Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Campus: die Hochschulform der Zukunft?

21.12.2005


Ist die Campusanlage die Hochschulform der Zukunft? Was ist ein Campus? Ist der amerikanische Campus für deutsche Hochschulen eine sinnvolle Form? Im Auftrag der TU Darmstadt haben Judith Elbe vom Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung (ZIT) an der TUD, Julia Goldschmidt und Martin Wilhelm eine Studie zu diesem Thema erstellt, die jetzt als Buch erschienen ist.



Der Campus ist in der Debatte um die Zukunft der deutschen Hochschulen zu einem Projekt avanciert, an das viele Hoffnungen geknüpft sind: Der Begriff klingt nach Weltoffenheit, nach Harvard und Yale, nach Leistung und Elite. Doch taugt das US-amerikanische Modell als Vorbild für (neue) Universitätsanlagen in Deutschland?

... mehr zu:
»Elbe »Harvard »US-amerikanisch »ZIT


Nein, bilanziert die Studie "Campus - zur Zukunft deutscher Hochschulräume im internationalen Vergleich". Der Begriff Campus muss für Deutschland und Europa eine eigene Definition erhalten. Anhand einer städtebaulichen und architektonischen Analyse sowie qualitativen Interviews mit Studierenden zeigen die Autoren, dass ein US-amerikanischer Campus hierzulande nicht nötig ist und nur unter bestimmten Bedingungen für die Entwicklung der Hochschulen sinnvoll wäre.

Der Grund: Harvard, Yale und andere US-amerikanische Campus-Hochschulen sind autarke Gebilde, dort konzentrieren sich auf einem Quadratkilometer Institute und Theater, Wohnheim und Sportvereine. Hierzulande verteilen sich solche Einrichtungen über die gesamte Stadt, deren über Jahrhunderte gewachsene städtebauliche und gesellschaftliche Struktur sich schwerlich über Nacht ändern lässt.

Dazu kommt, dass die Vorstellung, dass ein Campus die Bedingung für die Produktion einer "Elite" sei, nach Ansicht der Autoren nicht greift: Zwar hat die effiziente Organisation Vorteile, doch war das nie das Ziel des Campus. Der Campus ist vielmehr Ergebnis von Siedlungsstrukturen. Auch eine Universität in einer europäischen Innenstadt könne Elite produzieren.

Aus Sicht der Betroffenen sei ein Import des Campus-Modells zudem nicht wünschenswert: Forschungseinrichtungen arbeiteten in Deutschland sehr unabhängig von den Hochschulen und schätzten eine gewisse räumliche Distanz, Studierende lehnten das internatsähnliche Leben der Studierenden in den USA ab.

"Vernetzung ja, autarke Einheit nein" lautet deshalb die Empfehlung der Autoren an Bildungspolitiker und Hochschulverwaltungen, Stadt- und Hochschulplaner sowie Architekten, Soziologen und Pädagogen und definiert neu: Die deutsche Hochschule ist ein Arbeitsort, der US-amerikanische Campus ist ein Lebensort. Der Campus im deutschen Sinne entsteht durch die Zusammenbindung studienrelevanter Einrichtungen mit Studentenquartieren und städtischer Kultur, eher durch vernetzende städtebauliche Maßnahmen als durch Abschottung und Konzentration. So leistet das Buch in der aktuellen Debatte um die Zukunft der deutschen Hochschulen einen wichtigen Beitrag, der weit über den architektonisch-planerischen Diskurs hinaus weist.

Martin Wilhelm, Architekt, kennt die deutsche Universität ebenso wie den US-amerikanischen Campus. Er war Projektleiter im Forschungsverbund Stadt2030-Dietzenbach und Co-Autor im Forschungsprojekt "Uni21", zu dem auch die Arbeit für das Buch "Der Campus" gehört. Judith Elbe ist Raumplanerin und Mitarbeiterin des ZIT, wo sie derzeit für ihre Promotion forscht. Julia Goldschmidt ist selbständige Architektin.

Das ZIT führt als zentrale interdisziplinäre Einrichtung der Technischen Universität Darmstadt die ingenieur-, natur-, sozial- und geisteswissenschaftlichen Fachbereiche zusammen. Die ZIT-Mitarbeiter betreiben problemorientierte Forschung und Lehre.

"Der Campus - zur Zukunft deutscher Hochschulräume im internationalen Vergleich", Judith Elbe, Martin Wilhelm und Julia Goldschmidt, herausgegeben vom Zentrum für Interdisziplinäre Technikforschung (ZIT) der TU Darmstadt, 108 Seiten, Paperback, 127 meist farbige Abbildungen, 19,90 Euro, ISBN 3-936294-05-4

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.zit.tu-darmstadt.de/campus
http://www.campusforschung.de
http://www.tu-darmstadt.de/

Weitere Berichte zu: Elbe Harvard US-amerikanisch ZIT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise