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Seetang-Produkt kämpft gegen Diabetes

24.02.2006


Pilotstudie in Australien gestartet


Braunalgen bieten die Grundlage für medizinische Kapselhüllen



Mediziner der University New South Wales haben mit einer neuartigen Mikrokapsel aus der Seetang-Substanz Alginat einen klinischen Pilotversuch zur Behandlung von Diabetes mellitus Typ I gestartet. Dazu spritzten Bernie Tuch und seine Kollegen sechs Patienten Mikrokapseln, die Insulin produzierende Inselzellen enthalten. Die Oberfläche der Mikrokapseln ist porös, so dass Nährstoffe zu den Zellen hinein und Insulin hinaus gelangen kann. Immunzellen der Körperabwehr sind jedoch für die Poren zu groß, weshalb sie die fremden Inselzellen nicht angreifen können.

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"Würden die Zellen nicht in Mikrokapseln stecken, müssten die Patienten Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken", erklärt Bernie Tuch. Damit soll verhindert werden, dass der Körper die Insulin produzierende Zellen abstößt. Erst kürzlich haben amerikanische Wissenschaftler eine Methode entwickelt, mit der sie die Körperabwehr von Affen so stark unterdrücken konnten, dass verpflanzte Schweine-Inselzellen geduldet wurden (pte berichtete: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=060222023 ). "Diese einfache Behandlung mit Alginat-Kapseln könnte das Ende von täglichen Insulin-Injektionen bedeuten", betont Tuch.

Alginat, der Stoff aus dem die Kapselhülle besteht, ist ein Polysaccharid und wird aus den Zellwänden von Braunalgen gewonnen. Dazu wird der Seetang gereinigt, getrocknet und zermahlen, bevor die Substanz extrahiert und aufgereinigt wird. In der Lebensmittelindustrie wird Alginat auch als Verdickungs- oder Geliermittel verwendet und zeichnet sich durch seine Flexibilität sowie Festigkeit aus. "Das Meer bietet ein riesiges Potenzial für neue Wirkstoffe, Kosmetika und Nahrungsmittelzusätze", betont Ulrike Lindequist, Leiterin der pharmazeutischen Biologie der Universität Greifswald, im Gespräch mit pressetext.

"Das Besondere am marinen Lebensraum ist die enorme Artenvielfalt", erklärt Lindequist die Ursache für das schlummernde Potenzial. Die Meeresorganismen müssen sich mit unterschiedlichen Druck-, Licht- und Salzverhältnissen auseinander setzen. "Deswegen produzieren marine Lebewesen andere bioaktive Substanzen als Lebewesen an Land", erläutert Lindequist im pressetext-Interview. Die Wissenschaftlerin selbst untersucht marine Organismen auf Wirkstoffpotenzial, um beispielsweise neue Antibiotika zu entwickeln.

Lisa Hartmann | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unsw.edu.au
http://www.uni-greifswald.de

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