Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Effizientes Umweltmanagement steigert den Unternehmenswert

28.11.2001


Aktuelle Studie von PricewaterhouseCoopers zeigt, wie Umweltmanagement Unternehmenswert schafft / Ausrichtung am Shareholder Value-Ansatz ohne Berücksichtigung des Optionswertes ist unzureichend

Mit einem effizienten Umweltmanagement können Unternehmen ihren Unternehmenswert nachhaltig steigern. Das geht aus einer aktuellen Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers hervor, die in Zusammenarbeit mit dem Center for Sustainability Management (CSM) e.V. der Universität Lüneburg entstanden ist. Konzentrieren Unternehmen sich hierbei jedoch einseitig auf den Shareholder Value-Ansatz, werden wichtige Wertsteigerungschancen nicht ausreichend berücksichtigt oder übersehen. Aus diesem Grund kombiniert die Studie Shareholder Value- und Optionswert-Ansatz und stellt eine Checkliste für die praktische Umsetzung in Unternehmen vor. Umweltmanagementaktivitäten können so auf ihren Beitrag zum Unternehmenswert hin gestaltet und überprüft werden.

Shareholder Value-Ansatz alleine unzureichend

Um Unternehmen ein praxisorientiertes Instrument für die Gestaltung ihres Umweltmanagements an die Hand geben zu können, verknüpfen die Umweltexperten von PricewaterhouseCoopers und der Universität Lüneburg erstmals die Erfahrungen des Shareholder Value-Konzepts mit dem Optionswertverfahren. "Es reicht nicht, dass das Umweltmanagement eines Unternehmens Gewinne produziert. Buchhalterische Gewinne allein sind noch kein Beweis dafür, dass der Wert des Unternehmens tatsächlich steigt", erklärt Nachhaltigkeitsexperte Dieter Horst von PricewaterhouseCoopers.

Das Shareholder Value-Konzept ermittelt den Wert eines Unternehmens aus Sicht der Eigenkapitalgeber und betrachtet dabei vor allem die Fähigkeit, bestehende Prozesse oder Produkte optimal zu nutzen. Dieser Ansatz unterschätzt jedoch den Wert unternehmerischer Flexibilität und damit den Wert von Maßnahmen, die den Handlungsspielraum eines Unternehmens vergrößern und hierdurch Wert schaffen. Hierzu gehört die Entwicklung innovativer neuer Prozesse und Produkte.

So unterschätzt der Shareholder Value-Ansatz meist den Wert "ökologischer" Forschungs- und Entwicklungserfolge, die nicht unmittelbar auf den Markt gebracht werden. Die Folge ist, dass genau die Bereiche wenig attraktiv erscheinen, die deutliche Umweltentlastungen und Unternehmenswertbeiträge versprechen. Die Entwicklung neuartiger alternativer Energiequellen, deren Einsatz noch nicht abgeschätzt werden kann, erscheint so beispielsweise weniger attraktiv als die zunehmend schwierigere Optimierung bestehender Energiesysteme.

Optionswertverfahren zeigt Chancen für Wertentwicklung auf

An der Schwäche des Shareholder Value-Ansatzes setzt das Optionswertverfahren an: Analog zu den in der Finanzindustrie bekannten Optionen werden hier nicht bestehende Aktivitäten, sondern vielmehr zukünftige Handlungsmöglichkeiten bewertet. Ein Beispiel: Ein Automobilhersteller plant ein Drei-Liter-Auto, verzichtet wegen der unsicheren Marktlage dann aber auf die Einführung. Aus Shareholder Value-Sicht stehen den Kosten keine Erträge entgegen; Unternehmenswert wurde vernichtet. Der Optionswert-Ansatz zeigt hingegen, dass das Unternehmen dank der Pläne auf eine Veränderung der Marktlage flexibler als die Konkurrenz reagieren kann. Es wurde Optionswert geschaffen. Die zusätzliche Ausrichtung am Optionswert-Ansatz bedeutet daher eine Verbesserung: Chancen werden bewahrt und Risiken gleichzeitig abgesichert. Damit führt der Optionswert-Ansatz zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Umweltmanagements, die dazu beiträgt, den Wert des gesamten Unternehmens zu erhöhen.

Checkliste für Unternehmen zum Umweltmanagement

"Die beiden Ansätze widersprechen sich nicht, sondern ergänzen einander. Ein Umweltmanagement, bei dem Kosten und Nutzen heute und in Zukunft in einem ungünstigen Verhältnis stehen, schafft keinen Unternehmenswert. Daran ändert natürlich auch die Wahl des Bewertungsverfahrens nichts", erläutert Dr. Frank Figge vom Center for Sustainability Management der Universität Lüneburg. Umweltschutzaktivitäten müssen daher aus der Sichtweise des jeweils geeigneten Bewertungsverfahrens betrachtet werden. Hierbei hilft die in der Studie vorgelegte 13-Punkte-Checkliste. Sie nennt die wichtigsten Faktoren, die den Unternehmenswert beeinflussen und durch das betriebliche Umweltmanagement gestaltet werden können.

Neue Perspektiven für Berichterstattung und Bewertung

Die Berücksichtigung dieser Punkte ermöglicht, ein betriebswirtschaftlich- und wertorientiertes Umweltmanagement umzusetzen. So werden mit der Betrachtung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaktivitäten unter Shareholder Value- und Optionswert-Ansatz neue, interessante Sichtweisen hinsichtlich des Wertes von Unternehmen möglich. Die Studie zeigt damit Perspektiven auf, die auch für die allgemeine Berichterstattung sowie Bewertung von Unternehmen relevant werden können. Ein erster Beleg für diese Entwicklung ist die aktuelle Empfehlung der EU-Kommission zur Berücksichtigung von Umweltaspekten im Jahresabschluss sowie im Lagebericht des Geschäftsberichtes.

Stefanie Bauerdick | ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie