Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Digitales Fernsehen treibt Durchbruch der Digitalisierung in Europa

23.01.2006


Schaffung von 100.000 neuen Arbeitsplätzen / DTV wird Breitband-Internet bis 2010 überholen / Infrastruktur-Wettbewerb wesentlicher Katalysator für die Marktentwicklung / Investitionen von 100 Mrd. Euro erwartet / Funktionierender Wettbewerb als Voraussetzung

Der Markt für digitale Angebote in Europa steht 2006 vor dem Durchbruch. Digitales TV (DTV) wird bis 2010 in 60% der europäischen Haushalte verfügbar sein und dort Konsumenten den Zugang zu neuen, auch interaktiven, Diensten ermöglichen. Damit löst DTV das breitbandige Internet als Haupttreiber der europäischen Digitalisierung ab. Als Folge sind kumulierte Investitionen der Industrie in Höhe von rund 100 Mrd. Euro zu erwarten sowie die Schaffung von 100.000 neuen Arbeitsplätzen - das Gros bei Infrastrukturanbietern. Allein rund 35 Mrd. Euro fließen voraussichtlich in die Programmgestaltung. Davon profitieren auch lokale Inhalteanbieter. Diese wirtschaftlichen Effekte entfalten sich jedoch nur dann voll, wenn hier echter Wettbewerb sichergestellt ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Mit DTV erhält der Kampf um den Konvergenzmarkt, in dem Angebote für Internet, Telefonie und TV zunehmend zusammenwachsen, eine neue Qualität. Nur der gewinnt langfristig, der dem Verbraucher zuerst das so genannte "triple play" bietet, d.h. Zugang zu allen drei Diensten aus einer Hand und das zu guten Konditionen. Technisch verfügen Kabelnetzbetreiber und Telekommunikationsanbieter inzwischen über die dafür notwendigen Voraussetzungen. Nachdem Kabel-TV-Anbieter bereits seit längerem Internetdienste und Telefonie offerieren, drängen nun auch immer mehr Telekommunikationsanbieter in den Fernsehmarkt. Der Wettbewerb wird sich weiter intensivieren - allerdings mit ungleichen Kräfteverhältnissen.

Größe wird zum zentralen Wettbewerbsfaktor

Eine wichtige Rolle im bevorstehenden Wettbewerb spielen hohe Investitionen - etwa für den Auf- oder Ausbau des Netzes, für neue digitale Inhalte und nicht zuletzt für Marketing und Vertrieb. Marktteilnehmer mit besserem Zugang zu Finanzmitteln und einer hohen Anzahl an Kunden genießen signifikante Wettbewerbsvorteile. Für sie liegen die Investitionskosten pro Person deutlich niedriger. Größe und finanzielle Stärke werden damit zu immer wichtigeren Erfolgsfaktoren im Wettbewerb.

Ein Vergleich der Kenngrößen beider konkurrierenden Industrien verdeutlicht: Telekommunikationsunternehmen befinden sich in einer privilegierten Startposition. Je Land liegen die Umsätze der einzelnen führenden Telekommunikationsanbieter um das mindestens siebenfache höher als die gesamten Umsätze der Kabelindustrie dieser Länder. Europäische Telekommunikationsanbieter verfügen zudem über einen Kundenstamm in einer Größenordnung von rund 151 Mio. Im Vergleich dazu liegen Kabelnetzbetreiber mit rund 51 Mio. Kunden weit zurück. Ein funktionierender Wettbewerb erfordert daher, dass Kabelnetzbetreiber die notwendige Größe erreichen, um im Konvergenzmarkt ein ernsthaftes Gegengewicht zu den Telekommunikationsanbietern zu bilden. Thomas Künstner, der für die Studie verantwortliche Geschäftsführer von Booz Allen Hamilton: "Der Konsolidierungsdruck in der europäischen Kabel-TV-Industrie wird weiter zunehmen. Wie das Beispiel von Virgin Mobile mit dem führenden britischen Kabel TV-Anbieter ntl/Telewest zeigt, sind auch Fusionen über die traditionellen Industriegrenzen hinaus zu erwarten." Die zukünftige Marktentwicklung wird im wesentlichen von drei Faktoren getrieben: Dem regulatorischen Umfeld, der Struktur des Wettbewerbs und dem Konsumentenverhalten. Insbesondere das regulative Umfeld erweist sich als wichtiger Katalysator oder auch Bremse der Marktentwicklung. Stimmen die Rahmenbedingungen nicht, können bei einem ungünstigen Marktverlauf die akkumulierten Investitionen um über 40% auf rund 59 Mrd. Euro sinken. "Die Entstehung von rund 90.000 der möglichen 100.000 Jobs würde dadurch wesentlich verzögert oder gar verhindert", so Künstner.

Daraus ergeben sich vier zentrale Handlungsfelder für Regulierer:

1.) In der Vergangenheit haben sich Regulierer stark auf Breitband fokussiert, um positive wirtschaftliche Effekte der Digitalisierung zu erzielen. In Zukunft sollte die Förderung der Digital-TV-Entwicklung gleichgewichtig betrieben werden.

2.) Um Wettbewerb zu ermöglichen ist eine ausbalancierte Marktstruktur zwischen TV, Breitband und Telefoniemärkten von großer Bedeutung. Die Konvergenz dieser drei Märkte bei regulativen Entscheidungen ist gefordert, d.h. dass die darin aktiven Marktteilnehmer als ein gemeinsames Umfeld betrachtet werden sollten.

3.) Es muss ein Ausgleich geschaffen werden, zwischen einerseits kurzfristigen Verbraucherinteressen wie niedrigen Preisen und andererseits langfristigen Effekten wie Investitionen, Wachstum sowie Beschäftigungsimpulsen. Eine solche Balance ist nur möglich, wenn alle Dienste (TV, Breitband, Telefonie), verschiedene Infrastrukturen für Distribution (Kabel, DSL, Satellit, terrestrisch), die Wertschöpfungsketten (Verhältnis Content/Distribution) sowie die neu entstehenden Interdependenzen bei regulativen Entscheidungen umfassend berücksichtigt werden. Restriktionen bei Preisregulierung oder Netzzugang sollten langfristiges Wachstum nicht behindern.

4.) In Zukunft sollte der Regulierungsfokus stärker auf Infrastrukturwettbewerb zielen, anstatt wie bisher vorwiegend den Wettbewerb auf Ebene der Dienste zu fördern. Infrastrukturbasierter Wettbewerb führt zu höheren Investitionen, beschleunigter technischer Innovation und Verbreitung der Dienste sowie zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen.

Eine Zusammenfassung der Studie "The Future Role of Cable in Shaping the Digital Home in Europe" ist unter www.boozallen.de abrufbar.

Mit rund 17.000 Mitarbeitern und Büros auf sechs Kontinenten zählt Booz Allen Hamilton zu den weltweit führenden Strategie- und Technologieberatungen. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner 250 aktiven Partner. Der Umsatz beläuft sich weltweit auf 3,5 Mrd. US$. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich.

Sabine Bayer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.boozallen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops