Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachstumsbranche Biotechnologie: Grosse Unternehmen sind der Motor

27.04.2006


Bestandsaufnahme zur medizinischen Biotechnologie in Deutschland

Die forschenden Pharmaunternehmen leisten einen entscheidenden Beitrag zur deutschen Biotechnologie-Branche. Im Jahr 2005 erzielten die 20 groessten Unternehmen, die in der medizinischen Biotechnologie aktiv sind, mehr als zwei Drittel der Umsaetze mit Biopharmazeutika und zeigen damit, dass die Biotechnologie nicht nur eine Domaene kleiner Start-Ups ist. Biopharmazeutika tragen mit etwa 2,7 Milliarden Euro zum Umsatz der 20 Grossen bei. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) fuer VFA Bio, die neu eingerichtete Interessengruppe fuer Biotechnologie in der Medizin im Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Die Analysen zur Lage der Biotechnologie im Bereich Medizin in Deutschland wurden am 27. April in Berlin vorgestellt.

"Medizinische Biotechnologie wird von der Politik in Deutschland vielfach nur mit Blick auf Start-Ups wahrgenommen", erklaerte Cornelia Yzer, Hauptgeschaeftsfuehrerin des VFA. "Dabei sind gerade etablierte Unternehmen durch ihre Investitionstaetigkeit und ihre Bereitschaft, mit kleinen innovativen Unternehmen und Grundlagenforschern zu kooperieren, ein wesentlicher Motor der Wachstumsbranche Biotechnologie in Deutschland." Mit der Gruendung von VFA Bio habe der VFA eine neue Kraft fuer die Biotechnologie geschaffen, die Entwicklungsmoeglichkeiten und politische Imperative fuer den Standort Deutschland aus dieser Gesamtsicht ableite. Derzeit engagierten sich 15 von 39 VFA-Mitgliedern in dieser Interessengruppe.

Dr. Frank Mathias, Vorsitzender von VFA Bio und Geschaeftsfuehrer der Amgen Deutschland GmbH, betonte die weit ueber oekonomische Aspekte hinausgehende Bedeutung der Biotechnologie: "Die Biotechnologie bietet schon heute neue Therapiechancen fuer schwere Krankheiten wie verschiedene Arten von Krebs, Multiple Sklerose und Stoffwechselstoerungen und ist deshalb ein Hoffnungstraeger fuer viele Patienten." Gerade deshalb sei es zu begruessen, dass Deutschland auf diesem wichtigen Gebiet "auf einem guten Weg" sei.

Innerhalb der Pharma- und Biotechindustrie sind Biopharmazeutika - also Medikamente, die mit Mitteln der Gentechnik produziert werden oder entwickelt wurden - ein Wachstumssegment, in dem auch in Deutschland von 2001 bis 2005 ueberdurchschnittliche Steigerungen von 10 Prozent pro Jahr erzielt wurden. Wichtigstes Geschaeftsfeld seien dabei die Stoffwechselerkrankungen (vor allem Diabetes), auf die mehr als ein Viertel der Umsaetze mit Biopharmazeutika entfielen; hier seien insbesondere die etablierten Unternehmen taetig. "Allerdings duerfte sich mittelfristig die Onkologie zum dominanten Therapiegebiet fuer Biopharmazeutika entwickeln", erlaeuterte Mathias. "Denn von den Biopharmazeutika in den Entwicklungspipelines der untersuchten Firmen richten sich heute 30 Prozent gegen Krebs, gefolgt von 20 Prozent zur Infektionsbekaempfung."

Die Studie zeigt ferner, in welchem Masse der Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandort Deutschland im Bereich Biotechnologie von den Investitionen der grossen forschenden Pharmaunternehmen profitiert. Nur diese Unternehmen sind in der Lage, die erforderlichen Einzelinvestitionen zu leisten, die sich auf mehr als 400 Millionen Euro pro Anlage belaufen koennen. Ein Resultat der anhaltenden Investitionstaetigkeit grosser Unternehmen in der Biotechnologie ist, dass Deutschland bei der Produktion gentechnischer Arzneimittel in so genannten Fermenteranlagen weltweit nach den USA auf Platz zwei liegt.

Im vergangenen Jahr gaben die 83 etablierten und aufstrebenden Unternehmen in Deutschland mehr als 950 Millionen Euro fuer Forschung und Entwicklung (F&E) in der Biotechnologie aus und schufen dabei insbesondere Arbeitsplaetze fuer die Forschungselite. 26.420 Beschaeftigte arbeiten in Deutschland in der Biotechnologie - darunter besonders viele Akademiker, aber auch Techniker in anspruchsvollen Ausbildungsberufen. "Um viel versprechende Substanzen weiter erforschen zu koennen, profitieren gerade die jungen Biotech-Start-Ups von Kooperationen und der Unterstuetzung der groesseren Arzneimittelunternehmen", betonte Mathias.

Nun, so Mathias, gehe es um den Ausbau der deutschen Biotechnologie. "Dieser ist von doppelter Bedeutung: Die Patienten koennen noch staerker am therapeutischen Fortschritt teilhaben, waehrend der Standort vom Wirtschaftswachstum in Verbindung mit neuen Arbeitsplaetzen profitiert. Damit Deutschland weltweit auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Wachstumssektor Biotechnologie spielt, sind allerdings weitere Reformanstrengungen notwendig." Dafuer haelt VFA Bio folgende Aenderungen an den branchenspezifischen Rahmenbedingungen fuer erforderlich:

Gesetzliche Rahmenbedingungen verbessern: Die Entwicklung innovativer Wirkstoffe ist risikoreich, teuer und vor allem langwierig: Auch bei erfolgreichen Projekten vergehen in der Regel 12 Jahre von der Idee bis zum zugelassenen Medikament. Deshalb sind Planungssicherheit und eine abgestimmte Forschungs-, Wirtschafts- und Gesundheitspolitik fuer die Arzneimittelhersteller besonders wichtig.

Zugang zu therapeutischem Fortschritt gewaehrleisten: Viele moderne Therapien und Arzneimittel sind ein Ergebnis der Biotechnologie. Dank der Forschungserfolge haben beispielsweise viele Krebspatienten deutlich bessere Ueberlebenschancen. Bei der Verordnung moderner Krebstherapeutika liegt Deutschland im europaeischen Vergleich aber lediglich im Mittelfeld. Damit Patienten in Deutschland auch kuenftig am therapeutischen Fortschritt teilhaben, sollte der Fokus der Gesundheitspolitik nicht allein auf Kosteneinsparungen liegen, sondern ebenso die Qualitaet sicherstellen.

Forschung staerker foerdern: In Schweden investieren Stiftungen und die oeffentliche Hand umgerechnet 78,30 Euro pro Einwohner in F&E in der Biomedizin. Die Forschungsgelder sind in Deutschland mit 50 Euro pro Einwohner um ein Drittel geringer. VFA Bio empfiehlt, die oeffentlichen F&E-Ausgaben zumindest auf das USA-Niveau von 60 Euro pro Kopf anzuheben. Aber finanzielle Foerderung allein reicht nicht aus, auch buerokratische Huerden muessten ueberwunden werden.

Finanzielle Rahmenbedingungen verbessern. Der Transfer von der Forschung zum marktreifen Produkt funktioniert noch nicht zufrieden stellend. Finanzierungshuerden sind ein Grund dafuer, dass die Umsetzung von Wissen in unternehmerischen Erfolg "made in Germany" noch immer zu selten gelingt: Deutsche Biotechnologieunternehmen benoetigen Wagniskapital, das Kapitalgeber bevorzugt mit Blick auf einen spaeteren Boersengang zur Verfuegung stellen.

VFA Bio vertritt die Biotechnologie im Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. (VFA), der 39 weltweit fuehrende Hersteller in Belangen der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik vertritt. VFA Bio setzt sich dafuer ein, das medizinische und wirtschaftliche Potenzial der Biotechnologie zu nutzen und Deutschland zum fuehrenden Biotechnologiestandort Europas zu machen.

Dr. Rolf Hoemke | VFA Bio
Weitere Informationen:
http://www.vfa-bio.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive