Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studien: Hohe Akzeptanz der neuen Wege in den Pflegeausbildungen

07.04.2006


Die Ausbildungsstrukturen und -bedingungen für die Pflegeberufe in Deutschland haben sich in jüngster Vergangenheit gravierend verändert. Die "Bundesweite Erhebung der Ausbildungsstrukturen an Altenpflegeschulen" (BEA) und die "Pflegeausbildungsstudie Deutschland" (PABiS) verdeutlichen, wie auf allen Ebenen und bundesweit große Anstrengungen unternommen werden, um den Herausforderungen moderner Pflege in Deutschland gerecht zu werden.


Mit der von der Robert Bosch Stiftung geförderten PABiS und der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanzierten BEA-Studie wurde Pionierarbeit geleistet. Die beiden Studien liefern erstmals einen umfassenden Überblick über die Strukturen und Rahmenbedingungen der Pflegeausbildungen in Deutschland.

Innovative Entwicklungen nach Neuordnung der Altenpflegeausbildung


Die BEA-Studie bringt bundesweite Erkenntnisse über die Umsetzung des Altenpflegegesetzes, das seit August 2003 in Kraft ist. Rund die Hälfte (303) der Altenpflegeschulen in Deutschland beteiligte sich an dieser Erhebung; 2.400 Datensätze aus Fragebögen an die Träger der praktischen Ausbildung wurden ausgewertet.

Fazit von Prof. Dr. Stefan Görres, Direktor des Instituts für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen, der die Studie durchgeführt hat: "Die Neuordnung der Altenpflegeausbildung durch das Altenpflegegesetz hat innovative Entwicklungen in den Altenpflegeschulen angestoßen. So wurde die Ausbildung im Wesentlichen vereinheitlicht, verbunden mit inhaltlicher Profilbildung und neuen Ausbildungskonzepten."

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Hermann Kues, unterstreicht die Bedeutung der Studie für die Entwicklung der Altenpflegeausbildung: "Diese Erhebung zeigt, daß das Altenpflegegesetz die Ausbildung auf einen klaren Modernisierungskurs gebracht hat. Vor allem das Engagement der Altenpflegeschulen und das steigende Interesse junger Menschen an der Altenpflegeausbildung belegen die hohe Akzeptanz der Neuregelungen."

Schulen nicht reformmüde - gemeinsame Pflegeausbildung wird bevorzugt

501 ausbildende Krankenhäuser und 462 Schulen der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege nahmen an der Befragung zur "Pflegeausbildungsstudie Deutschland" (PABiS) teil. Fazit von Prof. Dr. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip), und von Dr. Karl Blum, Studienleiter beim Deutschen Krankenhausinstitut e.V. (DKI), die diese Studie durchgeführt haben: "Die Novellierung des Krankenpflegegesetzes war und ist für Schulen und Krankenhäuser mit erheblichem zusätzlichem Aufwand verbunden. Dennoch kann keine Reformmüdigkeit ausgemacht werden, den meisten Pflegebildungseinrichtungen wie auch den Krankenhäusern gehen die erfolgten Reformen nicht weit genug." So sind rund 60% der Krankenhäuser der Ansicht, dass auch die Altenpflege in eine gemeinsame Pflegeausbildung einbezogen werden solle. Auch die Schulen sprechen sich in der überwiegenden Zahl für eine Zusammenführung aller drei pflegerischen Ausbildungsberufe (Kranken- Kinderkranken- und Altenpflege) aus. Positive Resonanz finden die vorgelegten Ergebnisse bei der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit, Marion Caspers-Merk: "Die PABiS-Studie zeigt uns, wo wir gegenwärtig mit der Krankenpflegeausbildung in Deutschland stehen. Dank dieser differenzierten Standortbestimmung ist es möglich, die notwendigen Weichen für die Zukunft zu stellen."

Viele Bewerberinnen - sinkende Zahl an Ausbildungsplätzen

Aus der BEA-Studie geht deutlich hervor, daß es zu wenige Ausbildungsplätze für die steigende Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern für die Altenpflegeausbildung gibt. Dazu der Parlamentarische Staatssekretär, Hermann Kues: "Ich appelliere ganz besonders an die Träger von Pflegeeinrichtungen, sich noch stärker in der Altenpflegeausbildung zu engagieren. Wir brauchen einen Ausbildungsmarkt, der attraktiv ist für zukünftige Fachkräfte. Stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen haben eine besondere betriebliche und gesellschaftliche Verantwortung für die Sicherung des Berufsnachwuchses."

Die PABiS-Ergebnisse bestätigen massive Konzentrationsprozesse bei den Ausbildungsstätten verbunden mit einer Streichung von Ausbildungsplätzen. Rund ein Drittel der deutschen Pflegebildungseinrichtungen ist in konkreter Vorbereitung auf eine Fusion mit einer oder mehreren anderen Schulen. Prof. Frank Weidner unterstreicht: "Bei einer großen Zahl der Schulen gibt es eine beträchtliche Verunsicherung. So betrachten 40% der Schulleiter die finanzielle Sicherung der Bildungseinrichtungen in Zukunft mit Skepsis."

Hoher Bedarf an Hochschulqualifizierung bei Lehrkräften

Erfreulich hoch ist den Ergebnissen von PABiS zufolge die Quote der Schulleitungen mit Hochschulausbildung; gravierend hoch stellt sich indes der Nachholbedarf für eine akademische Qualifizierung hauptamtlicher Lehrkräfte dar. Hierbei zeichnet sich ein starkes Ost-West-Gefälle ab: In den alten Bundesländern hat eine von vier Lehrkräften einen Hochschulabschluß, in den neuen Bundesländern trifft dies auf drei von vier Lehrern und Lehrerinnen zu.

Nach der BEA-Studie werden Altenpflegeschulen überwiegend von Frauen geleitet, die in der Mehrzahl über einen akademischen Abschluß verfügen. Sehr viele Lehrkräfte an den Schulen haben eine pflegerische Ausbildung und eine pädagogische Fachweiterbildung, in geringerem Umfang einen akademischen Abschluß.

Die Robert Bosch Stiftung wertet den Trend zur Akademisierung insgesamt positiv, sieht aber gleichzeitig noch eine lange Wegstrecke, bis die Hochschulqualifizierung bei Pflegelehrern den Standard darstellt.

Stephanie Hüther | idw
Weitere Informationen:
http://www.bosch-stiftung.de/pflegeausbildung
http://www.bmfsfj.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung