tatsache, dass diese umgebungsspezifischen Zellen nicht nur Immunreaktionen unterdrücken, sondern auch hervorrufen können, je nach Spender oder Empfänger. Diese Eigenschaft umgebungsspezifischer Zellen wurde bis dato noch nie so erkannt".

"Ursprüngliches Ziel dieser vom LUMC durchgeführten Studie war die Unterdrückung unerwünschter Abstossreaktionen nach einer Stammzellentransplantation. Diese Entdeckung ermöglicht uns jedoch nun die Erforschung einer Vielzahl an neuen Möglichkeiten", fuhr er fort.

In Zukunft könnte diese neue Erkenntnis bei Organtransplantationen und der Behandlung anderer Erkrankungen, u.a. Autoimmunerkrankungen, angewandt werden.

'Suizidgen' verhindert Abstossreaktion: ein Spender für jeden Patienten

Die zweite, vom wissenschaftlichen Institut San Raffaele (Mailand) durchgeführte Studie, erreichte drei Ziele:

- Verfügbarkeit eines Spenders für praktisch jeden Leukämie-Patienten;

- Effizientere Mediation der Abstossreaktion mithilfe einer "Suizidgen"-Therapie;

- Raschere Erholung des Immunsystems zur Bekämpfung lebensbedrohlicher Infektionen;

Ein Spender für jeden Leukämie-Patienten

Im Allgemeinen werden Geschwister getestet, um eine exakte Gewebeübereinstimmung ausfindig zu machen. Die Erfolgsrate hierbei ist gering (25%). Bei dieser italienischen Studie wurden Familienangehörige als Spender eingesetzt, die lediglich eine 50%-ige Übereinstimmung mit dem Empfänger aufwiesen. Dies machte es möglich, einen geeigneten Spender für jeden Patient zu finden.

Mediation der Abstossreaktion und raschere Erholung des Immunsystems

Die bei einer Stammzellentransplantation vorhandenen Immunzellen können im Körper des Empfängers eine schwere Abstossreaktion hervorrufen; diese wird als "Transplantat-gegen-Wirt"-Reaktion (bzw. Graft-versus-Host-Reaktion) bezeichnet. Begleitet wird sie von lebensbedrohlichen Symptomen, von denen hauptsächlich Haut, Leber und Darm betroffen sind.

Gleichzeitig greifen die Immunzellen des Spenders die Leukämiezellen im Empfänger an: die Transplantat-gegen-Leukämie-Reaktion.

Diese Immunreaktionen infolge einer Stammzellentransplantation wurden von Dr. F. Ciceri und seinem Team mithilfe einer sogenannten 'Suizidgen'-Therapie wirksam bekämpft. Dabei wird ein Gen in die Spenderimmunzellen eingebracht. Ein spezieller Wirkstoff löst hierauf den 'Selbstmord' der Immunzellen aus, wodurch die schädliche Immunreaktion gestoppt wird.

Dr. Ciceri hat Infusionen mit genetisch modifizierten Spenderimmunzellen nach einer Transplantation erfolgreich eingesetzt, was eine raschere Erholung des Immunsystems des Empfängers ermöglichte und die Patientensterblichkeit aufgrund schwerer Infektionen von 53% auf 12,5% senkte.

11. EHA-Kongress in Amsterdam

Der 11. Kongress der European Hematology Association (EHA), der vom 15. - 18. Juni im RAI Kongresszentrum in Amsterdam stattfindet, dient dem Wissens- und Informationsaustausch im Bereich Hämatologie unter wissenschaftlichen Forschern und klinischen Hämatologen in Europa.

Zahlreiche aktuelle Themen und Forschungen auf dem Gebiet der Hämatologie werden im Rahmen dieses Kongresses präsentiert. Die EHA hofft, auf diese Weise zu einer Verbesserung der Diagnose und Behandlung von Patienten mit gutartigen und bösartigen Blutkrankheiten beizutragen.

Hinweise an Redakteure:

Die European Hematology Association (EHA) wurde im Juni 1992 gegründet und ist eine wissenschaftliche Organisation, die sich der Unterstützung von Forschung, Bildung und klinischer Praxis im Bereich Hämatologie widmet.

Die EHA zählt derzeit mehr als 2000 aktive Mitglieder aus 95 Ländern.

Für eine Kontaktaufnahme mit Prof. Dr. W.E. Fibbe, Dr. F. Ciceri oder einem der anderen Forscher wenden Sie sich bitte an Petra Stork.

Weitere Informationen zum EHA-Kongress finden Sie unter www.ehaweb.org

Petra Stork | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.ehaweb.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten