Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chemotherapie neuer Ansatz zur Behandlung von Vogelgrippe

02.03.2006


WHO soll Wissenschafter Hypothese prüfen lassen



Chemotherapie gegen eine Störung des Immunsystems könnte auch bei der Behandlung von Menschen wirksam sein, die mit der durch H5N1 verursachten Form der Vogelgrippe infiziert sind. Mit einer Sterblichkeit von 50 Prozent beim Menschen, der Möglichkeit von Resistenzen gegen antivirale Medikamente, ohne entwickelte Impfstoffe und einer weltweiten Ausbreitung der Vogelgrippe seien neue Denkansätze dringend notwendig, argumentiert ein Team des schwedischen Karolinska Institutet Ihre Argumentation wurde jetzt im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht, nur zehn Tage nach der Einreichung.



Der Onkologe Jan-Inge Henter bemerkte, dass die Symptome von mit H5N1 infizierten Patienten jenen ähnlich waren, die an einer hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH) erkrankt waren. Dabei handelt es sich um eine häufig tödliche Immunerkrankung. Tatsächlich finden sich in wissenschaftlichen Arbeiten zu H5N1-Patienten Hinweise darauf, dass zu den Symptomen auch eine schwere Überreaktion des Immunsystems gehört, die auch bei HLH-Patienten auftritt. Die Überproduktion bestimmter Botenstoffe des Immunsystems wie Interleukin-6 tritt bei H5N1-Patienten auf. Die Todesursache steht wie bei HLH häufig mit einer Sepsis und einem multiplen Organversagen in Zusammenhang.

Eine hämophagozytische Lymphohistiozytose kann mit einem Cocktail an Medikamenten behandelt werden, zu denen auch das Chemotherapiemedikament Etoposid gehört, dass überschüssige Immunzellen vernichtet. Wird die Chemotherapie sofort verabreicht, verbesserte die Behandlung die Überlebensraten von 56 auf 90 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie mit Patienten, die an der mit dem Epstein-Barr-Virus zusammenhängenden Form an HLH erkrankt waren. Laut Henter ist Etoposid bei Immunzellen ein ausgezeichneter Auslöser eines programmierten Zelltodes. "Wir glauben, dass bei Patienten mit einer schweren H5N1-Infektion die Regulierung des Immunsystems außer Kontrolle geraten ist. Wir versuchen, durch das gezielte Zerstören von Zellen wieder eine Balance herzustellen." Henter hat die WHO aufgefordert, Wissenschafter zur Erforschung dieser Hypothese anzuregen. Er argumentiert, dass mit diesem Ansatz die Arbeit mit Tiermodellen umgangen werden kann und man sich direkt auf Patienten mit H5N1 konzentrieren kann, die an HLH leiden.

Henter erklärte gegenüber New Scientist, dass Etoposid für diese Indikation zugelasssen und allgemein bekannt ist. Es werde bei Menschen mit schweren Vireninfektionen seit mehr als zehn Jahren eingesetzt. Zusätzlich stehe es allgemein zur Verfügung und sei kostengünstig. Der Wissenschafter räumt ein, dass dieser Behandlungsansatz für schwerkranke Patienten Risiken bergen könnte. Er betont jedoch, dass eine unbehandelte HLH-Erkrankung an sich bereits ein hohes Sterberisiko bedeute. Die WHO hat bis jetzt noch keine formelle Erklärung abgegeben. Nikki Shindo, der die H5N1-Arbeitsgruppe der WHO leitet, teilte New Scientist jedoch mit, dass Wissenschafter der Yüzüncü Yil Üniversitesi den Einsatz ähnlicher Medikamente während des Ausbruches der Vogelgrippe in der Türkei ebenfalls diskutiert hatten. Ende März wird die WHO Mediziner aus allen Ländern, in denen es zu Erkrankungen an Menschen gekommen ist, zu einer Diskussion der besten Behandlungsmöglichkeiten einladen.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://ki.se
http://www.thelancet.com
http://www.who.int

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Etoposid H5N1 HLH Immunsystem Medikament Vogelgrippe Who

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten