Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie: Erfolgreiche Berufsverläufe von Erlanger Soziologen

22.11.2001


Arbeitslosigkeit oder Taxifahren? Entgegen allen Vorurteilen ist dies nicht die Alternative für Absolventinnen und Absolventen des Magisterstudiengangs Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, wie eine Studie am Institut für Soziologie unter Leitung von Prof. Dr. Werner Meinefeld gezeigt hat. Die Arbeitslosigkeit ist mit 3,4 Prozent gering, das Durchschnittjahresseinkommen von 90.000 Mark liegt rund 15 Prozent über dem aller bundesdeutschen Sozialwissenschaftler.

In das Forschungsprojekt waren insgesamt 330 Absolventen der Examensjahrgänge 1988 bis 2000 einbezogen. Rund 70 Prozent der Befragten antworteten. Bedenkt man, dass es keine für Soziologen reservierten Berufe gibt, sondern sie sich in Konkurrenz zu Bewerbern mit anderen Studienabschlüssen befinden, so ist schon allein die Tatsache erstaunlich, dass ein Drittel direkt nach dem Studium eine Stelle antritt. Durchschnittlich dauerte die Stellensuche vier Monate.

Hauptarbeitgeber ist dabei keineswegs, wie oft vermutet, der Öffentliche Dienst. Sieht man von 15 Prozent ab, die sich selbständig gemacht haben oder freiberuflich tätig sind, so arbeiten heute fast 60 Prozent in der Privatwirtschaft, zwölf Prozent in Hochschulen und nur 15 Prozent in Behörden und in der öffentlichen Verwaltung. Breit gestreut sind die Tätigkeitsfelder, unter denen vor allem Forschung, Dienstleistungen, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus hervorstechen.

Besonders erfreulich ist, daß nur 3,4 Prozent aller Befragten arbeitslos sind und nur sechs Prozent mehr als einmal in ihrem Berufsverlauf von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Projektleiter Dr. Meinefeld: "Dies ist vor allem deswegen ein sehr geringer Prozentsatz, da direkt nach dem Examen nur etwa die Hälfte eine unbefristete Stelle hatte. Stellenwechsel mit entsprechenden Verzögerungen waren also vorprogrammiert." Bei einer Vergleichsstudie aus dem Jahr 1990 hatte die Arbeitslosenquote noch rund zehn Prozent betragen. Der Vergleich zeige, so Meinefeld, dass die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt den Soziologen und Magisterabsolventen insgesamt entgegen kommen.

Berufszufriedenheit ist groß

Für die Erlanger Absolventen haben sich die Arbeitsstellenwechsel insgesamt gelohnt. Drei Viertel der Befragten arbeiten heute auf einer unbefristeten Stelle. Die Zufriedenheit mit den Tätigkeitsinhalten und der beruflichen Position ist stark ausgeprägt. Und auch das Einkommen stimmt: es liegt bei den Befragten durchschnittlich bei jährlich 90.000 Mark. Damit rangieren die Erlanger Magister-Absolventen über dem Durchschnittseinkommen von 78.000 Mark, das für Sozialwissenschaftler in der BRD berechnet wurde. Meinefeld: "Ein bemerkenswerter Befund, da dem häufiger erworbenen Diplomabschluss eine größere berufliche Verwertbarkeit nachgesagt wird." Die Flexibilisierung der Berufsfelder habe hier wohl Veränderungen ergeben, auf die Magister gut vorbereitet seien. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass nicht jeder allein mit dem Magister-Abschluß eine entsprechende Arbeitsstelle gefunden hat: Elf Prozent haben ein Zweitstudium absolviert oder eine Umschulung gemacht, bevor sie berufstätig wurden.

Nur geringe Unterschiede bei den Berufsverläufen bestehen zwischen Absolventinnen und Absolventen - wenn man einmal von der Tatsache absieht, dass nur Frauen ihre Berufstätigkeit aus Familiengründen aufgegeben haben und insbesondere in der Privatwirtschaft Frauen schlechter bezahlt werden als Männer.

Studiendauer ohne Einfluss

Überraschende Erkenntnisse lieferte die Studie in anderen Bereichen. Zumindest für die befragte Absolventengruppe ist die Studiendauer ohne Einfluss auf den Berufserfolg geblieben. Auch Praktika, Hochschulwechsel oder Auslandsaufenthalte wirkten sich nicht aus. Entscheidungen der Arbeitgeber über Einstellung und Beförderung fallen offensichtlich nicht allein nach solch formalen Kriterien.

Insgesamt lässt die Studie der Erlanger Soziologen ein durchaus positives Resümee zu: Die Absolventen haben zügig und überwiegend ausbildungsadäquat auf dem Arbeitsmarkt Fuß gefaßt. Dieser Umstand dürfte auch die Bereitschaft gefördert haben, der Einladung des Instituts für Soziologie zu einem Absolvententreffen am Samstag, 24.November 2001, zu folgen. Im Zentrum der Veranstaltung soll neben dem Austausch von Berufserfahrungen und Studienerinnerungen und der Auffrischung von Kontakten die Vorstellung und Diskussion der Studie stehen, die ab Ende November auch über das Internet verfügbar sein wird.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Werner Meinefeld,
Institut für Soziologie


Universität Erlangen-Nürnberg

Tel.: 09131/ 85 -22377 
meinefel@phil.uni-erlangen.de

Thomas Wenzel M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.phil.uni-erlangen.de/~p1soz/index.htm

Weitere Berichte zu: Privatwirtschaft Soziologe Soziologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie