Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umwelteffizienz von Unternehmen in Euro gemessen

02.05.2006


Bewertung wendet Logik des Kapitalmarktes auf den Ökologie-Einsatz an



65 europäische Industrieunternehmen sind erstmals in einer Studie auf ihre Ökoeffizienz hin untersucht worden. Das so genannte ADVANCE-Projekt wurde vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin zusammen mit dem Sustainable Development Research Centre (SDRC) im schottischen Forres und vier europäischen Öko-Rating Agenturen durchgeführt. Die Forscher haben die Unternehmen unter dem Aspekt des Sustainable-Value-Ansatzes unter die Lupe genommen. Dieser Ansatz bewertet die Umweltleistung von Unternehmen monetär und folgt der Bewertungslogik der Finanzmärkte. So wird die Umweltleistung von Unternehmen in die Sprache von Investoren und Managern übersetzt.



"BMW setzt seine Umweltressourcen zum Beispiel siebenmal effizienter ein als FIAT", so der Umweltwissenschaftler Tobias Hahn vom IZT im pressetext-Interview. "Generell steigen Öl-, Gas- und Energieunternehmen am schlechtesten aus", führt Hahn weiter aus. Die Mineralölkonzerne BP und Shell erreichen nicht einmal ein Fünftel der Effizienz, mit der die Umweltressourcen in den 15 alten EU-Mitgliedstaaten durchschnittlich eingesetzt werden. "Anders ausgedrückt heißt das: Mit den Umweltressourcen von BP oder Shell würden selbst durchschnittlich öko-effiziente Unternehmen in der EU-15 jedes Jahr über 100 Mrd. Euro mehr Bruttoinlandsprodukt erzielen", meint Hahn.

"Die grundlegende Logik des Sustainable-Value-Ansatzes ist einfach", meint Hahn. "Ein Unternehmen schafft mit einer ökologischen Ressource, wie etwa Wasser, nur dann Wert, wenn es mit der eingesetzten Ressourcenmenge mehr Ertrag erzielt als andere Unternehmen." Untersucht wurden in der Studie die sieben verschiedene Ressourcen Wasser, CO2-Ausstoß, Abfallmenge, Methan, Flüchtige Organische Verbindungen (VOCs), Stick- und Schwefeloxide. Ein Rechenbeispiel von Hahn erläutert das System: Henkel hat 2003 rund 9,3 Mio. Kubikmeter Wasser eingesetzt und damit eine Bruttowertschöpfung von rund 2,9 Mrd. Euro erzielt. Hingegen hätte ein Unternehmen den EU-15 im Durchschnitt mit dieser Menge Wasser nur eine Bruttowertschöpfung von rund 380 Mio. Euro erzielt. "Im Vergleich zum EU-15-Durchschnitt schafft Henkel daher einen Mehrwert von rund 2,5 Mrd. Euro", rechnet der Forscher vor.

BMW ist der öko-effizienteste Automobilhersteller in Europa und schaffte im Jahr 2003 einen Sustainable-Value von rund 9,5 Mrd. Euro. Das Unternehmen BMW setzt seine Umweltressourcen fast viermal effizienter ein als die EU-15 im Durchschnitt. Volkswagen dagegen wirtschaftet nur knapp öko-effizienter als der EU-15-Durchschnitt. Damit landet VW innerhalb des Automobilsektors auf dem vorletzten Platz. Einen negativen Sustainable-Value von 13,9 Mrd. Euro erreichte der Konzern BASF im Jahr 2003. "Dieses Unternehmen setzte seine Umweltressourcen nur etwa halb so effizient ein wie der EU-15-Durchschnitt", so das Studienergebnis.

Das Unternehmen, das insgesamt seine Umweltressourcen im Jahr 2003 am effizientesten einsetzte, ist Airbus. "Der Flugzeughersteller ist viereinhalb mal effizienter als die EU-15 im Durchschnitt. Dies betrifft jedoch nur die Herstellung und nicht die Nutzung von Flugzeugen", so Hahn.

"Die Ergebnisse der Studie sind nach einem transparenten Verfahren zustande gekommen und zeigen deutlich, welche Unternehmen unsere knappen Umweltressourcen so einsetzen, dass aus der Umweltbelastung möglichst viel Wirtschaftsleistung erzielt werden kann. Die beträchtlichen Unterschiede innerhalb der Branchen machen offenkundig, welche Unternehmen beim Umgang mit ökologischen Ressourcen großen Nachholbedarf haben", so Studien-Co-Autor Frank Figge vom SDRC.

Ein weiteres Ergebnis der Studie machte die Forscher sehr stutzig. "Die Zahl der europäischen Industrieunternehmen, die überhaupt verlässliche Umweltzahlen veröffentlichen, ist immer noch erschreckend gering", erklärt Hahn. Die von der EU mitfinanzierte Studie, die seit Dezember 2004 läuft, geht übrigens noch weiter. In der zweiten Jahreshälfte wollen die Forscher ein Handbuch veröffentlichen. "Das soll ein Buch für Nachahmer werden", meint Hahn im pressetext-Gespräch abschließend.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.advance-project.org
http://www.izt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit