Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Akademie legt Studie zu gesellschaftspolitischen Folgen der Robotik vor

28.11.2001


Die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH stellt heute in Berlin ihre Studie zur Zukunft der Robotik vor. Die interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe hat in ihrer zweijährigen Arbeit Handlungsempfehlungen für die Entwicklung moderner, weitgehend autonomer Robotersysteme formuliert und Vorschläge für den Umgang mit den daraus entstehenden gesellschaftlichen Problemen gemacht.
Auf der Grundlage der heutigen Forschung können Robotersysteme entwickelt werden, deren Einsatzmöglichkeiten weit über die bisher üblichen begrenzten Industrie-Anwendungen hinausreichen. Diese mit komplexen Steuerungssystemen ausgestatteten Roboter orientieren sich autonom in ihrer Umwelt. Sie bewegen sich auf Rädern oder Beinen und führen mit Greifern Handlungen aus. Durch einen flexiblen Aufbau sind der Ausweitung der Einsatzgebiete kaum technische Grenzen gesetzt.

Die Mitglieder der Projektgruppe betrachten die Robotik als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, die das alltägliche Leben stark verändern könnte. Die Förderung dieser Technologie wird nachdrücklich empfohlen, wobei allerdings eine ökonomische, rechtliche und ethische Begleitung unerlässlich ist. Dazu wurden im Rahmen des Projektes Kriterien entwickelt, anhand derer die Chancen und Risiken von Robotersystemen bewertet werden können.


Im Mittelpunkt der weiteren Entwicklung werden vermutlich sogenannte Expansionsroboter stehen, die den Menschen in die Lage versetzen, Handlungsbarrieren zu überwinden. Der Einsatz solcher Roboter ist ökonomisch sinnvoll und moralisch empfehlenswert vor allem in gefährlichen Situationen wie z.B. bei bestimmten Arbeiten in Kernkraftwerken, der Sprengmittelentschärfung, aber auch zur Erweiterung des menschlichen Handlungsspielraums im Weltraum und für die Minimal Invasive Chirurgie.

Es besteht allerdings erheblicher rechtlicher Regelungsbedarf, da autonome Roboter mit Lernalgorithmen und damit der Fähigkeit, ihr Verhalten an neue Einsatzbereiche und -anforderungen anzupassen, ausgestattet sind. Es muss praxistauglich unterschieden werden können, ob ein durch einen Roboter verursachter Schaden vom Roboterhersteller zu tragen ist oder vom Roboterhalter. Möglicherweise kann die transparente Dokumentation der Lernprozesse eines Roboters z.B. in einer Black Box helfen. Darüber hinaus wird durch die Projektgruppe zur Erleichterung der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen eine Beweislastumkehr vorgeschlagen: Der Hersteller bzw. Halter eines autonomen Roboters muss nachweisen können, dass sein Gerät sachgerecht konstruiert und gewartet wurde.

Im medizinischen Bereich wurden Empfehlungen zur operativen Medizin, zur medizintechnischen Robotik und Prothetik sowie zum Entgeltsystem gegeben. Der Einsatz von Robotern in der Pflege wird differenziert beurteilt: Roboter sollen nur bei der Pflege assistieren. Die Ersetzung menschlicher Pflege durch Roboter wird aus ethischen Gründen abgelehnt, da die Gefahr besteht, dass der zu Pflegende instrumentalisiert wird.

Die Europäische Akademie legt diese Publikation als Ergebnis der interdisziplinären Arbeit der Projektgruppe "Robotik. Optionen der Ersetzbarkeit des Menschen" vor. Gemäß ihrem Auftrag der Politikberatung bezüglich der Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen stellt die Studie Handlungsempfehlungen für Gesetzgebung, Forschungsförderung, Industrie und Anwender zusammen.

Publikation:
T. Christaller, M. Decker, J. Gilsbach, G. Hirzinger, K. Lauterbach, E. Schweighofer, G. Schweitzer, D. Sturma: Robotik. Perspektiven für menschliches Handeln in der zukünftigen Gesellschaft.
Springer Verlag 2001, Reihe Wissenschaftsethik und Technikfolgenbeurteilung herausgegeben von der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH, Band 14, ISBN 3-540-42779-1


Ansprechpartner:
Dr. Michael Decker, Tel. 02641-973 308
Email michael.decker@dlr.de
Friederike Wütscher Tel. 02641-973 313
E-Mail: friederike.wuetscher@dlr.de

Europäische Akademie
zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen GmbH
Wilhelmstraße 56, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Fax 02641-973 320,
E-Mail: europaeische.akademie@dlr.de

Friederike Wütscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.europaeische-akademie-aw.de

Weitere Berichte zu: Handlungsempfehlung Projektgruppe Roboter Robotersystem Robotik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften