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Nur die Europäer sehen sich selbst als Weltmacht

02.06.2006


Internationale Befragung: EU ist weltweit beliebt, aber machtpolitisch zweitrangig



In Europa betrachten viele Bürger die EU schon heute und auch in Zukunft als Weltmacht, während diese Einschätzung in der übrigen Welt nur von einer Minderheit geteilt wird. Dies ist das Ergebnis einer weltweiten repräsentativen Studie der deutschen Bertelsmann Stiftung. Danach schätzen beispielsweise fast 50 Prozent der Franzosen die EU als globalen Akteur ein, in Großbritannien sind es 53% und in Deutschland sogar 75%. Im internationalen Durchschnitt wird diese Bewertung der EU nur von 32% der weltweit 10.000 befragten Menschen vergeben. Auch im Jahr 2020 sehen nur 30% die EU als weltpolitischen Akteur. Vergleichsweise hohe Werte erzielt die EU noch in den USA, Russland und Japan. Keine Weltmachtchancen geben ihr dagegen Chinesen, Inder oder Brasilianer.

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Als wirkliche Weltmächte werden dagegen heute international noch den USA mit 81% eingeschätzt, gefolgt von China (45%), Japan (37%) und Großbritannien (32%). Im Jahre 2020 sehen nur dagegen nur noch 57% die USA als Weltmacht, aber 55% auch China, gefolgt von Japan 32%, Russland 26% und Indien 24%.

Unabhängig davon wünscht sich ein Drittel der weltweit Befragten ein stärkeres Engagement der EU für Frieden und Stabilität in der Welt. Neben den Europäern wünschen sich dies besonders US-Bürger, Chinesen, Russen und Japaner. Auf die Frage, ob das eigene Land zukünftig stärker mit der EU zusammenarbeiten sollte, zeigt sich sogar eine erstaunliche hohe Zustimmung. Sie wünschen sich dies 96% der Chinesen, ebenso 89% der Russen und 83% der Inder. Den geringsten Wusch zur Kooperation haben die Japaner mit 49%.

Die Mehrheit der Bevölkerung in den wichtigsten Staaten der Erde erwartet offensichtlich in Zukunft keine gemeinsame Weltagenda. Sie gehen vielmehr von einer multipolaren Weltordnung ohne einen gemeinsamen Ordnungsrahmen aus. Die Politikforscher der Bertelsmann Stiftung folgern aus der Befragung, dass es zu einer Rückbesinnung auf die jeweilige nationale Stärke eines Landes und verhängnisvolle klassische Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts kommen könnte. Hierfür spricht auch, dass die Stärke und Bedeutung des eigenen Landes in fast allen Ländern höher eingeschätzt wird, als von den Befragten in allen anderen Ländern. Besonders ausgeprägt war dies bei den Befragten in Indien, Russland, Großbritannien und Brasilien. Und obwohl sich viele Menschen von der UNO eine größere Rolle wünschen, wird sie als zukünftige Ordnungsmacht nur auf dem siebenten Platz gesetzt.

Professor Werner Weidenfeld, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung: "Die Menschen sehen die heutige Vormachtstellung der USA in Zukunft schwinden, aber sie erwarten auch kein harmonisches Gleichgewicht der Weltmächte, das etwa von der UNO moderiert wird. Sie setzen vielmehr auf eigene Stärke im globalen Wettbewerb und erwünschen sich für das jeweils eigene Land eine bedeutsamere Rolle für Stabilität und Frieden. Wenn diese Perspektive und Erwartung für die Politik weltweit bestimmend wird, birgt es die Gefahr eines nationalistischen Wettlaufs zwischen den heutigen und zukünftigen Weltmächten, bei dem alle nur verlieren."

Das Meinungsbild der Europäer zeigt, dass sie die Verschiebung der weltpolitischen Gewichte bemerkt haben. Sie kompensieren ihren nationalen Bedeutungsverlust durch große Hoffnungen auf die EU. Die Stimmungslage wird dabei aber weiterhin gleichzeitig durch nationale Wahrnehmungsmuster geprägt. Professor Werner Weidenfeld: "Die Umfrage spiegelt das europäische Dilemma. Ohne herausragende Führungsleistung wird sich Europa danach in den gewohnten Bahnen bewegen. Der Kontinent bleibt eine Weltmacht im Werden mit großen Potenzial zur Weltmachtbildung aber ohne Kraft der politischen Bündelung seiner Ressourcen."

Für die Studie der Bertelsmann Stiftung waren durch das Meinungsforschungsinstitut Gallup/TNS-EMNID weltweit 10.000 Menschen zur Rolle und Funktion der Weltmächte heute und im Jahr 2020 befragt worden. Die Untersuchung fand in den USA, Russland, Brasilien, China, Indien, Japan, Deutschland, Frankreich, und Großbritannien statt.

Alle Details der internationalen Untersuchung zum, Download im Internet unter: www.bertelsmann-foundation.org/survey

Ansprechpartnerin: Stefani Weiss, Projektleiterin, Bertelsmann Stiftung, Deutschland
E-Mail: s.weiss@bertelsmann.de

Stefani Weiss | directnews
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-foundation.org/survey

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