Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trotz hoher Arbeitslosigkeit offene Stellen im Mittelstand nur schwer zu besetzen

22.11.2001


Besetzung qualifizierter Stellen dauert immer länger / Vier von zehn Mittelständlern erhoffen sich vom Firmen-Rating bessere Position bei Kreditverhandlungen / Über drei Viertel der Firmenchefs befürchten schlechtere Wettbewerbsposition durch den Euro / Bereitschaft zur Nachfolge-Regelung lässt nach wie vor zu wünschen übrig

Trotz der rund 3,7 Millionen Arbeitslosen fällt es dem deutschen Mittelstand schwer, geeignetes Personal zu finden. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Mittelstandsstudie von Dresdner Bank und dem Wirtschaftsmagazin ’impulse’ unter wissenschaftlicher Begleitung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM). Befragt wurden über 1.000 repräsentativ ausgewählte Chefs mittelständischer Unternehmen von Mai bis Juni dieses Jahres. Danach sind in 18,8 Prozent der rund 1,1 Millionen mittelständischen Betriebe Arbeitsplätze unbesetzt. Hochgerechnet sind dies über 900.000 offene Stellen. Alarmierend ist dabei der Befund, dass es häufig zu lange dauert, qualifizierte Bewerber für mittelständische Unternehmen zu finden. So gab über die Hälfte der befragten Firmenchefs an, die Suche nach qualifizierten Arbeitern und Angestellten dauere bis zu einem halben Jahr und länger.

"Es liegt die Vermutung nahe, dass der Mittelstand von potenziellen Bewerbern als ein weniger attraktiver Arbeitgeber angesehen wird", sagte ’impulse’-Chefredakteur Thomas Voigt. Dafür sprächen auch die weiteren MIND-Ergebnisse, wonach sich bei 31,1 Prozent der ausgeschriebenen Stellen erst gar kein Bewerber fand, weiteren 30,5 Prozent die Motivation fehlte, die Stelle anzunehmen, und 15 Prozent mit der Bezahlung nicht einverstanden waren. "Angesichts der gegenwärtig weiter steigenden Arbeitslosenzahlen wirkt diese Situation mehr als befremdlich", sagte Dresdner Bank-Vorstand Dr. Joachim von Harbou.

Zunehmende Akzeptanz von Basel II - aber erschreckendes Planungsdefizit

Die mit Basel II verbundenen Auflagen zur Gewährung von Firmenkrediten scheinen dagegen für den deutschen Mittelstand an Schrecken zu verlieren. Mit knapp 40 Prozent versprechen sich heute rund 20 Prozent mehr Mittelständler vom Firmen-Rating eine bessere Verhandlungsposition bei Kreditgebern, als die Zwischenstudie "MIND Finance" im letzten Jahr ergab. Allerdings befürchten nach wie vor rund 37 Prozent durch Basel II höhere Kosten.

Anlass zur Sorge bietet in diesem Zusammenhang aber der sich gegenüber 1999 noch weiter verschlechterte Stand der Unternehmensplanung im Mittelstand. So vernachlässigen 58,4 Prozent der Unternehmer beispielsweise den Planungsbereich "generelle Geschäftsführungskonzepte" (1999: 51,7 Prozent), und über ihre Finanzen macht sich mit 49,6 Prozent die Hälfte der Mittelständler keine konzeptionellen Gedanken (1999: 43,4 Prozent). Dieser Mangel an Planung sei auch aus Sicht des Bankers bedenklich, betont von Harbou: "Wir alle wissen, dass im Rahmen von Basel II künftig auch Punkte wie Management und Unternehmensplanung eine stärkere Rolle bei der Kreditvergabe spielen werden." Diese Entwicklung hält auch der Mittelstands-Experte Dr. Gunter Kayser, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des IfM in Bonn, für gefährlich: "Wer nicht plant, unterlässt es schlicht, seine Zukunft zu gestalten."

Auffällig sei außerdem die ausgeprägte Selbstzufriedenheit der mittelständischen Unternehmens-Chefs, betont Voigt. Laut MIND stieg nämlich der Anteil derer, die ihr Unternehmen genauso weiter führen wollen wie bisher von 82,9 Prozent in 1999 auf 91 Prozent in diesem Jahr.

Den Euro empfinden viele als Risiko für die Zukunft Selbst kurz vor der Einführung des Euro sind viele Unternehmer noch skeptisch, wenngleich die Zustimmung in den letzten beiden Jahren leicht zugenommen hat: Lediglich 21,1 Prozent der Unternehmer (1999: 17,8 Prozent) erwarten vom Euro eine Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Mit 77,8 Prozent (1999: 81,4 Prozent) rechnet aber eine Drei-Viertel-Mehrheit mit wachsendem Wettbewerbsdruck. Für ’impulse’-Chefredakteur Thomas Voigt sind die Befunde ein Indiz für die unzureichende internationale Praxis eines Großteils des deutschen Mittelstands.

Nachfolge-Regelung bleibt eines der drängendsten Probleme So ungern viele Unternehmer anscheinend die Unternehmenszukunft planen, so ungern denken sie auch über ihre eigene Nachfolge nach. Jeder dritte der 274.000 mittelständischen Unternehmer, die in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen wollen, hat seine Nachfolge bisher nicht geregelt. Damit ist die Fortführung von rund 90.000 Betrieben gefährdet. Der überwiegende Teil (46 Prozent) hat sich jedoch entschlossen, das Unternehmen an seine Kinder zu übergeben. Lediglich vier Prozent werden das Unternehmen zum Zeitpunkt des Ruhestands aufgeben, zwölf Prozent planen den Verkauf an Teilhaber oder leitende Angestellte.

Gerd Kühlhorn | ots

Weitere Berichte zu: Mittelstand Nachfolge-Regelung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

Meteoriteneinschläge und Spektralfarben: HITS bei Explore Science 2018

11.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

EMAG auf der AMB: Hochproduktive Lösungen für die vernetzte Automotive-Produktion

15.06.2018 | Messenachrichten

AchemAsia 2019 in Shanghai

15.06.2018 | Messenachrichten

Dem Fettfinger zu Leibe rücken: Neuer Nanolack soll Antifingerprint-Oberflächen schaffen

15.06.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics