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Wütende Männer lieben schlechte Nachrichten

30.03.2006


Medien können Gefühle regulieren



US-Wissenschaftler von der Ohio State University haben herausgefunden, dass Männer, wenn sie wütend sind, im Gegensatz zu Frauen eher negative Nachrichten lesen. Dies gilt aber nur, wenn eine Aussicht auf Vergeltung besteht. Ergibt sich keine Gelegenheit zum Rückschlag, lesen sowohl Männer als auch Frauen lieber erfreuliche Nachrichten, um ihren Gemütszustand zu beruhigen. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Nachrichtenauswahl nicht nur von den Informationen abhängt. Wir nutzen Nachrichten, um unsere Stimmung zu regulieren", fasst Studienleiterin Silvia Knobloch-Westerwick zusammen.

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Für ihre Studie führten die Wissenschaftler zwei Experimente mit 86 Teilnehmern durch. Im ersten Versuchsaufbau wurden die Studenten vor die unmögliche Aufgabe gestellt, Fotos von verschiedenen Leuten mit jeweils neutralem Gesichtsausdruck einen Gefühlszustand zuzuordnen. Welches Gefühl die Studenten welchem Foto zuordneten, war jedoch völlig irrelevant. "Es war unmöglich, die Personen auf den Bildern mit einem Gefühl in Zusammenhang zu bringen", berichtet Knobloch-Westerwick.

Das eigentliche Experiment begann erst nach dem Foto-Test, indem bei den Teilnehmern wütende beziehungsweise sehr wütende Reaktionen ausgelöst wurden. Eine Aufsichtsperson teilte den Probanden im Anschluss an den Test mit, dass sie 45 oder 85 Prozent der Fotos falsch zugeordnet hätten und dass ihre soziale Kompetenz deshalb als ziemlich schwach oder komplett unbrauchbar eingeschätzt werden müsse. Die Hälfte der Teilnehmer hatte vor diesem überraschenden Feedback die Information erhalten, dass sie die Aufsichtsperson später benoten und eine Empfehlung abgeben sollten, ob er für den Job geeignet sei.

Im zweiten Experiment, das unmittelbar auf das erste folgte, sollten die Teilnehmer ein Online-Magazin bewerten. Die Probanden hatten sechs positive und sechs negative Nachrichten zur Auswahl und wurden aufgefordert, nur die zu lesen, die sie am meisten interessierten. Eine spezielle Software registrierte die Zeit, welche die Teilnehmer pro Artikel aufwendeten. Männer, denen vorher versprochen worden war, dass sie die Aufsichtsperson benoten durften, wählten darauf die negativen Nachrichten aus. Bei Frauen führte die Möglichkeit der Vergeltung dazu, eher positive Nachrichten zu lesen. Wurde den Probanden keine Möglichkeit zur Benotung gegeben, tendierten sowohl Männer als auch Frauen zu positiven Beiträgen.

"Gab es keine Aussicht auf Vergeltung, mussten die Teilnehmer ihre Gefühle nicht steuern. Das heißt, für die Männer gab es keinen Grund, ihre Wut weiter zu schüren und für Frauen keinen Grund, ihrem Ärger entgegen zu wirken", erklärt Knobloch-Westerwick die Ergebnisse. Jens Woelke vom Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Uni Salzburg überraschen die Ergebnisse der US-Kollegen nicht. " Das Thema emotionale Medienwirkung wird von amerikanischen Kollegen schon länger untersucht", berichtet der Kommunikations-Experte im Gespräch mit pressetext. "In einer im Jahr 2000 veröffentlichten Studie haben Zillmann und Knobloch zum Beispiel festgestellt, dass negative Nachrichten auch zu guter Stimmung führen können und umgekehrt."

Die Ergebnisse der neuen US-Studie sollte man jedoch nicht ausschließlich auf biologische Faktoren zurückführen, gibt Woelke zu bedenken. "Dass sich Männer und Frauen in gewissen Situationen unterschiedlich verhalten, liegt wohl eher an sozialen Unterschieden folgend aus der unterschiedlichen beruflichen und privaten Stellung von Männern und Frauen und den hier wirksamen Rollenbildern", so der Wissenschaftler aus Salzburg. Eine wichtige Erkenntnis sei dagegen, dass die Medien nicht nur zur Unterhaltung und Information genutzt werden, sondern auch zur Regulierung von Gefühlen.

Verena Töpper | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.osu.edu
http://www.kowi.sbg.ac.at

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