Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Steuerschätzung: Besser als ihr Ruf

09.11.2001


Der Arbeitskreis "Steuerschätzungen" legt an diesem Freitag seine neue Prognose des Steueraufkommens für das laufende und das kommende Jahr vor. Gegenüber der letzten Schätzung vom 17. Mai 2001 ergeben sich - aufgrund geänderter Vorgaben zum Wirtschaftswachstum - erhebliche Mindereinnahmen. Schon in der Mitte der neunziger Jahren haben die Schätzungen dadurch für Diskussionen gesorgt, dass sie wiederholt in zweistelliger Milliardenhöhe nach unten revidiert wurden. Damit stellt sich die Frage nach ihrer Treffsicherheit.
Um diese Frage zu beantworten, sei kurz daran erinnert, wie der Arbeitskreis seine Prognosen erstellt. Basierend auf verbindlichen Vorgaben der Bundesregierung zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und auf Berechnungen des Bundesministeriums der Finanzen zu den geplanten Steuerrechtsänderungen und deren Auswirkungen auf die Steuereinnahmen erstellen Mitglieder des Arbeitskreises (Bundesfinanzministerium, Bundesbank, Sachverständigenrat, Institute) mit Hilfe der von ihnen gewählten Methoden eigene Prognosen zum Steueraufkommen, die dann in einem Anpassungs- und Abstimmungsprozess auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.


Damit sind auch schon die Quellen angesprochen, aus denen Fehler resultieren können: (1) aus den Vorgaben zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, (2) aus den Berechnungen zu den finanziellen Auswirkungen von Steuerrechtsänderungen sowie (3) aus den verwendeten Hypothesen über den Zusammenhang zwischen Steuerbasis und Steueraufkommen.
Ordnet man die Schätzfehler Mitte der neunziger Jahre diesen Fehlerquellen zu, so zeigt sich, dass die optimistischen gesamtwirtschaftlichen Prognosen der Bundesregierung stark zur damaligen Überschätzung des Steueraufkommens beigetragen haben; allein knapp 40 vH der Fehlschätzung beruhten auf "falschen" gesamtwirtschaftlichen Vorgaben. In noch stärkerem Maße schlug allerdings die ungenaue Quantifizierung der Steuerrechtsänderungen zu Buche; hinzu kamen die unzureichende Kenntnis steuertechnischer Sonderentwicklungen sowie - z.T. daraus abgeleitet - falsche Annahmen über die Steuerelastizitäten. Aufgrund der Interdependenzen zwischen diesen Faktoren sowie mangels Daten lassen sich die verbleibenden Prognosefehler zwar nicht eindeutig zuordnen, doch zeigt die Analyse, dass aufkommensmindernde Faktoren bei den Veranlagungssteuern, insbesondere die starke Inanspruchnahme der steuerlichen Investitionsförderung in Ostdeutschland sowie die steuerliche Verrechnung von Verlustvorträgen, deutlich unterschätzt wurden. Diese Sonderfaktoren sind inzwischen entfallen.
Insgesamt kann damit den Berechnungen des Arbeitskreises eine hohe Treffsicherheit attestiert werden. Die Verschlechterung der Prognosegüte Mitte der neunziger Jahre ist im Wesentlichen nicht dem Arbeitskreis anzulasten, denn seine Schätzungen hängen wie gesagt stark von den Vorgaben des Finanzministeriums ab. Angesichts fehlerbehafteter gesamtwirtschaftlicher Annahmen, der Probleme bei der Quantifizierung der finanziellen Wirkungen von Steuerrechtsänderungen, mangelnder Angaben zu den makroökonomischen Bemessungsgrundlagen bzw. entsprechenden Indikatorvariablen sowie unzureichend disaggregierter Steuerstatistiken lässt sich das Steueraufkommen auch künftig nur innerhalb gewisser Fehlermargen prognostizieren; so dürften aus den komplizierten, zu Beginn dieses Jahres in Kraft getretenen Änderungen der Unternehmenssteuerreform erhebliche Prognoserisiken resultieren. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass sich die Treffsicherheit der Prognosen wieder erhöht, da das Steuersystem nach dem Auslaufen der steuerlichen Ostförderung wieder in stärkerem Maße auf seine primäre Funktion, die allgemeine Haushaltsfinanzierung, beschränkt wird. Ungeachtet dieser Beurteilung sind aber weitere Verbesserungen angezeigt, insbesondere mit Zielrichtung auf eine zeitnähere, hinreichend disaggregierte Datenbasis. So könnten empirische Defizite bei den Veranlagungssteuern im Rahmen einer von den Ländern - als der für die Steuerverwaltung zuständigen Ebene - durchgeführten repräsentativen Stichprobenerhebung verringert werden. Außerdem könnte z.B. der Veröffentlichungsrhythmus bei wichtigen Steuerarten, vor allem bei der Lohn- und Einkommen- sowie bei der Körperschaftsteuerstatistik, verkürzt werden.

Joachim Schmidt | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics