Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt sucht genetische Faktoren und Umwelteinflüsse

09.05.2006


LMU-Forscherin als Co-Koordinatorin von Asthma-Studie



Eine neue Studie soll die genetischen Faktoren und Umwelteinflüsse, die die Entwicklung von Asthma bronchiale in Europa beeinflussen, untersuchen. Das Projekt wird von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und dem Imperial College London koordiniert. Das so genannte GABRIEL-Projekt wird von der Europäischen Union mit 11 Millionen Euro finanziert. Insgesamt sind 150 Wissenschaftler aus 14 europäischen Ländern sowie Russland beteiligt, die Methoden unter anderem aus der Genetik, Epidemiologie und Bioinformatik nutzen werden, um Schlüsselfaktoren bei der Entwicklung von Asthma bronchiale zu identifizieren. Professor Dr. Erika von Mutius von der Kinderklinik und Poliklinik der LMU ist Co-Koordinatorin der Studie. Professor von Mutius gehört nicht nur zu den Koordinatoren von GABRIEL, sondern wird auch die umweltbezogenen Studien sowie den großen Teilbereich der Gen-Umwelt-Interaktionen leiten. Damit kommt der LMU ein erheblicher Anteil sowohl am Gesamtprojekt als auch an Einzelprojekten zu.

... mehr zu:
»Asthma »GABRIEL »Genetik »Umwelteinfluss


"Asthma bronchiale ist die wichtigste chronische Kinderkrankheit in Europa und kostet die Europäische Gemeinschaft mehr als drei Milliarden Euro jedes Jahr", so Professor Bill Cookson, Co-Koordinator vom Imperial College London. "Es gibt zwar effektive Therapien für leichtes Asthma, aber die zehn Prozent der Kinder mit schwerem Asthma verursachen 60 Prozent der Kosten. Dazu kommt, dass auch eine effektive Behandlung die Krankheit nicht heilen kann." Asthma wird durch eine Kombination von genetischen und umweltbedingten Faktoren verursacht. Obwohl die Erkrankung vor 100 Jahren noch selten war, wurde sie zunehmend häufiger in den entwickelten Gesellschaften der Welt. Wissenschaftler glauben, dass eine ländliche Umgebung ein starker Schutz vor der Krankheit ist, und die zunehmende Ausbreitung der Städte zur steigenden Anzahl der Betroffenen beitragen könnte. "Wir hoffen deshalb, dass wir mit Hilfe dieser Studie herausfinden können, wie genau Gene und die Umwelt die Entwicklung dieses Leidens verursachen. So könnten Risikofaktoren und schützende Einflüsse identifiziert werden, mit dem Langzeitziel, die Krankheit verhindern zu können."

Das ist auch für von Mutius von besonderem Interesse. "Vorangegangene Studien haben gezeigt, dass es eine Vielzahl an Ursachen für Asthma gibt", meint sie. "Dabei haben auch noch einige genetische Faktoren und Umwelteinflüsse potentiell Einfluss. Es war immer sehr schwierig, all diese genetische und umweltbezogene Information zu analysieren, aber dank der letzten Fortschritte in Bereichen wie Genomik und Bioinformatik können wir jetzt selbst diese große komplizierte Datenmenge verarbeiten."

Neben der Analyse von Interaktionen zwischen Genetik und Umwelt wird GABRIEL auch die molekulare Grundlage für Umweltfaktoren, die das Asthmarisiko erhöhen, untersuchen. So sollen auch Substanzen identifiziert werden, die in ländlicher Umgebung und auf Bauernhöfen einen starken Schutz vor Asthma gewährleisten. Zusätzlich werden Genetik, Genomik und Proteomik eingesetzt werden, um neue genetische und mikrobielle Faktoren zu entdecken, die Asthma verursachen oder davor schützen. "Ein besonders interessanter Bereich für uns ist ’Hygiene-Hypothese’, wonach wenig Kontakt zu Schmutz ein erhöhtes Risiko für Asthma und Allergien bringen kann", so von Mutius. "Es gibt bereits Hinweise, dass es tatsächlich einen derartigen Zusammenhang gibt, aber wir wollen jetzt mit Hilfe des groß angelegten Projekts GABRIEL die Hypothese in einem angemessenen Umfang testen."

Im Rahmen von GABRIEL sollen auch Modellsysteme entwickelt werden, um die molekulare Basis der Interaktionen von Genetik und Umwelt in Zusammenhang mit der Entstehung von Asthma zu untersuchen. Diese Modellsysteme sollen dann auch genutzt werden, um neue Entdeckungen in die Prävention und die Behandlung von Asthma einfließen zu lassen. Insgesamt sollen im Rahmen von GABRIEL mehr als 40.000 Personen untersucht werden, die in der Kindheit oder als Erwachsene an Asthma erkrankt sind. Dabei sollen umweltbezogene Daten wie etwa Tabakrauch, Luftverschmutzung, Ernährung, der Kontakt zu Allergenen und industriellen Substanzen berücksichtigt werden.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Erika von Mutius
Dr. von Haunersches Kinderspital der LMU
Abteilung Pneumologie/Allergologie
Tel: 089/5160-2709
Fax: 089/5160-4452
E-Mail: Erika.Von.Mutius@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

Weitere Berichte zu: Asthma GABRIEL Genetik Umwelteinfluss

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie