Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauen wählen Fixgehalt, Männer Bezahlung nach Leistung

20.03.2006


Dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, ist nicht unbedingt Ausdruck von Diskriminierung: Vor die Wahl zwischen Fixgehalt und leistungsabhängiger Bezahlung gestellt, entscheiden sie sich weit häufiger als Männer für die feste Entlohnung, auch wenn sie ansonsten mehr verdienen könnten. Das zeigt eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit und der Universität Bonn.



Die Wissenschaftler hatten ein Laborexperiment konzipiert, an dem insgesamt 119 Männer und 121 Frauen teilnahmen. Sie sollten über einen Zeitraum von zehn Minuten Zahlenpaare miteinander multiplizieren. Zuvor konnten sie sich entscheiden, wie sie dafür entlohnt werden wollten: Entweder erhielten sie die feste Summe von sieben Euro, oder sie ließen sich pro korrekt durchgeführte Multiplikation knapp 20 Cent ausbezahlen. Alternativ konnten sie auch in einer Art Turnier gegen einen zufällig bestimmten Gegner antreten. Wer die meisten Aufgaben löste, durfte sich über 20 Euro freuen; sein Gegner ging leer aus.



"In unserem Experiment entschieden sich nur 44 Prozent aller Teilnehmerinnen für die leistungsabhängigen Bezahlungsvarianten, obwohl viele damit mehr hätten verdienen können", fasst der Bonner Ökonom Professor Dr. Armin Falk die Ergebnisse zusammen. "Bei den Männern lagt dieser Anteil dagegen bei 68 Prozent." Die Ergebnisse korrespondieren mit den statistischen Daten des sozio-ökonomischen Panels, einer Umfrage, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung jährlich durchführt. Demnach arbeiten 33 Prozent aller Frauen im öffentlichen Sektor, einem Bereich, in dem in der Regel feste (allerdings auch relativ niedrige) Gehälter gezahlt werden. Dagegen sind nur 21 Prozent aller Männer dort beschäftigt.

Falk forscht am renommierten Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und leitet zugleich an der Universität Bonn das Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung. In der Studie wollte er zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Thomas Dohmen der Frage nachgehen, welche Auswirkung die Wahl des Lohnanreizsystems auf die Zusammensetzung der Mitarbeiter haben kann. "Wir haben unsere Teilnehmer auch Experimente durchführen lassen, aus denen wir auf bestimmte Merkmale ihrer Persönlichkeit schließen konnten", erläutert der Ökonom. Dazu zählten beispielsweise Risikoaffinität, Egoismus und Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. "Männer sind beispielsweise eher als Frauen bereit, Risiken einzugehen", resümiert Thomas Dohmen. "Das zeigen unsere Ergebnisse ganz klar. Der Befund dürfte zumindest zum Teil erklären, warum Frauen eher zum sicheren Fixlohn tendieren."

Turniere locken Egoisten

Relativ viel Geld konnten diejenigen Teilnehmer verdienen, die sich für die Turniervariante entschieden: Sie wurden zufällig zu Zweierpaaren zusammengewürfelt. Wer von den beiden innerhalb von zehn Minuten mehr Aufgaben löste, bekam 20 Euro. Der andere ging dagegen leer aus. Derartige "Leistungsturniere" sind in der freien Wirtschaft nicht unüblich; zum Beispiel kann man Beförderungen als solche auffassen. Auch Fondsmanager werden oft nach einem ähnlichen Prinzip bezahlt: Wessen Fonds am erfolgreichsten lief, erhält einen Bonus, der einen erheblichen Anteil des Gehalts ausmachen kann.

Turniere locken nach den Bonner Ergebnissen vor allem "Egoisten": Die Tatsache, dass zumindest im Experiment der Gewinner alles bekam, der Verlierer dagegen nichts, bewog "mifühlendere" Teilnehmer augenscheinlich dazu, sich für eine andere Art der Entlohnung zu entscheiden. "Die Probanden, die in unserem Experiment die Turnier-Variante wählten, waren zudem vergleichsweise risikofreudig", sagt Professor Falk. "Außerdem neigten sie dazu, ihre eigenen Leistungen zu positiv einzuschätzen." Das ist auch logisch: Wer sich für den besten hält, den kann eine Turniersituation eigentlich nicht schrecken.

Die Art und Weise der Entlohnung scheint also stark darüber zu entscheiden, für welche Mitarbeiter ein Unternehmen attraktiv ist. "Wenn beispielsweise eine Bank ihre Fondsmanager nach dem Turnierprinzip entlohnt, riskiert sie, überdurchschnittlich risikofreudige Finanzexperten anzuziehen, die ihre eigene Leistung zu hoch einschätzen", erklärt Falk - für den Kunden eventuell eine gefährliche Kombination.

Die komplette Studie in englischer Sprache findet sich unter ftp://ftp.iza.org/dps/dp2001.pdf

Kontakt:
Professor Dr. Armin Falk
Universität Bonn / Institut zur Zukunft der Arbeit
Telefon: 0228/3894-112
E-Mail: Falk@iza.org

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/
http://ftp.iza.org/dps/dp2001.pdf

Weitere Berichte zu: Entlohnung Fixgehalt Wirtschaftsforschung Ökonom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise