Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jungen Biotechnologie-Unternehmen im Ruhrgebiet fehlt Dynamik

19.01.2006


Junge Biotechnologie-Unternehmen aus dem Ruhrgebiet schneiden im bundesweiten Vergleich schlecht ab. Es gibt zu wenige Unternehmen mit hohem Wachstums- und Innovationspotenzial und es werden überdurchschnittlich viele insolvent. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie des RWI Essen in Kooperation mit dem ZEW Mannheim zu Biotechnologie-Gründungen im Ruhrgebiet im Zeitraum von 1995 bis 2003. Erfreuliches zeigt sich jedoch mit Blick auf die übrigen Biotechnologie-Regionen in NRW: Sie schneiden vergleichsweise gut ab und gehören teilweise mit zur deutschen Spitze.



Das Ruhrgebiet hat vergleichsweise wenig junge Biotechnologieunternehmen. Die Unternehmen weisen zudem ein unterdurchschnittliches Wachstums- und Innovationspotenzial auf. Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie des RWI Essen in Kooperation mit dem ZEW Mannheim. Die übrigen sechs nordrhein-westfälischen Bio-Regionen Köln, Aachen, Bonn, Düsseldorf, Münsteraner Land und Ostwestfalen-Lippe schneiden dagegen gut ab, wobei die Kölner und Aachener Region zu den stärksten in Deutschland gehören.



Datenquelle der Untersuchung waren das ZEW-Gründungspanel sowie Daten aus eigenen Recherchen von RWI Essen und ZEW. Der Datensatz umfasst 832 zwischen 1995 und 2003 gegründete Biotechnologie-Unternehmen, denen insgesamt 1.877 Gründer angehörten. Etwa drei Viertel der Gründer engagierten sich in Unternehmen in einer der bundesweit 27 Bio-Regionen. Sieben dieser Bio-Regionen befinden sich in NRW, eine hiervon ist das Ruhrgebiet. Spitzenreiter bei der Anzahl der Biotechnologie-Gründer ist die Region BioM (München) mit 199 Gründern, das Ruhrgebiet belegt mit 52 Gründern unter allen Bio-Regionen den zehnten Platz und befindet sich damit im oberen Mittelfeld. Nur einer von zehn Biotechnologie-Gründern im Ruhrgebiet wanderte zu. Damit belegt das Ruhrgebiet bundesweit den vorletzten Platz und ist für Gründungswillige aus anderen Regionen offenbar nur wenig attraktiv.

Unternehmen im Ruhrgebiet finanzieren sich nicht mit Risikokapital

Auch die Finanzierung der jungen Biotechnologie-Unternehmen im Ruhrgebiet lässt Anzeichen für ein hohes Wachstums- und Innovationspotenzial vermissen. Als ein solches gilt die Verwendung von Risikokapital, einer Finanzierungsform für Unternehmen mit hohen Renditeaussichten bei gleichzeitiger hoher Unsicherheit des Unternehmenserfolgs. Während bundesweit jedes fünfte zwischen 1995 und 2003 gegründete Biotechnologie-Unternehmen durch Risikokapital finanziert wurde, traf dies auf keine der identifizierten Biotechnologie-Gründungen im Ruhrgebiet zu. Die NRW-Bio-Regionen im Aachener und Kölner Raum lagen mit Risikokapital-Anteilen von 40 beziehungsweise 28 Prozent hingegen bundesweit auf den Plätzen vier und fünf.

Im Rahmen der Studie wurden auch die Perspektiven der Biotechnologie-Unternehmen untersucht, insbesondere der Anteil insolventer Unternehmen sowie die durchschnittliche Mitarbeiterzahl beziehungsweise deren Veränderung. Hierzu wurden die im Datensatz enthaltenen 376 Unternehmensgründungen zwischen 1995 und 1998 betrachtet. Von den 14 Ruhrgebietsunternehmen waren 5 insolvent. Prozentual betrachtet ist dies weit mehr als der Bundesdurchschnitt, der im Mittel 22 Prozent beträgt. Zudem belegt das Ruhrgebiet bei der durchschnittlichen Zahl der Mitarbeiter mit knapp neun wiederum den vorletzten Platz. Die untersuchten Ruhrgebietsunternehmen sind darüber hinaus seit ihrer Gründung - im Durchschnitt betrachtet - deutlich geschrumpft. Die Biotechnologie-Branche schafft damit im Ruhrgebiet weniger Beschäftigung als an anderen Standorten, wie beispielsweise in den drei NRW-Bio-Regionen Köln, Aachen und Münster. Diese verfügen der Studie nach über ein überdurchschnittliches Wachstums- und Innovationspotenzial.

Beste Voraussetzung für die erfolgreiche Ansiedlung der modernen Biotechnologie-Industrie in einer Region ist aus Sicht der Wissenschaft vor allem eine exzellente Forschungsinfrastruktur, die genügend potenzielle Gründer hervorbringt beziehungsweise anlockt. Es wird empfohlen, Regionen mit entsprechenden Voraussetzungen gezielt weiter auszubauen.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Dirk Engel Tel.: (0201) 8149-245
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de
http://www.rwi-essen.de/mat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie