Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steuererhöhungen treiben Inflationsrate über zwei Prozent - Analyse im neuen IMK-Report

11.01.2006


Staatliche Gebührenanhebungen und höhere indirekte Steuern halten die Teuerungsrate in der Europäischen Währungsunion (EWU) oberhalb von zwei Prozent. Regierungen im Euroraum tragen unter dem Druck des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes somit wesentlich dazu bei, dass die Inflationsvorgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) überschritten wird und die EZB mit einer zu restriktiven Geldpolitik darauf reagiert. Dagegen sind Lohnsteigerungen und die marktbestimmte Kerninflationsrate der Verbraucherpreise auf ein sehr niedriges Niveau gesunken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Sie erscheint am heutigen Mittwoch im IMK-Report 1/2006.



In den vergangenen Jahren sind immer mehr Euro-Länder durch anhaltende wirtschaftliche Stagnation mit den Defizitgrenzen des Stabilitäts- und Wachstumspaktes in Konflikt geraten. Wie die Analyse zeigt, hoben sie zur Defizitminderung indirekte Steuern an - zum Beispiel auf Tabak- und Mineralölprodukte, aber auch die Mehrwertsteuer. Ferner erhöhten sie Gebühren oder strichen Subventionen.

... mehr zu:
»EZB »Euroraum »IMK »IMK-Report »Inflationsrate


In Deutschland und anderen EWU-Ländern hat dieses "Tax Push" genannte Phänomen die gemessene Preissteigerung deutlich beschleunigt. So lag 2004 die Inflationsrate im Euroraum bei 2,1 Prozent. Die staatliche Preispolitik trug dazu nach der Studie des IMK 0,7 Prozentpunkte bei. In der Bundesrepublik machte der Tax Push 2004 sogar einen ganzen Prozentpunkt aus - mehr als die Hälfte der insgesamt 1,8 Prozent Teuerungsrate. Bereinigt um die staatlichen Preiseinflüsse lag die Inflationsrate für den Euroraum seit 2002 fast immer unterhalb des EZB-Inflationsziels von knapp zwei Prozent. Eine wirkliche Inflationsgefahr bestehe damit nicht, so das IMK. Die EZB lasse diese Verzerrung bei ihrer Zinspolitik aber ebenso außer Acht wie die inflationstreibende Wirkung der Energiepreise, die als Weltmarktpreise kaum zu beeinflussen seien.

Eine weitere Anhebung indirekter Steuern, wie etwa in Deutschland geplant, könnte nach Analyse des IMK die Zentralbank zu weiteren Zinsschritten veranlassen. Diese würden die beginnende konjunkturelle Erholung schwächen. Als Ausweg aus einer drohenden Blockade von Geld- und Fiskalpolitik empfiehlt das IMK eine grundlegende Reform. Dabei "wäre die EZB neben Preisstabilität auch explizit auf Wachstum und zur Kooperation mit der Wirtschafts- und Finanzpolitik zu verpflichten".

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_61291.html
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_06_2006.pdf
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2006_01_2.pdf

Weitere Berichte zu: EZB Euroraum IMK IMK-Report Inflationsrate

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften