Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Malaria entsteht auch im Immunsystem

23.01.2006


Parasiten können sich nicht nur in der Leber weiterentwickeln



Malariaparasiten entwickeln sich auch in den Lymphknoten des Immunsystems. Zu diesem unerwarteten Ergebnis ist eine Studie des Institut Pasteur gekommen. Damit sei laut den Wissenschaftern bewiesen, wie komplex eine Malariainfektion sein kann. Es ist bekannt, dass die noch unreifen Parasiten in die Leber einer infizierten Person gelangen. Bisher wurde angenommen, dass es sich dabei um den einzigen Ort handelte, an dem sie sich entwickeln können. Die Wissenschafter hoffen, dass ihre Forschungsergebnisse zur Entwicklung besserer Impfstoffe beitragen können, die die Parasiten erreichen bevor sie in die Leber gelangen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht.

... mehr zu:
»Immunsystem »Lymphknoten »Parasit


Die Forscher infizierten Moskitos mit Plasmodien, die mit einer fluoreszierenden Markierung versehen waren. Anschließend erlaubten sie den Moskitos eine Maus zu stechen. Bei jedem Stich fand das Team durchschnittlich 20 fluoreszierende Parasiten in der Haut des Tieres. Die Parasiten bewegten sich in der Folge mit großer Geschwindigkeit auf einer zufälligen und verschlungenen Route durch die Haut. Nachdem sie die Haut verlassen hatten, befielen die Parasiten die Blutgefäße. Rund 25 Prozent der Parasiten befielen die Lymphgefäße des Immunsystems und verblieben in den Lymphknoten, die der Stelle an der sie gestochen hatten am nächsten lagen. Ihre Wanderung schien hier zu enden, da die Malariaparasiten fast nie in weiter entfernten Lymphknoten nachgewiesen werden konnten.

Innerhalb von vier Stunden nach dem Stechen der Moskitos erschienen viele der Parasiten in den Lymphknoten geschwächt zu sein. Zusätzlich kam es zu Reaktionen mit wichtigen Immunzellen. Das legt nahe, dass die Immunzellen die Parasiten zerstörten. Eine geringe Anzahl der Parasiten entkam jedoch der Zerstörung und begann sich in jede Form zu entwickeln, die normalerweise nur in der Leber vorkommt. 52 Stunden nach dem Insektenstich verblieben keine Parasiten in den Lymphknoten. Die Forscher folgerten daraus, dass eine vollständige Entwicklung in den Lymphknoten nicht möglich ist. Der leitende Wissenschafter Robert Ménard erklärte, dass nur voll entwickelte Parasiten die roten Blutkörperchen infizieren und Malaria verursachen können. Daher sei es denkbar, dass die Parasiten in den Lymphknoten zum Auftreten der Malariasymptome nichts beitragen. Aber auch teilweise entwickelte oder zerstörte Parasiten könnten die Reaktionen des Immunsystems auf eine Infektion deutlich beeinflussen.

Die Parasiten, die sich in den Lymphknoten entwickeln, könnten den Körper über das Vorhandensein eines Eindringlings informieren und so eine schützende Immunreaktion auslösen. Alternativ wäre es denkbar, dass ihre Präsenz den Körper gegen Parasiten unempfindlicher macht und so die Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion abstumpft. Es überraschte die Wissenschafter, dass manche Parasiten bis zu sieben Stunden in der Haut der Mäuse verblieben. Damit würde es denkbar, dass sie so eine zweite Infektionswelle auslösten. Brian Greenwood von der London School of Hygiene and Tropical Medicine erklärte laut der BBC, dass man bisher davon ausgegangen war, dass die Folgen des Insektenstiches zu gering seien um eine Immunreaktion auszulösen. Eine entsprechende Reaktion wurde erst zu Beginn der Vermehrung der Parasiten in der Leber angenommen.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.pasteur.fr
http://www.nature.com/nm

Weitere Berichte zu: Immunsystem Lymphknoten Parasit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften