Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Phase der Globalisierung stellt Firmenchefs vor neue Herausforderungen

25.01.2006


Global CEO Survey von PwC zeigt: Suche nach neuen Kunden verdrängt Kostenreduzierung als Motor der Globalisierung / China attraktivster Wachstumsmarkt / Reduzierung von Komplexität Ziel vieler internationaler Firmen


Die zweite Phase der Globalisierung hat die Geschäftsstrategien internationaler Unternehmen und ihrer Chief Executive Officers (CEOs) verändert: Waren bislang vor allem geringe Personal- und Produktionskosten der wichtigste Grund für den Gang ins Ausland, ist heute insbesondere die Gewinnung von Neukunden im Fokus der Firmenlenker. Dies ist ein Ergebnis des "Global CEO Survey" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), der gestern abend auf dem World Economic Forum in Davos vorgestellt wurde. An der Befragung nahmen mehr als 1.400 Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer in Europa, Nord- und Südamerika, dem asiatisch-pazifischen Raum und Afrika teil.

Laut der PwC-Umfrage wollen 78 Prozent der befragten Vorstände aus Industrieländern in den Wachstumsmärkten Brasilien, Russland, Indien und China vornehmlich Neukunden gewinnen; nur 48 Prozent sind nach wie vor hauptsächlich an der Einsparung von Kosten interessiert. Wolfgang Wagner, Vorsitzender der europäischen Führungsebene von PwC, präzisiert: "Obwohl diese Ansicht noch weit verbreitet ist, produzieren Firmen nicht mehr nur aus Kostengründen im Ausland. Stattdessen wollen sie sich den Zugang zu neuen Kunden erschließen und die optimale Betreuung der bereits gewonnenen Kunden vor Ort gewährleisten." Der Vorteil für die Kunden weltweit liege auf der Hand, denn sie könnten zukünftig die besten Produkte zu den besten Preisen bekommen, unabhängig vom Heimatland des Herstellers. "Das in den neuen Märkten generierte Wachstum kommt dabei auch dem Wirtschaftswachstum in den Heimatländern der Hersteller zu gute, wie der deutsche Exportrekord zeigt", so Wolfgang Wagner.


BRIC-Länder: CEOs sehen Wachstumschancen, aber auch Konkurrenz

Brasilien, Russland, Indien und China, die so genannten BRIC-Länder, bieten das größte Potenzial für die Geschäftsentwicklung. So planen 71 Prozent der befragten CEOs, in den kommenden drei Jahren in mindestens einem dieser Länder aktiv zu sein. Bevorzugtes Ziel unter den BRIC-Ländern ist China - rund 55 Prozent der Firmenchefs planen dort im nächsten Jahr Geschäftsaktivitäten und Investitionen. Nach Einschätzung von 78 Prozent der Befragten bietet China die besten Absatzchancen, danach folgen Indien (64 Prozent), Russland (48 Prozent) und Brasilien (46 Prozent). Gleichzeitig erkennen die CEOs aber auch die zunehmende Konkurrenz aus diesen Ländern; China und Indien werden als größte Konkurrenten empfunden. Wolfgang Wagner gibt zu bedenken: "Die BRIC-Länder, die bisher vor allem aus Gründen der Kostenersparnis geschätzt wurden, zeigen bedeutende Wachstumschancen sowohl für multinationale Konzerne als auch für lokal angesiedelte Firmen. Damit erzeugen sie aber auch eine neue Gruppe von ernst zu nehmenden Wettbewerbern." Wie die PwC-Studie zeigt, sind dennoch etwa zwei Drittel der Befragten zuversichtlich, dass sich die Globalisierung in den nächsten drei Jahren auch weiterhin positiv auf ihre Geschäfte auswirkt.

Firmenchefs sehen steigende Komplexität als große Herausforderung

Die Globalisierung schafft Wachstumspotenziale, steigert aber auch die Komplexität der Abläufe in einem Unternehmen. Diese immer komplexeren Abläufe erfolgreich zu organisieren, wenn sie den Wert des Unternehmens steigern, oder sie zu reduzieren, wenn sie zu Wertverlust führen, hat für 80 Prozent der befragten CEOs oberste Priorität. Dabei sahen 84 Prozent der Firmenlenker besonders im Bereich der Informationstechnologie Handlungsbedarf und arbeiten bereits an entsprechenden Maßnahmen. An zweiter Position dieser Rangliste sehen die Firmenchefs Organisationsstrukturen (79 Prozent), gefolgt von Finanzberichterstattung und -kontrolle sowie Kundenbetreuung (je 69 Prozent).

Mehr als drei Viertel der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Abläufe und Strukturen in ihrer Firma komplexer sind als drei Jahre zuvor. Dabei sind die wichtigsten Gründe für die gestiegene Komplexität nach Ansicht von je 65 Prozent der befragten Firmenchefs zum einen der Gang ins Ausland und zum anderen M&A-Aktivitäten. 58 Prozent der Befragten betrachten die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen als Ursache immer komplexerer Unternehmensabläufe und -strukturen. Von den deutschen Vorständen sahen 56 Prozent außerdem die neuen internationalen Rechnungslegungsvorschriften als Ursache der gestiegenen Komplexität an. Geeignete Mitarbeiter bilden dabei nach Ansicht von 55 Prozent der Befragten die wichtigste Voraussetzung dafür, die neuen Herausforderungen zu meistern. Gleichzeitig sehen sie hier aber auch ihre größten Defizite: nur 17 Prozent der CEOs halten ihre Unternehmen in diesem Bereich für sehr gut aufgestellt.

Überregulierung weiterhin größte Hürde für internationale Unternehmen

Wie in den Vorjahren sehen die Firmenlenker die Überregulierung als größtes Wachstumshindernis für ihre Unternehmen. Diese Meinung teilen 64 Prozent der Vorstände. Auch Protektionismus und Handelsbeschränkungen (63 Prozent) sowie politische Instabilität (57 Prozent) sind nach Einschätzung der befragten CEOs Hürden auf dem Weg zum globalen Wachstum. Dagegen sehen weniger als die Hälfte der Befragten den internationalen Terrorismus als Gefahr für ihre Globalisierungspläne. "Insgesamt schätzen die Umfrageteilnehmer aber die Vorteile der Globalisierung höher ein als ihre Risiken", resümiert Wagner. So seien 88 Prozent der befragten CEOs davon überzeugt, neue Produkte und Dienstleistungen profitabel im Ausland vermarkten zu können.

Deutsche CEOs loben positiven Einfluss der Globalisierung aufs Geschäft

Die europäischen Vorstände sehen sich, gerade was den Gang ins Ausland betrifft, hervorragend positioniert: 93 Prozent der europäischen CEOs glauben, dass sie durch ihre langjährige Erfahrung in der grenzüberschreitenden Arbeit einen Wettbewerbsvorteil haben. "Sie sind seit langem an diese Art der Komplexität gewöhnt und haben entsprechende Strategien entwickelt", bestätigt Wolfgang Wagner.

Deutsche Vorstände sind dabei sogar noch optimistischer als ihre europäischen Kollegen: 25 Prozent der deutschen Vorstandsvorsitzenden sehen den Einfluss der Globalisierung auf ihr Unternehmen in den letzten drei Jahren als sehr positiv an. Im europäischen Durchschnitt trafen dagegen nur 13 Prozent eine so positive Einschätzung.

Zur Umfrage

Die neunte Studie dieser Serie trägt den Titel Globalisation and Complexity: Inevitable Forces in a Changing Economy. Insgesamt haben weltweit 1.410 CEOs aus 45 Ländern an der Befragung teilgenommen (463 aus Europa, 187 aus den USA, 58 aus Kanada, 14 aus Mexiko, 301 aus Südamerika, 331 aus dem asiatisch-pazifischen Raum und 56 aus dem Nahen Osten und Afrika). 68 Prozent der befragten CEOs repräsentieren Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, dem Vertrieb und dem Handel, 17 Prozent kommen aus der Finanzdienstleistungsbranche, 14 Prozent vertreten Technologie- und Medienunternehmen.

Den aktuellen "Global CEO Survey" von PwC können Sie kostenfrei im pdf-Format herunterladen unter: www.pwc.com/globalceosurvey

Wolfgang Wagner | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

Weitere Berichte zu: CEO Firmenchef Globalisierung Komplexität PwC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten