Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktionspaket Stromeffizienz für Haushalts- und Bürogeräte: 20 Prozent Einsparung möglich

23.01.2006


Bei Haushalts- und Bürogeräten lassen bis zum Jahr 2010 rund 20 Prozent Strom einsparen. Das entspricht rund 7 Prozent des gesamten Nettostromverbrauchs in Deutschland. Zur Erschließung dieser Einsparpotenziale ist die Verknüpfung verschiedener Politikinstrumente zu einem Aktionspaket Stromeffizienz notwendig. Die Umsetzung könnte über einen Energieeffizienzfond für Deutschland finanziert werden.



Das ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg entwickelte im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) ein Aktionspaket zur Steigerung der Stromeffizienz bei Elektrogeräten und -anlagen auf bundespolitischer Ebene. Betrachtet wurden die Anwendungssektoren "private Haushalte" und "Gewerbe, Handel, Dienstleistungen". Die Studie wurde mit Unterstützung des Wuppertal Instituts und ebök/Tübingen durchgeführt.



Grundlage für die Untersuchung waren die Erkenntnisse aus einer Vorgängerstudie, wonach rund ein Drittel des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland in diesen Sektoren erfolgt, mit dem Einsatz effizienterer Technik hier jedoch rund 20 Prozent bis zum Jahr 2010 eingespart werden könnten. Das entspricht 25 Millionen Tonnen Kohlendioxid gegenüber der Trendentwicklung bis 2010 und rund sieben Prozent des gesamten Nettostromverbrauchs in Deutschlands im Jahr 2001. Die Erschließung dieser Einsparpotenziale hätte daher auch Auswirkungen auf die Planungen der umfangreich anstehenden Kraftwerkserneuerungen.

Ziel der Studie war es, konkrete Politikinstrumente vorzuschlagen, die zur Realisierung dieser Stromsparpotenziale beitragen können. Die Analysen bestehender Politikinstrumente zeigten, dass es keinen "Königsweg" gibt, um zu Effizienzsteigerungen bei Elektrogeräten und -anlagen zu gelangen. Dazu sind die betroffenen Techniken, Zielgruppen und Hemmnisse innerhalb der betrachteten Sektoren zu unterschiedlich. Dem deshalb gewählten Multi-Policy-Ansatz liegt die Erfahrung zugrunde, dass erst die Verknüpfung und Abstimmung verschiedener Politikinstrumente zu "Instrumentenpaketen", die jeweils gezielt die verschiedenen Hemmnisebenen ansprechen, optimale Voraussetzungen für eine Zielerreichung schafft. Deshalb wurde ein umfangreiches "Aktionspaket Stromeffizienz" zusammengestellt, das die folgenden Inhalte und Grundsätze berücksichtigt:

1. Eine übergreifende Politiksteuerung mit politischen Zielsetzungen und einem begleitenden Monitoring ist zur Forcierung der Stromeffizienz notwendig.

2. Querschnittsinstrumente sollen einen Rahmen zur Stärkung der Energieeffizienz bei der Stromanwendung für alle Zielgruppen bieten. Hierzu zählen unter anderem bestehende Institutionen wie die Deutsche Energieagentur (dena), aber auch die Einrichtung neuer Strukturen wie eines Energieeffizienzfonds.

3. Ergänzend müssen zielgruppenspezifische Instrumente zum Einsatz gelangen, die jeweils dort vorherrschende, spezifische Hemmnisse zu überwinden helfen. Diese zielen nicht ausschließlich auf einen effizienteren Stromeinsatz ab, sondern bereiten vielfach allgemein die Basis, um verstärkt Energieeffizienz zu ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel ein Förderprogramm zum "Contracting-Coaching" im Gewerbe oder die Einführung von informativeren Stromrechnungen für private Haushalte.

4. Schließlich sind technikspezifische Instrumentenpakete notwendig, die jeweils gezielt auf die Hemmnisse und Chancen einer bestimmten Stromanwendungstechnik einwirken. Dazu gehören Produktkennzeichnungssysteme für Bürogeräte wie das "GEEA-"Label und der "Energy-Star" sowie freiwillige oder gesetzliche Mindesteffizienzstandards. Insbesondere diese Instrumente bedürfen der internationalen Abstimmung, um den Hersteller- und Handelsstrukturen Rechnung zu tragen.

Als wichtiger Baustein in diesem "Aktionspaket" wurde ein Energiesparfonds empfohlen. Der Fonds soll durch die Finanzierung sehr gezielter Programme dazu dienen, den Informations-, Beratungs- und Investitionsaufwand für effiziente Produkte und Dienstleistungen bei den Stromanwendern zu verringern. Zudem tragen seine Programme dazu bei, Angebote im Energiedienstleistungsbereich zu standardisieren und dadurch die Kosten weiter zu senken. Für den Energieeffizienzfond wurde ein jährliches Finanzvolumen von mindestens 330 Millionen Euro vorgeschlagen. Über den Fond sollen Effizienzprogramme ausgeschrieben werden, um deren Umsetzung sich Handwerk, Handel, Energieversorgung, Hersteller, Anbieter von Verbraucher- und Energieberatungen oder bestehende Energieagenturen bewerben können. Beispielsweise soll der Fonds Markteinführungsprogramme für A+/A++-Kühlgeräte und hocheffiziente Heizungspumpen ermöglichen.

Die Ergebnisse der Studie "Politikinstrumente zum Klimaschutz durch Effizienzsteigerung von Elektrogeräten und -anlagen in den Privathaushalten, Büros und im Kleinverbrauch" bieten Hilfestellungen, die aktuell auf europäischer Ebene diskutierte Richtlinie zur Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (EDL) auf nationaler Ebene umzusetzen. Mit der EDL-Richtlinie wird unter anderem die Aufstellung so genannter Energieeffizienz-Aktionspläne bis zum Jahr 2007 gefordert.

Weitere Informationen:
Markus Duscha, Fachbereichsleiter Energie
ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3, 69120 Heidelberg
Tel: 06221/4767-18
Email: markus.duscha@ifeu.de

Elke Dünnhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifeu.de
http://www.ifeu.org/index.php?bereich=ene&seite=ubastrom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie