Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Persönlichkeit, Lebensstil und das Risiko für kardiovaskuläre und Krebs-Erkrankungen

18.05.2006


Manfred Amelang und Til Stürmer legen Ergebnisse einer populationsgestützten Untersuchung an der Universität Heidelberg vor



Krebs- und Herzkreislauferkrankungen stellen in allen Regionen der Erde ein erhebliches Problem dar. Zumindest in den westlichen Ländern handelt es sich dabei um die mit Abstand häufigsten Todesursachen. Aus diesem Grunde richten sich intensive Forschungsbemühungen sehr vieler Disziplinen auf die Ursachen, die Vermeidung und die Behandlung dieser Krankheiten. Auch von Seiten der Psychologie liegen inzwischen zahlreiche Beobachtungen aus epidemiologischen Untersuchungen sowie Fall-, Verlaufs- und Interventionsstudien vor, die eine Beteiligung psychischer Merkmale bei der Entstehung und dem Verlauf der beiden Erkrankungen wahrscheinlich machen. Allerdings sind die Befunde nicht sehr einheitlich.



Um zur weiteren Klärung einen Beitrag zu liefern, wurde am Psychologischen Institut und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg unter der Leitung von Professor Dr. Manfred Amelang und Privatdozent Dr. med. Til Stürmer unter dem Titel "HeiDE" eine interdisziplinäre Längsschnitt-Untersuchung an mehr als 5.000 Personen beiderlei Geschlechts (Alter zwischen 40 und 65 Jahren) durchgeführt.

Vor knapp neun Jahren hatten die Studien-Teilnehmer einen umfangreichen Katalog von Persönlichkeitstests bearbeitet und Fragen zum Gesundheitsstatus, den Lebensumständen sowie Ernährungs- und Verhaltensgewohnheiten beantwortet. Beginnend mit dem Jahr 2002 erfolgte eine intensive Nacherhebung. Zwischenzeitlich waren 257 Teilnehmer verstorben. 72 Personen hatten gemäß ärztlicher Diagnosen einen Herzinfarkt und 62 einen Schlaganfall erlitten; 240 Befragungspersonen waren an Krebs erkrankt.

Den Ergebnissen zufolge, von denen unlängst ein Teil in der renommierten Zeitschrift British Medical Journal (10 May 2006) unter dem Titel "Personality, lifestyle, and risk of cardiovascular disease and cancer: follow-up of population based cohort" publiziert wurde, waren die Persönlichkeitsmerkmale Internale Krankheits-Kontroll-Überzeugungen (also der Glaube, durch das eigene Verhalten die Ausbildung und Entwicklung von Krankheiten beeinflussen zu können) mit einem verminderten Risiko für die Entstehung von kardiovaskulären Erkrankungen und Chronische Zeitnot mit einem verminderten Krebsrisiko assoziiert.

Hier wie dort waren die Effekte unabhängig von Alter, Geschlecht, Rauchen, Alkoholgenuss und einer Reihe weiterer bekannter Krankheitsursachen, im weiteren zwar statistisch signifikant, aber numerisch relativ gering, darin andere Beobachtungen aus der jüngeren Vergangenheit bestätigend. Die darüber hinaus erfassten Persönlichkeitsmerkmale Depressivität, Ärger-Kontrolle und Psychotizismus waren nicht systematisch verantwortlich für das Entstehen von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs.

Offen bleiben musste auch in dieser Studie die Frage, welche Prozesse im Einzelnen für die beobachtete Verbindung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen auf der einen Seite und den Krankheiten auf der anderen verantwortlich sind. Besonders naheliegend ist die Annahme von persönlichkeits-korrelierten und für Gesundheit bzw. Krankheit maßgeblichen Verhaltensweisen, die als Bindeglieder in Betracht kommen, doch konnte dieses in Gestalt der traditionellen Faktoren Ernährung, Bewegung, und Bildung vorerst nicht bestätigt werden.

Diese sowie darüber hinaus gehende Fragestellungen zu Entstehung und Verlauf chronischer Herzkreislauf- und Krebserkrankungen wird das interdisziplinäre Forscherteam durch die weitere Beobachtung von Gesundheit und Krankheit bei den HeiDE-Studienteilnehmern während der nächsten Jahrzehnte untersuchen.

(Den Originaltext finden Sie unter http://bmj.bmjjournals.com/cgi/rapidpdf/bmj.38833.479560.80?ijkey=zTiqhzjxEBO87lg&keytype=ref)

Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Manfred Amelang
manfred.amelang@psychologie.uni-heidelberg.de

PD Dr. med. Til Stürmer

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de/presse
http://bmj.bmjjournals.com/cgi/rapidpdf/bmj.38833.479560.80?ijkey=zTiqhzjxEBO87lg&keytype=ref

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Einem neuen, effektiven Fertigungsverfahren auf der Spur

23.01.2017 | Förderungen Preise

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung