Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mitbestimmung in IT-Firmen - Neue Studie erschienen

03.03.2006


Wie die laufenden Auseinandersetzungen um eine Betriebsratswahl bei SAP zeigen, ist Mitbestimmung in IT-Unternehmen ein brandaktuelles Thema. Wie kommt das? Hat sich bei Software-Firmen und ihren Beschäftigten etwas verändert? Die Sozialwissenschaftler Andreas Boes und Katrin Trinks (ISF München) haben über Mitbestimmung und Interessenhandeln im IT-Bereich geforscht. Ihre eben erschienene Studie wirft Licht auf die Hintergründe: wie die Branche ihre "Zeitenwende" nach dem IT-Boom verarbeitet und wie hoch qualifizierte Beschäftigte heute ihre Interessen verstehen.



"Theoretisch bin ich frei!" - so lautet der Titel einer empirischen Untersuchung von Andreas Boes und Katrin Trinks (ISF München) über Interessenhandeln und Mitbestimmung in der IT-Industrie, die eben als Buch in der edition sigma erscheinen ist. Die Sozialwissenschaftler haben in den Jahren 2003 und 2004 in sechs ausgewählten IT-Firmen Beschäftigte sowie Vertreter von Management und betrieblichen Interessenvertretungen befragt. Sie konstatieren eine "Zeitenwende" in der Branche, die mit dem Ende des IT-Booms eingesetzt hat, aber noch in vollem Gange ist. Das hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie vor allem die "Kerngruppen" der Beschäftigten, die Software-Entwickler und Berater, ihre Interessen verstehen und artikulieren.



In der Boomphase bis zum Jahre 2000 galten die Unternehmen der IT-Industrie in der öffentlichen Debatte vielfach als wegweisend für eine neue Kultur der Selbstbestimmung, die die herkömmliche kollektive Interessenvetretung überflüssig gemacht habe. Nach der New-Economy-Krise ist es um diese These stiller geworden.

Boes und Trinks zeigen: Mittlerweile stehen für IT-Beschäftigte individuelles Interessenhandeln und kollektive Interessenwahrnehmung zunehmend weniger im Widerspruch zueinander. Unverändert steht bei ihnen das Interesse an Selbstbestimmung und gemeinschaftlicher Selbstverwirklichung in der Arbeit hoch im Kurs. Aber gerade in diesem Punkt erleben sich die Beschäftigten inzwischen häufig im Konflikt mit der Shareholder-Value-Orientierung und den Kostensenkungsstrategien der Unternehmen. Dazu kommt ein gestiegenes Interesse, die "Übergriffe" der Arbeit auf das Leben zu begrenzen. Vor allem die hoch qualifizierten Beschäftigten verändern ihre Einstellung zu den Unternehmen. Sie orientieren sich stärker als früher am Leitbild des Arbeitnehmers - und suchen nach neuen Möglichkeiten, wie sie ihre Interessen artikulieren und wahren können.

Wie Andreas Boes in zwei weiteren Veröffentlichungen zeigt, ist ein wichtiges Moment der "Zeitenwende" in der IT-Industrie ein neuer Internationalisierungsschub. Im Zuge von Offshoring werden auch komplexe Tätigkeiten etwa in der Softwareentwicklung zunehmend in anderen Ländern, vor allem in Indien ausgeführt. In dem Buch "Herausforderung Offshoring" bietet Boes Material zu den aktuellen Internationalisierungsstrategien der IT-Unternehmen ebenso wie zum Stand der Offshoring-Entwicklung. Der von Andreas Boes und Michael Schwemmle herausgegebene Sammelband "Bangalore statt Böblingen?" beleuchtet wirtschaftliche und soziale Aspekte von Offshoring. Er enthält zudem eine Reihe von Beiträgen zu der Frage, wie betriebliche Interessenvertretungen und Gewerkschaften mit Offshoring umgehen.

Das ISF München ist ein unabhängiges, seit 1965 bestehendes Sozialforschungsinstitut mit gut 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und spielt eine führende Rolle auf den Gebieten der Arbeits- und Industriesoziologie.

Weitere aktuelle Texte der Verfasser zum Thema (Zeitschriften- und Sammelbandartikel) sind auf Anfrage erhältlich. Die Autoren stehen auf Wunsch für Hintergrundgespräche oder Interviews zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich bei Anfragen oder Rückfragen an die Pressestelle des ISF München: Frank Seiß, Fon 089/272921-78, Fax 089/272921-60, frank.seiss@isf-muenchen.de

Frank Seiß | idw
Weitere Informationen:
http://www.isf-muenchen.de
http://www.isf-muenchen.de/pdf/FlyerTheoretischbinichfrei.pdf
http://rayserv.upb.de/fiff/themen/IT-arbeit/Boes053

Weitere Berichte zu: IT-Firma IT-Industrie Interessenhandel Mitbestimmung Offshoring

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie