Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Booz Allen Hamilton sieht mittelfristig jedes vierte deutsche Krankenhaus vor dem Aus

08.02.2006


Krankenhäuser für zunehmend harten Wettbewerb unzureichend gerüstet / Strategische Planung in den Kinderschuhen / Investitionsstau in Millionenhöhe / Zukunftssicherung durch Kooperationen


Der wirtschaftliche Druck auf Krankenhäuser wird sich drastisch verschärfen: Ein Gros hat bislang noch keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um im zunehmend harten Wettbewerb das Überleben zu sichern. Allein in Deutschland ist rund jede vierte Klinik innerhalb der nächsten 15 Jahre in ihrer Existenz bedroht. Dabei lassen sich in Management- und Betriebsabläufen Ansätze für eine deutliche Verbesserung der eigenen Marktposition identifizieren. Dies gilt sowohl für medizinische als auch nichtmedizinische Klinikbereiche. Zu diesem Ergebnis kommt eine europaweite Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Markante Schwächen weisen vor allem drei Bereiche auf: die strategische Führung, die Optimierung der medizinischen und administrativen Prozesse sowie die professionelle Vernetzung mit anderen medizinischen Leistungsträgern. "Die meisten Kliniken stellen keine strategische, langfristige Planung auf und verfügen damit auch nicht über eine stabile Grundlage, die eigene Situation zu verbessern", so Dr. René Perillieux, Gesundheitsexperte und Partner bei Booz Allen Hamilton. Laut Studie entwickeln nur 23% der befragten deutschen Kliniken eine Langfristplanung, die systematisch verfolgt wird. Zum Vergleich: In Frankreich sind es 67%. Alarmierend ist auch der Umgang mit den Budgets. So gibt es bei fast 60% der Häuser in Europa keine definierten Prozesse für die Budgetsteuerung. Insgesamt 41% der Kliniken geben an, überhaupt keine Mechanismen zur Kontrolle der Finanzdisziplin zu haben, in Deutschland ist es sogar knapp die Hälfte (47%).


Potenziale nicht sichtbar

Erhebliche Optimierungsmöglichkeiten zeigen sich in den medizinischen Kernbereichen sowie in der Verwaltung. Beispiel Operationssaal: 36% der Häuser weisen in den OPs Leerlaufzeiten von mehr als 20% auf. Insgesamt knapp ein Viertel (23%) erheben dazu nicht einmal Daten. In sehr gut organisierten Kliniken liegen Leerzeiten unter 10% und die Auslastungsquoten der OPs - gemessen als Anteil der Schnitt-Naht-Zeit - über 60%. Darüber hinaus spielen angesichts der europaweiten Einführung fallbasierter Vergütungen so genannte "integrierte Behandlungspfade" eine wichtige Rolle. Perillieux: "Häufige Krankheiten könnten effizienter behandelt werden, wenn eine stärkere Standardisierung der Abläufe in Diagnose, Therapie und Pflege erfolgen würde - natürlich ohne Qualitätseinbußen." Unterschiedliche Abteilungen müssten dabei enger zusammenarbeiten. Aber: Nur in knapp 40% der Häuser werden Behandlungen abteilungsübergreifend umgesetzt und dies auch nur bei maximal 5% aller Fälle.

Mit Kooperationen Qualität und Wirtschaftlichkeit sichern

Zur Sicherung der Überlebensfähigkeit sollten künftig insbesondere kleinere und mittlere Häuser Kooperationen eingehen. Dadurch lassen sich administrative und medizinische Leistungen aufteilen und Ressourcen besser auslasten. Daneben spielen Vereinbarungen mit Investoren, etwa zur Finanzierung von technischem Gerät, eine wachsende Rolle. Im Schnitt beläuft sich der derzeitige Investitionsstau bei einem Haus mit 1.000 Betten auf rund 22 Mio. Euro. Doch obwohl 97% der Kliniken angeben, mit anderen Häusern zu kooperieren, erfolgt dies nur in 21% der Fälle mit Verträgen, die Leistungsumfang und Servicequalität schriftlich fixieren. Eine erhöhte Kosteneffizienz ist nur durch strukturelle Veränderungen möglich. Dazu sollten die Krankenhäuser im Rahmen einer mittelfristigen strategischen Positionierung und Planung zunächst ihre medizinischen Schwerpunkte bestimmen. Großen Nachholbedarf gibt es darüber hinaus beim Marketing. 42 % der befragten Krankenhäuser haben keine Abteilung, die sich um die Außendarstellung kümmert, sie verlassen sich allein auf "Mundpropaganda", dabei insbesondere auf die Reputation des Personals. Doch gerade angesichts wachsender Vernetzung wird es immer wichtiger, eine bekannte Marke herauszubilden sowie das eigene Serviceangebot aktiv nach außen zu kommunizieren.

An der Studie nahmen über 80 Krankenhäuser der Akutversorgung aus sechs Ländern (Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, Österreich) teil. Sie verteilen sich ungefähr gleichmäßig auf kleinere (<500 Betten, 28%), mittlere (500-1000 Betten, 31%) und große Krankenhäuser (>1000 Betten, 41%) und waren entsprechend der Struktur in den meisten europäischen Ländern überwiegend in öffentlicher Trägerschaft (73%) und nachrangig in privater bzw. freigemeinnütziger Trägerschaft (jeweils 12%, Rest: andere). Im Rahmen der Studie wurden elf Managementbereiche in Kliniken identifiziert, anhand derer der Entwicklungsgrad der einzelnen Krankenhäuser gemessen wurde.

Mit rund 17.000 Mitarbeitern und Büros auf sechs Kontinenten zählt Booz Allen Hamilton zu den weltweit führenden Strategie- und Technologieberatungen. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner 250 aktiven Partner. Der Umsatz beläuft sich weltweit auf 3,5 Mrd. US$. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich.

Sabine Bayer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.boozallen.de

Weitere Berichte zu: OP Perillieux Technologieberatung Vernetzung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics