Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Keine Prionenerkrankungen bei Rehen und Hirschen

16.06.2006
TSE-Studie an Cerviden abgeschlossen – IZW-Wissenschaftler untersuchen als nächstes Mufflons auf Scrapie

Deutschlands Reh- und Hirschbestände sind frei von TSE. Dieses Kürzel steht für Transmissible Spongiforme Enzephalopathien und fasst eine Reihe von Krankheiten zusammen, die von Prionen verursacht werden. Nach mehr als 7.300 negativen Tests an Reh-, Rot- und Damwild ist es nahezu sicher, dass die Bestände TSE-frei sind. Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hatten im europaweit größten Wildtier-Screening Proben von Tieren aus fast allen Landkreisen Deutschlands auf TSE hin untersucht.

Zu den transmissiblen spongiformen Enzephalopathien zählen, als bekannteste, die Rinderseuche BSE sowie Scrapie, die Schafe befällt, und die Chronic Wasting Disease (CWD), die bei Hirschen aus Nordamerika festgestellt wurde. Im Gefolge der BSE-Krise waren vor allem in Großbritannien zahlreiche Fälle der Creutzfeld-Jacob-Erkrankung bei Menschen aufgetreten.

Nach dem Abschluss der TSE-Studie an Rehen und Hirschen („Cerviden“) beginnt nun ein neues Projekt, bei dem deutsche Mufflons auf den Scrapie-Erreger hin getestet werden sollen. Anders als bei CWD, das bislang nirgends in Europa nachgewiesen wurde, gibt es bereits Scrapie-Fälle bei Mufflons. „In Großbritannien wurden sechs Fälle in zwei getrennten Herden dokumentiert“, berichtet Dr. Kai Frölich vom IZW, der die TSE-Studien leitet. Dies ist ein Grund für die Testreihe, die im September in Deutschland starten wird. Ein weiterer Grund: Die Bundesrepublik ist das Land mit der zweitgrößten Mufflon- Population weltweit. Rund 18.000 Tiere leben hier in freier Wildbahn. 6.000 der Wildschafe werden jährlich geschossen und liefern so rund 125.000 Kilogramm Fleisch zum Verzehr. Ein dritter Grund ist die Tatsache, dass Mufflons zu den Wildschafen zählen und dass somit der Scrapie-Erreger keine Artgrenze zu überwinden hat.

... mehr zu:
»Disease »IZW »Scrapie »Scrapie-Erreger

„Wie schon bei den Untersuchungen an den Cerviden steht bei der Mufflon-Studie der Vorsorgegedanke im Vordergrund“, erläutert Frölich. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hatte die Cerviden-Studie gefördert, jetzt hat das Bundesminsterium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mehr als 300.000 Euro für die Testreihe an den Wildschafen zugesagt.

Das IZW wird mit Jägern und Forstämtern zusammenarbeiten, um an das Probenmaterial zu kommen. „Die Überzeugungsarbeit bei den Kooperationspartnern war sehr wichtig für die abgeschlossene Studie“, sagt Frölich. „Jetzt können wir auf einer bestehenden Vertrauensbasis und auf einem Netzwerk von Kontakten weiterarbeiten.“ Die Forscher sind vor allem an Schädeln interessiert, um das Gehirn auf Scrapie-Erreger hin untersuchen zu können. Sie wollen Tiere aus ganz Deutschland untersuchen, haben aber auch rund 20 Risikogebiete in zehn Bundesländern identifiziert. Dort wollen sie die Bestände besonders intensiv prüfen.

Nach welchen Kriterien legten die IZW-Wissenschaftler Risikogebiete fest? „Zum einen schauen wir dort, wo besonders viele Mufflons leben“, erläutert Frölich, „zum anderen haben wir Regionen im Visier, wo Scrapie bei Schafen vorgekommen ist.“ Frölich weiß von immerhin rund 140 Scrapie-Fällen in Deutschland zu berichten, die seit 1985 gemeldet wurden.

Quellenhinweis: Elvira Schettler et al.: Surveillance for Prion Disease in Cervids, Germany. In: Emerging Infectious Diseases, Vol. 12, No. 2, S. 319 – 322 (Februar 2006).

Weitere Informationen:
PD Dr. Dr. Kai Frölich
030 / 5168-225
froelich@izw-berlin.de

Josef Zens | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Disease IZW Scrapie Scrapie-Erreger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik

Neue Perspektiven durch gespiegelte Systeme

05.12.2016 | Physik Astronomie

Forscher finden «Krebssignatur» in Proteinen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie