Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hybrid-Antriebstechnik fährt der Brennstoffzelle voraus

30.01.2006


Studie von PricewaterhouseCoopers belegt: Automobilhersteller, die den Hybridtrend ignorieren, können dauerhaft Marktanteile verlieren / Wirtschaftlichkeit versus Emotion / Toyotas Strategie zwingt Mitbewerber zu reagieren

Am Hybridantrieb führt kein Weg mehr vorbei - auch wenn die wirtschaftlichen Vorteile für den Autofahrer derzeit noch nicht gegeben sind. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie: "Wirtschaftliche Chancen alternativer Antriebstechnologien" von PricewaterhouseCoopers (PwC). Steigende Energiekosten und Verschärfungen bei den Emissionsrechten drängen die Automobilhersteller, Alternativen zum Verbrennungsmotor zu entwickeln, auch wenn die Investitionen in diese Technologie für die Unternehmen starke Belastungen bedeuten. "Die weitere Entwicklung des weltweiten Marktes für Hybridfahrzeuge ist zwar schwer abschätzbar, trotzdem müssen die Firmen das Risiko eingehen, in diese Technologie zu investieren", urteilt Franz Wagner, Leiter Automotive bei PwC. Entscheidend für den Erfolg des Hybridmotors sind laut PwC die Märkte in den USA und China. Deutsche Hersteller versuchen dort mit sauberen Dieselkonzepten Boden gut zu machen. PwC prognostiziert allerdings Vorteile für den Hybridantrieb. Wagner: "Der Diesel gilt in beiden Märkten als laut und schmutzig, während Hybridautos ein umweltfreundliches Image genießen. Außerdem ist die Versorgung in der Fläche mit hochwertigem Dieselkraftstoff unzureichend." Auch wenn aus Sicht der europäischen Automobilkonzerne derzeit wirtschaftliche Argumente für den Diesel sprechen, erlaubt der Hybridantrieb technologische Fortschritte im Bereich der Elektromotoren. Er kann so die Ausgangslage im Rennen um die Einführung der Brennstoffzelle mitentscheiden.

Emotionale Verbraucher bestimmen den Markt

Hybridfahrzeuge stoßen gerade bei amerikanischen Kunden auf Begeisterung. Laut PwC-Erhebungen wurden 2004 weltweit rund 245.000 Hybridautos verkauft. Die Käufer, die sich derzeit für Hybridfahrzeuge entscheiden, tun das nicht aus ökonomischen Erwägungen. "Derzeit kaufen die Kunden Hybridfahrzeuge aus irrationalen Gründen", sagt Franz Wagner. "Der Markt wird eher von Trends als von wirtschaftlichen Überlegungen bestimmt." Hybridautos spielen ihre Mehrkosten erst nach sechs bis zehn Jahren Betriebszeit wieder ein. Trotzdem entscheiden sich Verbraucher schon heute für diese Technik, weil sie sich als Vorreiter sehen.

PwC geht davon aus, dass bis zum Jahr 2010 der Markt für Hybridfahrzeuge bei etwas über einer Million Fahrzeuge liegen wird - das entspräche immer noch weniger als zwei Prozent der weltweiten Leichtfahrzeugproduktion. Über 70 Hybridmodelle sollen dann am Markt vertreten sein.

Wer macht das Rennen - Diesel oder Hybrid?

Ob diese Entwicklung auch langfristig Zukunft hat, hängt davon ab, ob Hybridautos auch wirtschaftlich Sinn machen. PwC prognostiziert nach dem Abebben der Vorreiterphase einen Einbruch der Verkaufszahlen. Danach werde sich entscheiden, wer das Rennen macht. Wagner: "Wenn sich das Hybridauto behaupten und es auf dem Massenmarkt schaffen will, dann muss es bessere Gründe ins Feld führen, als die emotionalen Reaktionen der Erstkäufer".

Emissionsoptimierte Dieselfahrzeuge besitzen derzeit hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses erhebliche Vorteile gegenüber dem Hybrid. Mit kurzen Amortisationszeiträumen haben Dieselmodelle in Europa einen Großteil des Marktes für große Luxuslimousinen erobert. Die Verbraucher in den USA und China sind jedoch dem Diesel gegenüber skeptisch. Schon früher war die Einführung von Dieselmodellen gescheitert, sie haben das Image, laut und schmutzig zu sein. Strengere Abgasgrenzwerte werden den Preis für Dieselfahrzeuge künftig in die Höhe treiben. Außerdem dürften technischer Fortschritt und Massenproduktion die Hybridautos billiger machen. Laut einer Studie der EU-Kommission könnte der Preis pro Kilometer bei Hybridfahrzeugen bereits im Jahre 2013 den von Dieselfahrzeugen unterschreiten. Wagner erwartet, dass "wer diesen Trend verpasst, dauerhaft Marktanteile verlieren kann, seine Wettbewerbsposition schädigt und in der Wahrnehmung der Verbraucher Schaden nimmt."

Hohe Investitionen in eine ungewisse Zukunft

Europas Autokonzerne entwickeln zwar Hybridmodelle, sie tun sich aber schwer mit der Investition. Zum einen sehen sie sich einer Ungewissheit bezüglich des zukünftigen Potenzials ausgesetzt, zum anderen können sie nicht einschätzen, in welche Art der Hybridtechnologie die Investition lohnt. Das in den USA favorisierte Vollhybridkonzept, so die PwC-Analysten, muss - aufgrund des unterschiedlichen Fahrverhaltens - nicht zwangsläufig auch in Europa das erfolgreichste sein.

Der wichtigste Grund: Nach großen Investitionen in die Entwicklung abgasoptimierter Dieselfahrzeuge ist der finanzielle Spielraum zu klein, um in ähnlichem Maß auch in die Hybridtechnologie zu investieren. Jeder Aufwand in diese Richtung führt dazu, dass andere Investitionen zurückgestellt werden. Oder er führt zu Einsparungen in anderen Feldern. Wagner: "Wer hier falsche Umverteilungen vornimmt, gefährdet seine gesamte Wettbewerbsposition."

Toyotas Rolle als Treiber

Vorreiter auf dem Gebiet der Hybridtechnologie im PKW-Markt ist Toyota. Dass der japanische Hersteller so intensiv in die Hybridsparte investiert, hat nicht zuletzt strategische Gründe. Das Unternehmen rechnet für die Amortisation wichtiger Investitionen in einem Zeitraum von 20 Jahren und nicht nur im Lebenszyklus eines einzelnen Produkts. Profit und Rendite müssen entsprechend nur sehr langfristig realisiert werden. Hier kommen die Vorteile der guten Finanzlage des japanischen Automobilkonzerns zum Tragen: Toyota rollt mit einer kostspieligen Technologie, in die kein anderer Hersteller investieren wollte oder konnte, den Markt auf. Damit kann das Unternehmen sich weiter von der Konkurrenz abheben. Wagner: "Der Vorteil für die Marke ist bereits heute ein besseres Argument als die Gewinne, die aus dem Verkauf der Hybridfahrzeuge herrühren könnten."

Zudem kann sich der Automobilkonzern so für den endgültigen Griff nach der Brennstoffzelle rüsten, was einen noch größeren Wettbewerbsvorteil verspricht. "Der Hybridantrieb kann Automobilkonzernen einen technologischen Vorsprung in der Entwicklung der Brennstoffzelle verschaffen," sagt Wagner. "Toyota will einen Massenmarkt für Hybridautos entwickeln, um später über eine entsprechend große Kundschaft für Brennstoffzellenfahrzeuge zu verfügen." So könnte der Hybrid eine Doppelrolle einnehmen: Er rettet den Verbrennungsmotor durch verringerte Emissionen, geringeren Verbrauch und mehr Fahrspaß. Nebenbei bereitet er den Weg für die Brennstoffzelle der Zukunft.

Die Studie "Wirtschaftliche Chancen alternativer Antriebstechnologien" können Sie unter Maren.Goldenbogen@de.pwc.com bestellen.

Franz Wagner | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics