Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie belegt: Fast food macht Kinder dick

20.04.2006


Dass Hamburger, Döner, Pizza oder Fritten bereits in jungen Jahren dick machen, wird schon lange vermutet. Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Kinderernährung - einer der Universität Bonn angegliederten Einrichtung - haben nun erstmals belastbare statistische Daten für diesen Zusammenhang vorgelegt. Schon bei sechsjährigen Fast-Food-Konsumenten ist der so genannte Body-Mass-Index (BMI) demnach höher als bei Kindern, die auf Burger & Co verzichten. Der BMI berechnet sich aus Körpergröße und -gewicht; je höher der Wert, desto dicker das Kind.


Die Zahlen aus den USA sind mehr als alarmierend: Bei mehr als 30 Prozent aller 2- bis 19-Jährigen steht dort mindestens jeden zweiten Tag Fast food auf dem Speiseplan. Deutschlands Nachwuchs ist (noch) nicht so weit. Doch auch hierzulande speist bereits jeder dritte männliche Jugendliche mindestens einmal pro Woche in der Frittenbude oder dem Schnellrestaurant um die Ecke - Tendenz: steigend. Bei Mädchen ist die Zahl halb so hoch. Die Daten entstammen der so genannten DONALD-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study), die das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) seit 1985 durchführt. Rund 7.400 Ernährungsprotokolle von Kindern und Jugendlichen zwischen einem und 18 Jahren wurden für die Fast food-Untersuchung ausgewertet.

Die Auswirkung der kalorienreichen Kost ist schon heute messbar: "Jungen und Mädchen, die Fast food verzehren, haben einen höheren Body-Mass-Index als ihre Altersgenossen", erklärt Dr. Mathilde Kersting vom FKE. Der "BMI" (so die Abkürzung) zeigt an, ob ein Kind schlank, pummelig oder fett ist. Er berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, dividiert durch das Quadrat der Körpergröße. Das Ergebnis ist eindeutig und zieht sich durch alle Altersgruppen: Egal, ob die Forscher Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren oder Jugendliche zwischen 13 und 18 miteinander verglichen, fast immer war der BMI in der Fast-food-Gruppe höher, wenn auch die Differenz nicht immer signifikant war. "Die Tendenz ist aber klar", betont Dr. Kersting.


Fast food-Menüs sind wahre Kalorienbomben

Fast food ist typischerweise reich an Fett und Energie. Wahre Kalorienbomben sind die vor allem bei älteren Jugendlichen beliebten "Menüs" aus Burger und Pommes frites, die meist noch mit einem zuckersüßen Softdrink heruntergespült werden. Fast food enthält nur wenige Ballaststoffe; diese sorgen jedoch normalerweise für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl. "Hamburger-Brötchen, Fritten und Limonade haben zudem einen hohen Glykämischen Index", betont Mathilde Kersting. "Ihr Verzehr führt zu einer starken Blutzuckererhöhung, gefolgt von einer Unterzuckerung, die erneuten Hunger auslöst."

Eine Folge: Wer Fast food isst, nimmt insgesamt mehr Kalorien zu sich. "Die Mahlzeiten gelten oft als Snack für Zwischendurch; dabei kann ein Menü mehr als 1.300 Kilokalorien haben", sagt die FKE-Forscherin. "550 Kilokalorien reichen bei Zehn- bis Zwölfjährigen für eine Hauptmahlzeit völlig aus." Die Fast food-Konsumenten in der Studie nahmen denn auch je nach Alter täglich bis zu 15 Prozent mehr Kalorien zu sich als ihre Altersgenossen. Zudem ernähren sich Fast-food-Konsumenten insgesamt ungesünder: Sie essen seltener Obst und Gemüse und nehmen damit auch weniger Vitamine zu sich.

Ein Verbot von Fast food hält Kersting dennoch für wenig hilfreich, zumal es Burger, Fritten und Bratwürste erst recht attraktiv machen würde. "Wenn die Eltern ansonsten auf eine vernünftige Ernährung achten, schadet auch der wöchentliche Besuch im Schnellrestaurant nichts. Von den besonders energiereichen Fast food-Menüs ist aus unserer Sicht allerdings abzuraten!"

Kontakt:
Privatdozentin Dr. Mathilde Kersting
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
Institut an der Universität Bonn
Telefon: 0231/79-221018
E-Mail: kersting@fke-do.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: BMI Body-Mass-Index Kinderernährung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie