Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Flexibilität zurück zur Spitze: RUB-Studie zum Banking vorgestellt

23.03.2006


Mit Flexibilität zurück zur Spitze


Finanzmarktforum: Vom Fußball lernen
RUB-Forscher stellen Branchenstudie vor



Wie im Fußball, so im Banking: Leistungssteigerungen sind für deutsche Banken nur mit einem modernen Spielsystem möglich. Insbesondere mehr Flexibilität ist gefragt, um die Kreativitätspotenziale der Spieler - der Bankmitarbeiter - abzurufen. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Branchenstudie, die Prof. Dr. Stephan Paul vom Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der RUB (ikf) heute auf dem 5. Finanzmarktforum in Bochum vorgestellt hat.

Prominente Gäste

Auf dem Finanzmarktforum, veranstaltet vom Bochumer ikf und der Wochenzeitung "Die Zeit", diskutierte die Spitze der deutschen Kreditwirtschaft mit der des Fußballs. Zu Gast waren Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft, Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart, sowie Martin Blessing, Vorstandsmitglied der Commerzbank AG, und Joachim Strunk, Pressesprecher und WM-Koordinator der Postbank AG.

Fitness verbessern

Auch die deutsche Kreditwirtschaft scheine die schwerste Krise der Nachkriegszeit langsam zu bewältigen, doch die "Laktatwerte" deuteten darauf hin, dass ihre Fitness noch deutlich verbessert werden müsse, so Prof. Paul. Das Bochumer ikf hat gemeinsam mit dem Team "Testentwicklung" (Fakultät für Psychologie der RUB) über 1.000 Mitarbeiter von Banken und Sparkassen bundesweit online befragt. Mehr als 100 Items auf einer Skala von 0 ("stimme ich nicht zu") bis 100 ("stimme ich voll zu") beantworten die Befragten. Die daraus gezogene Stichprobe verteilt sich gleichmäßig über die Banksektoren (Großbanken, Sparkassen, Volksbanken/Raiffeisenbanken, Sonstige). Zwei Drittel der Befragten sind Sachbearbeiter und Fachkräfte, ein Drittel Führungskräfte, sie arbeiten zu zwei Dritteln im Kunden- und Produktbereich und zu einem Drittel im Stabs- und Betriebsbereich.

Positive Grundeinstellung

Die Grundeinstellung der befragten Banker sei positiv, so die Studie: Die Befragten attestieren sich selbst ein hohes Engagement, sie sehen sich selbst überwiegend in einer "offensiven Spielposition" und fühlen sich für ihre Arbeit ausreichend bezahlt. Allerdings zeigt die Studie auch deutlich, dass Banken die Kreativität ihrer Mitarbeiter wesentlich stärker als bisher nutzen müssen. Mitarbeiter beklagen signifikant, dass ihre Ideen abgebremst, nicht in die Tat umgesetzt werden und vergeben im Hinblick auf die Innovationskraft der jeweiligen Bank "erschreckend niedrige" 50 Punkte im Schnitt - die Spannbreite liegt allerdings zwischen 40 bei den Sparkassen und bis zu 74 Punkten bei den befragten Mitarbeitern der Großbanken.

Flexibler auflaufen und spielen

"Um die Kreativitätspotenziale abzurufen, ist mehr Flexibilität erforderlich", so Prof. Paul. Die Bankmitarbeiter sehen die Strukturen des Hauses in nennenswertem Maße als "verkrustet" an, beklagen die Dominanz der Bürokratie und die starke Ausprägung der Hierarchie (bei Volksbanken jeweils fast 70 Punkte). Inflexibilitäten zeigten sich insbesondere bei der Gestaltung der Arbeitszeit, so die Studie, wobei wiederum die Großbanken den Wünschen der Mitarbeiter schon am weitesten entgegen kämen.

Aufbruch durch Einbindung

Kritisch sehen die befragten Mitarbeiter auch die mangelnde Transparenz von Entscheidungen in den Kreditinstituten: Der Informationsfluss zwischen den Abteilungen wird mit über 60 Punkten als bei weitem nicht ausreichend beschrieben; die Mitarbeiter fühlen sich zu spät informiert ("erst dann, wenn die Spatzen es schon den Dächern pfeifen") und können die Entscheidungen vielfach nicht nachvollziehen. "Ohne eine entsprechende frühzeitige Einbindung und Orientierung der Mitarbeiter aber kann es auch keinen Aufbruch geben", sagt Prof. Stephan Paul.

Auf dem Platz unterfordert

"Vor allem aber zeigt sich in dramatischer Weise eine Unterforderung der Mitarbeiter." Obwohl sie die ausgeübten Tätigkeiten als "ausgesprochen interessant" bezeichnen, beklagen sie mehrheitlich: "Ich werde weit unter meinen Fähigkeiten eingesetzt." Der Wunsch nach anspruchsvolleren Aufgaben ist sehr groß, man sucht mehr Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten einzubringen. In den Augen der Mitarbeiter besitzt die eigene Weiterentwicklung im Unternehmen deshalb auch nur eine 50:50-Chance.

Modernes Spielsystem

"Im Banking wie im Fußball: Nachhaltige Performancesteigerungen sind für deutsche Banken nur mit einem moderneren Spielsystem möglich", resümierte Prof. Paul auf dem Bochumer Finanzmarktforum. "Die Spieler besitzen die dazu notwendigen Potenziale in den Bereichen Kreativität, Innovation und Initiative, aber die Barrieren, die ihrer Nutzung entgegenstehen, müssen abgebaut werden. Der Ball liegt daher bei den Bankleitungen", so Paul.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Stephan Paul, Dr. Stefan Stein, ikf, Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-25344, E-Mail: stefan.stein@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/
http://www.rub.de/aktuell/2006/03-finanzmarkt

Weitere Berichte zu: Banking Finanzmarktforum Flexibilität Großbank Sparkasse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics